Hilfe aus KölnWie das Blau-Gelbe Kreuz die Ukraine unterstützt

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Julia Chenusha (l.) und Linda Mai vom Blau-Gelben Kreuz hinter den Rettungsrucksäcken für die Feldärzte im Lager in der Marktstraße in der Südstadt.

Julia Chenusha (l.) und Linda Mai vom Blau-Gelben Kreuz hinter den Rettungsrucksäcken für die Feldärzte im Lager in der Marktstraße in der Südstadt.

Schon einen Tag nach dem russischen Angriff hatte der deutsch-ukrainische Verein Blau-Gelbes Kreuz ein Sammellager für Spenden. Inzwischen sind rund 2000 Tonnen Hilfsgüter von Köln aus in die Ukraine gegangen.

„Das hier ist besonders wichtig. Damit kann man die Blutung bei abgerissenen Gliedmaßen stoppen“, sagt Julia Chenusha und hebt ein kleines Plastikpäckchen hoch. Es gehört in den Rettungsrucksack. „Er enthält 140 verschiedene Medikamente und Medizinprodukte wie Verbandsmaterialien, Blutstiller, diagnostische Geräte, Produkte für Beatmung und Kreislaufstabilisierung. Die Feldärzte können damit fünf Menschenleben retten.

1200 solcher Rucksäcke haben wir schon verschickt“, erklärt Chenusha. Die stellvertretende Vorsitzende des deutsch-ukrainischen Vereins Blau-Gelbes Kreuz (BGK), ist Juristin. Doch inzwischen weiß die 35-Jährige Dinge, die sie lieber nicht hätte lernen müssen.

Köln: Verein hat jetzt sechsmal so viele Mitglieder

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat den ehemals kleinen Kölner Verein Blau-Gelbes Kreuz, der es ukrainischen Waisenkindern ermöglichte „Zwei Wochen Ferien ohne Krieg“ zu machen, zu einer der bedeutendsten deutschen Hilfsorganisationen für die Ukraine wachsen lassen. „Vor dem 24. Februar 2022 hatten wir 24 Mitglieder“, sagt die Vereinsvorsitzende Linda Mai. Jetzt sind es mit 150 mehr als sechsmal so viele.

Die Halle, in der die Hilfsgüter für die Ukraine gesammelt, sortiert, gelagert und verladen werden, ist riesig. 1600 Quadratmeter. Hinzu kommen Büroräume. „Wir hatten die Halle schon einen Tag nach dem Angriff am 25. Februar“, sagt Chenusha. Seitdem war sie – fast − ununterbrochen geöffnet. „Nur als es einen Bombenfund in der Gegend gab, konnten wir nichts tun.“ Bis zu 370 Menschen sind in den Hochzeiten hier gewesen, um zu helfen.

Die Autos, mit denen Sachspenden abgeliefert wurden, stauten sich bis in die Marktstraße. „Zuerst lief alles ziemlich chaotisch“, sagen die beiden Vorsitzenden übereinstimmend. Inzwischen gleicht die Logistik beim Blau-Gelben Kreuz der eines internationalen Unternehmens. Mit einer Ausnahme: So motivierte Mitarbeitende gibt es in der freien Wirtschaft nirgends.

Schon 2000 Generatoren in die Ukraine geliefert

Zwischen 30 und 40 Menschen arbeiten jeden Tag in der Halle in der Südstadt. Vom morgens bis in die frühe Nacht ist jemand da. Spenden − von warmer Kleidung über PCs, Pflegebetten, Rollatoren bis hin zu Hygieneartikeln werden sortiert, Listen erstellt, Kartons gepackt, Paletten vorbereitet. In der riesigen Halle stehen Hunderte originalverpackter Stromgeneratoren. „Inzwischen bekommen wir sie zum Einkaufspreis“, sagt Chenusha. Vor allem in Krankenhäusern und Heimen, aber auch in Kindergärten und Schulen sorgen die Generatoren dafür, dass der Betrieb aufrechterhalten werden kann. 2000 etwa sind schon in die Ukraine transportiert worden.

„Vor kurzem haben wir am Telefon einen Hilferuf erhalten, dass in einem Kinderkrankenhaus der Diesel für den Generator knapp wurde und nur noch für zwei Stunden reichte“, erzählt Chenusha − und freut sich, dass es das Kölner Team geschafft hat, in der Ukraine Diesel aufzutreiben. Die Verbindungen sind eng. „Aus den besetzten Gebieten kriegen wir teilweise nur schnell eine SMS, die die Menschen dann löschen müssen, weil die Russen die Handys kontrollieren“, sagt Chenusha.

Medikamente als extrem wichtige Lieferung

Medikamente gehören zum Wichtigsten, das das Blau-Gelbe Kreuz ins Kriegsgebiet transportiert. Sie werden als Medical Kit für Krankenhäuser zusammengestellt und mit einer Privatmaschine von Hangelar aus bis zur ukrainischen Grenze geflogen. Schon 1200 Babyboxen für den ersten Lebensmonat 100 solcher Med-Kits, die bis zu 100 Menschen das Leben retten können, sind bisher verschickt. Erfolgreich sind auch die Babyboxen, mit denen Mutter und Neugeborenes einen Monat lang versorgt sind. 1200 Stück sind schon in der Ukraine angekommen.

Transporte auch nach Dnipro

Geld- und Sachspenden kommen aus ganz Deutschland. Rewe, Ford und Aldi stehen an der Seite des Vereins. Ebenso die Stadt Köln, die den Ehrenamtspreis ans Blau-Gelbe Kreuz verliehen hat und eine Projektpartnerschaft mit der ukrainischen Millionenstadt Dnipro gestartet. Eine Reihe wichtiger Hilfsgüter von Rettungsfahrzeugen bis hin zu KVB-Bussen kamen über die Stadt. Gerade noch steht ein nagelneues Geländefahrzeug als Spende der Stadt in der Lagerhalle.

502 Lieferungen hat das Blau-Gelbe Kreuz im Jahr 2022 organisiert, 80 waren es bereits in diesem Jahr. Der Umfang: Mehr als 2000 Tonnen humanitäre Hilfe. „Am Anfang war das Solidarität, was wir hier als Team geleistet haben. Inzwischen ist es längst ein Mitkämpfen“, sagt Chenusha. „Wir sind reingewachsen in die Aufgabe“, ergänzt Mai , „Geweint wird nach dem Krieg. Dafür haben wir jetzt keine Zeit.“


Was wie gespendet werden kann und wie der aktuelle Bedarf ist, erfährt man auf der Seite des Vereins Blau-Gelbes Kreuz.  www.bgk-verein.de

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