Köln – Eine verlassene Fabrikhalle in Bihac an der bosnisch-kroatischen Grenze. Dutzende Menschen haben hier notdürftig ihr Lager aufgeschlagen, seit Monaten schlafen sie auf dem nackten Betonboden. Es sind Geflüchtete aus Afghanistan, Irak, Iran und anderen Ländern, die auf dem Weg nach Europa hier gestrandet sind. „Weil die staatlichen Flüchtlingslager in Bosnien überfüllt sind, leben viele Menschen hier unter katastrophalen Bedingungen. Sie wissen nicht, woher ihre nächste Mahlzeit kommt, sie haben keine Toiletten und keine vernünftige Möglichkeit, sich zu waschen“, schildert der Kölner Jonathan Sieger die Situation. Gemeinsam mit Freunden hat er vor zwei Jahren die Initiative „Kölner Spendenkonvoi“ gegründet, um Geflüchteten in Bosnien zu helfen.
Es fehlt an allem
„Es fehlt am Nötigsten – Essen, Trinkwasser, Kleidung, Schuhe.“Während über Bootsflüchtlinge im Mittelmeer häufig berichtet wird, ist das Schicksal der Menschen an der EU-Außengrenze in Bosnien kaum bekannt in Deutschland. Doch hier spielt sich das Gleiche ab wie in der Ägäis – wo die EU-Grenzschutzagentur „Frontex“ Flüchtlingsboote illegal in türkische Gewässer zurückgedrängt hat, statt die Insassen zu retten. Sogenannte „Push Backs“ gibt es auch auf dem Balkan. Von Bosnien aus versuchen Geflüchtete, zu Fuß über Kroatien nach Slowenien, Österreich oder Italien zu gelangen.

Weil die Flüchtlingslager in Bosnien überfüllt sind, campieren viele Geflüchtete bei Minusgraden in Zelten in dieser ehemaligen Industriehalle ohne Fenster.
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Auf ihrem tagelangen Marsch durch die Wälder werden viele von kroatischen Sicherheitskräften entdeckt und gewaltsam zurück nach Bosnien abgeschoben. „Dabei kommt es immer wieder zu Misshandlungen“, so Sieger. „Geflüchtete berichten, dass sie brutal verprügelt wurden. Man nimmt ihnen die Schuhe ab und schlägt ihre Fußsohlen blutig, zwingt sie dann, durch den Grenzfluss zurück nach Bosnien zu waten.“
Kölner Spendenkonvoi sammelt Sach- und Geldspenden
Für Geflüchtete in Bosnien sammelt der „Kölner Spendenkonvoi e. V.“ Sach- und Geldspenden. Mit dem Geld werden vor Ort Lebensmittel gekauft. Kleiderspenden können am 12. und 13. Dezember jeweils von 10 bis 18 Uhr im Innenhof des Autonomen Zentrums, Luxemburger Straße 93, 50939 abgegeben werden. Benötigt wird warme Herrenkleidung (Winterjacken, Hosen, Pullover, Unterwäsche, Socken) in Größe S, M und L . Auch Schlafsäcke, Isomatten, Zelte und Taschenlampen sind gefragt. Weitere Informationen unter:www.koelner-spendenkonvoi.de
Dieses Vorgehen ist illegal, eigentlich müsste Kroatien als EU-Land den Asylgrund prüfen. Stattdessen werden die Menschen mit Gewalt zurückgedrängt. Trotzdem versuchen sie es immer wieder. Zu verzweifelt ist ihre Lage. Doch meist werden sie auf der Flucht in Kroatien aufgegriffen und zurückgebracht. Manche hausen schon seit Jahren unter widrigsten Bedingungen an der Grenze – gestrandet im Nirgendwo. „Auch Familien mit Kindern sind dabei. Jetzt im Winter ist die Lage angesichts der Kälte besonders schlimm. Wenn man gesehen hat, wie die Menschen hier leiden, das lässt einen nicht los“, erzählt Sieger.Er war im Dezember 2018 das erste Mal vor Ort, brachte mit zwei Mitstreitern im VW-Bus Essen und Kleidung. Die Fahrt war privat organisiert und komplett aus Privatmitteln und Spenden finanziert. Vor Ort arbeiteten die Kölner mit lokalen Helfern und der Hilfsorganisation „SOS Bihac“ zusammen. Dank dieser Kontakte darf der „Kölner Spendenkonvoi“ nach 2019 auch dieses Jahr trotz Corona-Auflagen wieder nach Bosnien reisen, um Geflüchteten zu helfen. Am 27. Dezember soll die Fahrt starten, dafür werden noch Spenden gesammelt (siehe Kasten). Falls die Grenzen schließen, werde eine Spedition beauftragt, die Hilfsgüter zu liefern, so Sieger.
