Abo

Serie

Junges Handwerk
Kölnerin Elisabeth Lambert (20) will die Zukunft des Goldschmiedens erhalten

4 min

Hörsaal? Nein, danke! Elisabeth hat ihren Weg gefunden: Zwischen Hammer und Amboss arbeitet sie für ihren Traum.

Amboss, Walze, Lötstation. Dazwischen sitzt Elisabeth Lambert. Mit ihrem Polo-Shirt, den roten Nägeln und funkelnden Ohrringen könnte sie genauso gut in der Uni-Bibliothek zu finden sein. Doch sie wird die nächsten dreieinhalb Jahre an diesem hölzernen Werkbrett sitzen und lernen, aufwendige Schmuckstücke von der ersten Idee bis zum fertigen Kunstobjekt umzusetzen. 


Junges Handwerk – eine Serie

Wir haben mit jungen Kölnerinnen und Kölnern gesprochen, die sich für den Weg ins Handwerk entschieden haben. Sie lernen traditionelle Techniken und entwickeln zugleich ihre eigenen Vorstellungen davon, was Handwerk heute sein kann. Ihre Geschichten zeigen, wie vielfältig das Handwerk ist – und weshalb eine zunehmend digitale Welt Menschen braucht, die herstellen, reparieren und erhalten können.


Elisabeth sitzt an ihrem Werkbrett und sägt ein Modell.

Hier ist ihr Ausbildungsplatz für die nächsten dreieinhalb Jahre. An diesem Werkbrett lernt Elisabeth alles, was eine Goldschmiedin können muss.

Die Goldschmiede, in der Elisabeth Lambert lernt, liegt zwischen Wohnhäusern, gebettet in der Kölner Südstadt. „GoldKunstKöln“ ist Werkstatt sowie Laden und zudem ein Ein-Frau-Betrieb der Meisterin Sabrina Schildgen. 

„Ich hätte auch studiert, wenn ich den richtigen Studiengang gefunden hätte“, erzählt Elisabeth, die 2024 ihr Abitur gemacht hat. Hauptsächlich wollte sie aber immer etwas Kreatives machen und mit ihren Händen etwas erschaffen. 

Elisabeth sägt ein Logo mit einem Geißbock aus Metall.

Sägen, Feilen, Hämmern und Löten gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Goldschmiede.

Nach zwei unglücklichen Semestern Kunstgeschichte und einer halbherzigen Bewerbung an der KISD (Köln International School of Design) machte es dann endlich Klick. Ein Bekannter hatte einen Witz gemacht: Sie trage doch immer so viel Schmuck, warum also nicht Goldschmiedin werden?

Der Witz setzte sich in Elisabeths Kopf fest und wuchs zu einem ersten Praktikum. Sie erzählt: „Ich habe mich am ersten Tag hingesetzt und dachte: Ja, das ist es. Mir war dann klar, dass ich diese Ausbildung machen will.“

36 Absagen bis zur eigenen Werkbank

Mit einem Bewerbungsordner auf dem Beifahrersitz ihrer Mutter begann Elisabeth, Goldschmiedebetriebe abzufahren. Bei 36 Betrieben bekam sie eine Absage. Viele bilden überhaupt nicht mehr aus, erzählt Schildgen, die Meisterin, bei der Elisabeth schließlich unterkam. Zwar steigt das Interesse junger Menschen an Ausbildungen, aber von den rund 34.000 Mitgliedsbetrieben der Handwerkskammer zu Köln bilden nur etwa ein Sechstel aus. Und das, obwohl gerade beim Handwerk der Weg von einer Generation zur nächsten entscheidend ist. 

Elisabeth und ihre Meisterin Sabrina Schildgen vor der Werkstatt „GoldKunstKöln“ in der Kölner Südstadt.

„Es muss auch menschlich passen“, sagt Goldschmiede-Meisterin Sabrina Schildgen, die Elisabeth den Ausbildungsplatz angeboten hat.

Schildgen hat „GoldKunstKöln“ erst vor zwei Jahren gegründet. Einen Ausbildungsplatz anzubieten, war für sie deshalb auch ein wirtschaftliches Risiko. „Es kostet mich rund 1000 Euro im Monat, ohne dass ich erst einmal eine Arbeitsleistung erwarten darf“, sagt sie. Trotzdem stand für sie fest: „Mindestens einmal möchte ich mein Wissen weitergeben.“

Unterstützung von der Handwerkskammer

Wer sich für eine handwerkliche Ausbildung interessiert, aber noch nicht weiß, wie der Einstieg gelingt, kann sich an die Handwerkskammer zu Köln wenden. Sie vertritt die Interessen des Handwerks, unterstützt Betriebe und Auszubildende und berät junge Menschen bei der Berufsorientierung.

Ulrike Pütz leitet die Karrierewerkstatt der Handwerkskammer. Ihr wichtigster Rat: früh Kontakt zu den Betrieben aufnehmen und ein Praktikum machen. So könnten Jugendliche herausfinden, welches Handwerk zu ihnen passen könnte und wie der Berufsalltag aussieht.

i

Elisabeths Ausbildung verlangt Zeit und Geduld. „Sie arbeitet 40 Stunden die Woche, dazu kommt die Schule – welcher gewöhnliche Student tut das schon?“, sagt Schildgen. Die Ausbildungsvergütung beträgt rund 570 Euro im Monat. In einer Großstadt wie Köln reicht das nicht zum Überleben. Elisabeth wohnt deshalb bei ihren Eltern. Laut Pütz gebe es Unterstützung wie Wohngeld oder Berufsausbildungsbeihilfe, die man beantragen könne. 

Auf ihrem Instagram-Account teilt Elisabeth Einblicke in ihre Ausbildung. Damit wolle sie sich Reichweite aufbauen, die später bei dem Sprung in die Selbstständigkeit hilft. Denn Elisabeth träumt von einem eigenen kleinen Atelier und davon, ihr Wissen später selbst an eine nächste Generation weiterzugeben.

Sie ist diszipliniert und motiviert und am wichtigsten: Die Arbeit macht ihr Spaß. „Man braucht Ehrgeiz, um es zu schaffen“, betont sie. Doch der scheint nicht zu fehlen. „Manchmal sitzt man ewig an einer Sache, muss es wieder und wieder neu machen, damit man dann auch etwas hat, das man seinem Kunden gerne zeigen möchte.“ 

Elisabeth zeigt Ohrringe, die sie selber geschmiedet hat.

Auch Ohrringe hat Elisabeth schon geschmiedet. Diese werden sogar im Schaufenster ausgestellt.

Aktuell arbeitet Elisabeth an einem eigenen Karnevalsorden. Diesen will sie bei dem Wettbewerb von „Fest in Gold“ einreichen, der sich für die Förderung der Goldschmiedekunst einsetzt.

Für die Kölnerin ist Schmuck auch eine Form von Liebe. „Die Leute kommen hier hin und vertrauen uns ihre Dinge an“ – die Eheringe von Eltern oder verstorbenen Partnern, den Schmuck der Oma oder den Traum von einem Verlobungsring. „Und wir machen daraus dann etwas Neues, das ihnen richtig viel bedeutet.“ 

Die Zukunft des Goldschmiedens ist ungewiss. Elisabeth lässt sich davon nicht entmutigen. „Es ist so ein schönes Handwerk – so vielfältig. Ich möchte, dass die Menschen das sehen“, sagt sie.