Köln – Da staunte Heribert Resch nicht schlecht: Nachdem er der Rundschau ein Interview für die Serie „Expedition Endstation“ gegeben hatte, klingelte bei ihm das Telefon. Der Anrufer war ein Mann, mit dem er zuletzt vor 72 Jahren zu tun gehabt hatte. Auch der konnte seinerseits kaum glauben, dass sich durch einen Zeitungsartikel für ihn plötzlich eine Brücke in die Vergangenheit auftat.
„Ich wollte mich langsam an das Thema heranpirschen“, schildert Alfons Gernemann (96): „Also sagte ich ihm, dass ich den Bericht gelesen und früher auch einmal in dieser Gegend gelebt hätte. Dann fragte ich ihn, auf welche Schule er gegangen sei, und ob er mit dem Namen „Gernemann“ noch etwas anfangen könne.“ Das war der entscheidende Moment, erzählt Resch: „Gernemann? Ich dachte mir, du hattest doch als Kind einen Lehrer, der so hieß! Aber der kann es ja nicht sein...“ Immerhin hat Resch das Alter, in dem man mit Anrufen von Lehrern rechnet, schon eine Weile überschritten: Er blickt selbst auf 81 Jahre zurück.
Verabredung zum Kaffeetrinken
Doch was vermeintlich nicht sein konnte, stellte sich als Tatsache heraus: Am Telefon war Alfons Gernemann, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Lehrer an der Sülzer Volksschule in der Euskirchener Straße gewesen war. Hier, wo heute die Theodor-Heuss-Realschule untergebracht ist, verbrachte Heribert Resch seine Schulzeit. Dass nun die Rundschau sie so zufällig wieder zusammenführte, nahmen Resch und Gernemann zum Anlass, sich zum Kaffeetrinken zu verabreden. Mit dabei waren Reschs Ehefrau Christa und die frühere Lehrerin Hildegard Wasserfuhr, da die Männer im Telefonat festgestellt hatten, dass sie in ihr zufällig eine gemeinsame Bekannte haben.
Anderthalb Jahre lang unterrichtete Alfons Gernemann Heribert Resch und dessen Klassenkameraden. Insgesamt war der Lehrer vier Jahre in Sülz tätig, dann ging er für zwei Jahre in den Auslandsschuldienst und später an eine andere Kölner Schule. In Erinnerung geblieben ist beiden eine 14-tägige Wanderung von Köln nach Rüdesheim, die Gernemann damals zusammen mit einer Gruppe von 15 Schülern unternahm. „Unterwegs wurde Heribert Resch krank. Das stellte mich vor ein unlösliches Problem: Ich war ja auch für die anderen Jungs verantwortlich. Die wollten weiter, und Resch wollte kein Spielverderber sein“, weiß der Lehrer noch. Am Ende fand er doch einen Weg: Sein Bruder, der als zusätzlicher Erwachsener die Jungen begleitete, fuhr mit dem kranken Schüler per Anhalter von Jugendherberge zu Jugendherberge. So fand sich die Gruppe Abend für Abend wieder zusammen – auch ohne Smartphones und andere heutige Möglichkeiten.
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Was denkt man, wenn man nach 72 Jahren einen Schüler oder Lehrer wiedersieht? „Ich habe mich sehr gefreut“, meint Heribert Resch. Seine Frau verrät, dass er auch ein bisschen aufgeregt war. Alfons Gernemann sagt: „Ich habe eine seelische Wärme gespürt. Die erste Schule als erste Arbeitsstelle gewinnt für das Leben eine Bedeutung wie die eigene Kindheit.“



