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Haltestelle Neusser Straße/GürtelStadt will Verkehrsknoten in Nippes neu gestalten

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Die Visualisierung zeigt die geplante Umgestaltung des Verkehrsraums an der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Köln-Nippes.

Die Visualisierung zeigt die geplante Umgestaltung des Verkehrsraums an der Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes. Dort sollen Schutzstreifen für Radfahrer und neue Querungen mit Ampeln entstehen.

Der öffentliche Raum rund um die Haltestelle Neusser Straße/Gürtel soll für vier Millionen Euro aufgewertet werden.

An der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel begegnen sich täglich Tausende Verkehrsteilnehmer auf engstem Raum. Unten fährt die U-Bahn, oben die Hochbahn. Auf der Straßenebene treffen Fußgänger, Radfahrer, Busse, Autos und Taxis aufeinander. Da sind Konflikte programmiert. Die Stadt Köln will den Verkehrsknoten neu gestalten und den angrenzenden Stadtraum aufwerten.

Dafür gibt es auch in Zeiten knapper Kassen gute Gründe, denn zurzeit entspricht das Areal nicht den gesetzlichen Anforderungen, vor allem bei der Barrierefreiheit. „Viele Hindernisse und Straßenquerungen erschweren besonders Menschen mit Seh- oder Gehbehinderung die Fortbewegung“, so das Amt für Straßen und Radwegebau. Der Stadtrat soll am 10. Dezember 185.000 Euro für die weitere Planung freigeben, die Bezirksvertretung Nippes befasst sich am 5. November mit dem Thema. Ein Überblick.

Status quo

Die Haltestelle Neusser Straße/Gürtel zählt zu den verkehrsreichsten im Kölner Norden. Hier halten die Bahnlinien 12, 13 und 15 sowie die Buslinien 121, 140 und 147 und bei Bedarf auch die Taxibus-Linien 184 und 186. Die Verkehrsflächen sind laut Stadt „unübersichtlich und nahezu vollversiegelt“, die Belange von ÖPNV-Nutzern, Fußgängern und Radfahrern seien „unzureichend berücksichtigt“. Das Umfeld, einschließlich der Zonen vor dem Bezirksrathaus, der Peter-Ustinov-Schule und den umliegenden Geschäften, weise eine geringe Aufenthaltsqualität auf. „Es fehlen gestalterische Elemente, die zum Verweilen einladen oder zur Identitätsbildung des Quartiers beitragen“, so das Amt für Straßen und Radwegebau.

Verkehrssicherheit

Ziel der Umgestaltung ist laut Stadt „ein sicherer, barrierefreier und attraktiver öffentlicher Raum für alle“. Vorgesehen sind barrierefreie Bushaltestellen, komfortablere Fußwege sowie zusätzliche Straßenquerungen mit Ampeln. Bislang gibt es nur einen Zebrastreifen unter der Hochbahn sowie zwei Querungshilfen im näheren Umfeld. Künftig werden mehrere Ampeln aufgestellt. Dies stelle aus Sicht von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die sicherste Lösung dar, so die Stadt. Akustische und taktile Elemente sollen sehbeeinträchtigten Menschen bei der Orientierung helfen. Dafür wird das taktile Leitsystem an die Stadtbahn- und Bushaltestellen angebunden.

Das Umfeld der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes.

Eher trist wirkt das Umfeld der KVB-Haltestelle Neusser Straße/Gürtel in Nippes zurzeit.

Neuordnung des Straßenraums

Wie berichtet, wird der Niehler Gürtel in den kommenden Jahren im Rahmen des Projekts „Grünzug Nippes“ zu einer Radverkehrsverbindung mit angrenzenden Grünflächen umgewandelt. An der Kreuzung mit der Neusser Straße werden künftig Ampeln den Verkehr regeln. Dadurch könne man die Straßenverkehrsfläche auf „ein Minimum“ reduzieren, so die Stadt. Geplant sind zwei 3,25 Meter breite Fahrstreifen für Autos mit danebenliegenden Schutzstreifen für Radfahrer, die 1,75 beziehungsweise 2,00 Meter breit sind. Sämtliche freilaufenden Rechtsabbieger werden zurückgebaut.

Die Radverbindung Niehler Gürtel wird laut Verwaltung in einer Regelbreite von 5,00 Metern ausgeführt. Auf der Ostseite der Neusser Straße diene der Radweg zugleich als Zufahrt für die Linienbusse, die vor dem Bezirksrathaus wenden. Das Amt für Straßen und Radwegebau bezeichnet es als „verträgliche Kombination“, dass sich Radfahrer und Busse diesen Abschnitt teilen müssen. Dadurch lasse sich die Versiegelung minimieren. Man habe geprüft, ob die Wendeschleife für die Busse ganz entfallen könne. Sie sei aber von der KVB als unverzichtbar eingestuft worden.

Mobilstationen

Im Bereich der Haltestelle sind Flächen für Sharing-Angebote vorgesehen, insbesondere für Leihräder, Leih-Scooter und Carsharing. Außerdem sollen zusätzliche Abstellanlagen für Fahrräder und Lastenräder entstehen.

Aufenthaltsqualität und Klimaschutz

Frei werdende Bereiche will man nutzen, um den Stadtraum aufzuwerten. Bislang versiegelte Flächen sollen begrünt und 21 Straßenbäume gepflanzt werden. Dabei setzt die Stadt das Konzept „Wasser muss zum Baum“ um, wonach Regenwasser gezielt von Straßen und Gehwegen zu den Wurzelräumen der Bäume geleitet wird, anstatt es ungenutzt in die Kanalisation fließen zu lassen. Weiteres Niederschlagswasser soll möglichst vor Ort versickern. Auf der Nordwestseite der Haltestelle entsteht eine kleine Platzfläche für Veranstaltungen oder Aktionen. Auch dort sollen Bäume als Schattenspender gepflanzt werden.

Ausblick und Kosten

Sobald der Rat zugestimmt hat, soll die Entwurfsplanung starten. Sie wird in Eigenleistung von Ingenieuren der Stadt Köln durchgeführt. Die vom Rat zu beschließenden Planungskosten in Höhe von 185.000 Euro entfallen laut Stadt auf „planungsbegleitende Ingenieurleistungen wie Gutachten und Untersuchungen“. Die Bauausführung soll rund 3,8 Millionen Euro kosten und 2030 starten. Die Stadt will beim Land Fördermittel beantragen.

Dass die Umgestaltung überhaupt in Angriff genommen wird, obwohl Köln in einer schweren Haushaltskrise steckt, begründet die Stadt mit der fehlenden Barrierefreiheit. Die Maßnahme sei „aus Gründen der Gleichstellung sowie der Verkehrssicherheit“ notwendig. Zudem habe man zwei starkregengefährdete Bereiche ermittelt, in denen es zu Schäden an Gebäuden und Infrastruktur kommen könne. Die Kommune sei gesetzlich verpflichtet, Niederschlagswasser schadlos abzuleiten. „Die Umsetzung des Entwässerungskonzepts als integrierte Gesamtmaßnahme ist daher rechtlich zwingend geboten“, so die Stadt.