Köln – Hakennase, Kinnbart und vor allem hässlich – so trugen Generationen von Zeichnern mit zum Bild des „bösen Juden“ bei, der vor allem nur deshalb „böse“ war, weil eine bis in vorchristliche Zeit zurückreichende antisemitische Hetze in immer neuen Spielarten das so wollte. Wie öffentlich solche Verunglimpfung etwa seit Erfindung der Postkarte verbreitet wurde, zeigt gerade eine Ausstellung im Spanischen Bau des Rathauses, die noch bis 29. Januar zu sehen ist.
Die Stadt Köln und die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit haben dazu die etwa 20 Tafeln einer Wanderausstellung des Bundes mit Schautafeln der Amadeu-Antonio-Stiftung kombiniert. So wird sichtbar, dass Antisemitismus nicht mit der Nazi-Diktatur begann und auch nicht mit ihr endete. In unterschiedlichster Form ist Fremdenhass auch heute im Alltag sichtbar.
Wie das geplante jüdische Museum, das auch Gedenkstätte werde, solle die Ausstellung „die Wahrnehmung schärfen“, sagte Bürgermeister Andreas Wolter. Er hält die Gesellschaft für „schlecht vorbereitet“, um neue Formen von Antisemitismus zu erkennen“.
Professor Dr. Jürgen Wilhelm, Vorstandsvorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, zog eine Parallele zum Hass, der heute mit gleicher Selbstverständlichkeit und Gefährlichkeit im Internet verbreitet werde wie damals durch die Postkarten. Er warnte von den systematischen Tabubrüchen, mit denen Begriffe wie „völkisch“ oder anderes antisemitisches Gedankengut verharmlost würden. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages, kritisierte mangelnde Gegenwehr aus der Zivilgesellschaft. Sie hätte Versammlungen der „Demokratischen Front zur Befreiung Palästinas“ in der Alten Feuerwache oder die „Klagemauer“ auf der Domplatte verhindern müssen. „Es muss gesagt werden: ,So was wollen wir nicht!‘“, forderte Beck.