Köln – Noch ist nicht entschieden, welche Taxifahrer die drei großen Bahnhöfe anfahren dürfen, da droht dem Gewerbe schon neues Ungemach: Die Stadt müsse die Zahl ihrer Taxilizenzen um 250 reduzieren, um die Funktionsfähigkeit des Gewerbes wieder herzustellen, empfehlt das Gutachten eines Hamburger Marketinginstituts, das der Rundschau vorliegt. Der Gutachter stellte nach der Durchsicht der Steuererklärungen von Kölner Taxiunternehmern im Auftrag der Stadt eine „chronische Überbesetzung des Taximarktes“ fest. Sie habe zu einer „ruinösen Wettbewerbssituation“ geführt. 1217 Lizenzen gibt es.
480 Kölner Taxis stufte der Gutachter als „semiprofessionell“ ein: 300 von Klein- und 180 von Einzelunternehmen. Sie erlösten nur 73 Cent je gefahrenen Kilometer. Selbst die als professionell eingestuften Betriebe bleiben mit 88 Cent je Kilometer noch deutlich hinter dem in Hamburg üblichen Kilometererlös von 1,04 Euro. Die in Köln steuerlich geltend gemachten Personalkosten finden die Gutachter „völlig unzureichend“. Der durchschnittliche Überschuss professioneller Mehrfahrer-Betriebe habe von 2011 bis 2013 mit 14 200 Euro „nahe der Armutsgefährdungsgrenze“ gelegen. Alleinfahrer hätten mit 20 200 Euro nur wenig mehr als unbedingt nötig erwirtschaftet.
Echte Geschäftsaufgaben gebe es nicht, vielmehr floriere ein Konzessionshandel zu teils horrenden Preisen, der mit einem „Abdriften zahlreicher Betriebe in die Schattenwirtschaft – mit der Aussicht auf Schwarzeinnahmen und erschlichene Sozialleistungen“ verbunden sei. Das Gutachten empfiehlt Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu verlangen, zu deren Prüfung die Stadt aber qualifiziertes Personal benötige. Der Taxi Ruf Köln hält das für absurd und will klagen, wenn die Politik der Auffassung des Gutachters folgen sollte.
Taxifahrer wollen Möbelmesse boykottieren
Auf dem Klageweg will die Genossenschaft auch das Vorrecht der Daimler-Tochter Mytaxi an den Bahnhöfen abwehren. Einige Fahrer kündigten an, sie wollten zur am Montag beginnenden Möbelmesse diese Bahnhöfe nicht anfahren. „Ein Messeboykott würde nur dem Ruf der Stadt und dem Taxigewerbe schaden“, warnt jedoch Aleksandar Dragicevic, Sprecher von Taxi Ruf Köln: „Dass Sicherheitsleute der Bahn Nummernschilder unserer Fahrer notieren, die keine Plakette von Mytaxi kauften, ist zudem eine psychische Belastung.“ Mytaxi hat laut seinem Sprecher Stefan Keuchel der Stadt Köln das geforderte Nutzungskonzept vorgelegt. Bald würden Schilder montiert „die unmissverständlich klar machen, dass dort nur Taxis mit Plakette stehen dürfen.“
