Köln – Sascha Herwartz war 19 Jahre alt, als eine Sekunde sein Leben für immer veränderte – und fast zerstörte: Der junge Mann stieß mit seinem Auto unverschuldet mit einem Traktorgespann zusammen und erlitt schwerste Schädelverletzungen. Vier Monate lang lag er im Koma, verbrachte dann dreieinhalb Jahre in einer Rehaklinik und ist auch heute, 17 Jahre später, immer noch von dem Unfall gezeichnet. Begleitet von Intensivtherapien und mit Hilfe seiner Familie und eines Betreuers meistert er sein Leben, das so selbstständig wie möglich sein soll.
Das Schicksal des heute 36-Jährigen berührte von Anfang an auch den Verkehrsrechtsexperten und Fachbuchautoren Hans Buschbell – Sascha Herwartz ist der Sohn eines Mitarbeiters. „Man kann sich nicht vorstellen, wie man von so etwas schlagartig getroffen werden kann, welche Ratlosigkeit und Verzweiflung sich einstellt“, so der Jurist, der im 49. Berufsjahr tätig ist. Schon immer ausgerichtet auf Verkehrsangelegenheiten, entschloss er sich vor zwei Jahren, eine Stiftung zu gründen, die es so in Deutschland noch nicht gibt und die jetzt ihre Arbeit aufnimmt: Die „Hans-Buschbell-Stiftung – Rat für im Straßenverkehr Schwerverletzte“.
Die als gemeinnützig anerkannte Einrichtung hat zum Ziel, Personen, die im Straßenverkehr schwer verletzt wurden, bei der Bewältigung von unfallbedingten, sozialen, rechtlichen und medizinischen Problemen kostenfrei Hilfe zu geben. Sie soll materielle Unterstützung, insbesondere bei der Durchsetzung von Rechten, gewähren und die Anliegen von Unfallopfern in der Öffentlichkeit vertreten.
Jeder, der als Fahrzeuglenker, Insasse, Radfahrer oder Fußgänger schwere Verletzungen erlitten hat, kann die Beratung in Anspruch nehmen – auch Jahre nach dem Geschehen. Angehörige, Sozialarbeiter oder Betreuer können sich ebenso an die in Köln ansässige Stiftung wenden. Themen wie Haftungs- und Versicherungsfragen, Verdienstausfall, Rehamaßnahmen, Umschulungen, Umbauten der Wohnung und Pflegeprobleme sollen interdisziplinär koordiniert und besprochen werden.
Unterstützt von einem Netzwerk aus Ärzten, Wissenschaftlern, Anwälten, Finanz- und Versicherungsfachleuten aus ganz Deutschland startet die Stiftung zunächst in Köln und soll dann NRW-weit sowie später deutschlandweit tätig sein. „Wir sind ein ehrenamtliches Start-up“, schmunzelt Buschbell.
Prominent besetzt ist das Kuratorium: Präsident ist Alt-OB Fritz Schramma, der durch den Unfalltod seines Sohnes mit der Notsituation von Angehörigen leidvoll erfahren ist. Sein Stellvertreter ist Michael Hoffmann, Präsident des Zentral-Dombau-Vereins.
