Köln – Ein Eiscafé auf der Sülzburgstraße. Hans Süper sitzt in der Ecke, trinkt Tee. Manfred Eupen, Vorstand der Kleinen Erdmännchen, schleppt eine Pappfigur von Hans Süper heran. „Boah bin ich hässlich“, sagt Süper amüsiert. Es ist ein Werbeschild, denn am 14. Mai wird er im Maritim auftreten.
Herr Süper, die Menschen werden Ihnen heute sehr oft sehr viel Glück wünschen. Was bedeutet Glück für sie?
Glück ist für mich, wenn du 80 wirst und einigermaßen gesund bist. Ich kann sagen: Mein Gott, was geht es dir gut. Deshalb will ich in den nächsten ein, zwei Jahren auch mehr in Altersheimen auftreten und etwas für Menschen machen, denen es nicht so gut geht.
Hatten Sie bislang auch ein glückliches Leben?
Ich habe viel erlebt, deshalb bin ich zufrieden. Ich habe nie etwas gelernt, habe mein Geld als Kaffeejunge verdient und als Bote. Fast 30 Jahre lang bin jeden Tag Touren von bis zu 500 Kilometern gefahren. Autofahren war für mich das Schönste, was es gab. Ich hatte aber nicht immer nur Kirschenessen, im Leben habe ich auch viel geweint – vor allem nach den Trennungen. Eine Zeit lang habe ich im Auto geschlafen und am Wochenende Musik gemacht.
Wie groß feiern sie ihren Geburtstag?
Nur im engsten Familienkreis. Ich feiere in meinem Wohnzimmer, im Sölzer Klaaf. Zu meinem 70. Geburtstag hatte ich damals 100 Gäste, aber hinterher gibt es immer Menschen, die fragen, warum sie nicht eingeladen worden sind. Das will ich vermeiden.
Sind sie ein Familienmensch?
Ich bin geschieden worden, meine Kinder sind bei ihrer Mutter groß geworden. Ich war sozusagen zahlendes Mitglied. Jetzt sind meine Kinder groß und ich denke, sie bekommen mehr von mir, als ich damals von meinem Vater bekommen habe.
Was hätten Sie gerne von ihm bekommen?
Die Musikalität habe ich ja geerbt. Musikalisch bediente mein Vater eine andere Richtung, er war altmodischer, ich moderner. Über Musik konnte ich mich mit ihm aber nie unterhalten. Nur Weihnachten waren wir alle zusammen. Abends haben wir im Hinterhof Musik gemacht, mein Bruder spielte Quetsch, mein Vater Geige, ich Flitsch. Das war eine schöne Zeit in den 50er und 60er Jahren.
Niemals woanders als in Sülz.
Könnten Sie woanders leben als in Sülz, in ihrem Veedel?
Nein, das ist meine Heimat, hier bin ich zu Hause. Hier habe ich alle Freunde und Bekannte, ich weiß, wo ich gegrüßt werde, wo Neid und Freundschaft sind. Aber ich bin jetzt in einem Alter, wo es immer öfter heißt: Hast du gehört, wer gestorben ist.
Sind Sie jemand, der über Wehwechen und Krankheiten redet.
Wenn ich ein Fützchen quer sitzen habe, will ich alleine sein. Ansonsten bin ich sehr sentimental. Beim Stüsser (ein Brauhaus in Nippes; Anm. d. Red.) habe ich eine Frau kennen gelernt, die dort ein Süper-Fenster mit Bildern dekoriert hat. Sie ist ein großer Fan. Jahrelang hat sie ihren Mann gepflegt, dann ist er gestorben. Jetzt hat sie selbst Krebs. So ist das, manchmal macht der liebe Gott auch Fehler.
Denken Sie über solche Dinge beim Angeln nach?
Dabei denke ich über alles nach. Über mich, über Auftritte. Wenn das Publikum lacht, habe ich keine Kontrolle mehr über mich, dann vergesse ich Dinge. Beim Angeln geht es mir vor allem um die Ruhe.
Was würden sie an der Welt verändern?
Es dürfte nie mehr Krieg geben. Aber wir sind alle wieder bis obenhin bewaffnet. Ich verstehe Kriege nicht. Was jetzt mit den Flüchtlingsströmen abgeht, da kann man sich nicht reindenken. Man müsste mal drei Wochen so leben, um die Menschen zu verstehen. Generell hasse ich es, wenn sich Menschen für etwas Besseres halten. Wer meint, er sei der Größte, soll zum Dom gehen und hoch schauen. Dann sieht jeder, wie klein er ist.
Können Sie als sentimentaler Mensch in diesen Tagen gut Nachrichten schauen?
Aus der Politik halte ich mich raus, weil ich zu weich bin und keine Ahnung davon habe. Ich liebe den Frieden. Die Menschen haben heute alles, aber damals hatten wir nichts und waren glücklich. Wir haben mit Stöcken im Dreck gespielt. Ich bin als Kind groß geworden, das meine ich in tiefsinniger Weise. Heute kriegen die Kinder den Porscheschlüssel in den Kinderwagen geworfen. Voll aufgetankt. Da fällt mir noch was ein.
Und zwar?
Ich freue mich, dass der Rosenmontagszug in Düsseldorf nachgeholt worden ist. Das war politisch stark, mit Köln hat das nichts zu tun. Wagenbauer Jacques Tilly geht in die Vollen.
Ein Lob für Düsseldorf.
Ich habe nie Witze über Düsseldorf gemacht. Aber da fällt mir einer ein. Ein Sarg aus dem 14. Jahrhundert wird in Düsseldorf angetrieben. Archäologen wollen ihn öffnen, schaffen es aber nicht. Warum nicht? Da liegt ein Zuhälter drin.
Das Eiscafé lacht. Hans Süper auch. Sein Tee ist leer.