Stiftungsprofessorin Andrea Hofmann will mit ihren Studierenden Strategien für Kalk entwickeln.
Mit Bürgerbeteiligung und Studierenden der TH KölnAnwohner sollen ihren Stadtteil Kalk mitplanen

Jan Schlagenhauf, Andrea Hofmann und Susanne Beschorner.
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„Ohne Präsenz entsteht kein Vertrauen“, sagt Andrea Hofmann zu Beginn eines kleinen Spaziergangs durch Kalk. Sie ist seit Kurzem Stiftungsprofessorin für inklusive Quartiersentwicklung an der Technischen Hochschule Köln. Bei der Entwicklung der Quartiere ist ihr der „aufsuchende Ansatz“ wichtig. Deshalb macht ein Rundgang vor Ort Sinn. Zu dem Termin eingefunden hat sich auch Jan Schlagenhauf, zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister von Kalk.
Fünf Jahre wird die Professur von der Marga- und Walter-Boll-Stiftung, der Rhein-Energie-Stiftung Jugend/Beruf, Wissenschaft sowie der Kämpgen-Stiftung gefördert. Andrea Hofmann wird in dieser Zeit mit ihren Studierenden Strategien für den Umbau des öffentlichen Raums entwickeln und möchte möglichst viele Betroffene mitnehmen: „Die Menschen vor Ort haben Kenntnisse über ihr Umfeld, die Außenstehende nicht haben können. Wenn sie diese Expertise in einen gemeinsamen Prozess einbringen, kann im Idealfall etwas Neues entstehen, das alle abholt.“ Hofmann hat sich den Stadtteil Kalk als Forschungsobjekt ausgesucht.

Ein Modell für die zukünftige Nutzung des Osthofs.
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Konflikt um Neubaupläne an den Köln Arcaden
Der Spaziergang beginnt am Rand des Bürgerparks hinter den Köln Arcaden. Dort stand bis 1993 die Chemische Fabrik Kalk (CFK). „Hier kann man ein Beispiel für die postindustrielle Transformation sehen“, sagt Schlagenhauf und verweist auf die Neubausiedlung am Rand des Parks. „Damals fanden keinerlei Aushandlungsprozesse mit der Bürgerschaft über die Nutzung des Areals statt.“ Genau das möchte Andrea Hofmann verhindern. Und hat mit dem Neubauprojekt der Eigentümer der Köln Arcaden gleich ein Beispiel für einen mühsamen Aushandlungsprozess. Dort, wo jetzt eines der beiden Parkhäuser steht, soll unter anderem ein 15-geschossiges Bürohaus errichtet werden. Der Investor möchte seine Ideen durchsetzen, die Bürger sind dagegen. Hofmann moniert, dass die Arcaden Kalk durchschneiden und zur Nachtzeit nicht durchquert werden können. „Das ist alles andere als ideal“, sagt die Professorin.
Weiter geht es über die Trimbornstraße und die Dillenburger Straße auf den Osthof der Hallen Kalk. Dort empfängt Susanne Beschorner vom Kreationszentrum Zeitgenössischer Zirkus (CCCC) die kleine Gruppe. Den Ort hat Andrea Hofmann schon genauer in den Blick genommen. Hier könnten auch die Studierenden sofort mit ihrer Arbeit anfangen. „In praktischen Prozessen lernt man viel besser. Wenn man nicht weiß, wofür, bleibt nichts hängen“, weiß die Professorin. Das CCCC sei ein kreativer Ort, den es mit der Nachbarschaft zu verzahnen gelte.
„Im Kreationszentrum Zeitgenössischer Zirkus werden aktuelle Formen von Zirkus entwickelt, gefördert und praktiziert“, erzählt Susanne Beschorner. „Interdisziplinäre Kooperationen und finanziell niederschwellige Zugänglichkeit ermöglichen vielfältige Perspektiven und Begegnungen.“ Ein Beispiel für Begegnungen sei das Projekt „ZZiSch“, hinter dem sich „Zeitgenössischer Zirkus zur Schulzeit“ verberge. Dabei würden Kinder und Jugendliche an das Thema Zirkus herangeführt. Beschorner hofft, dass das CCCC in absehbarer Zeit einen Erbpachtvertrag für das Gebäude am Osthof bekommt. „Wir verkörpern hier eine andere Idee von Stadt.“

