Der Kreißsaal des Evangelischen Krankenhauses Köln-Kalk (EVKK) wird zum 14. August geschlossen, die Geburtshilfe eingestellt.
Hebammen verärgertKreißsaal des evangelischen Krankenhauses in Köln-Kalk schließt

Das Evangelische Krankenhaus Kalk an der Buchforststraße 2.
Copyright: Dominik Griese/EVKK
Der Kreißsaal des Evangelischen Krankenhauses Köln-Kalk (EVKK) wird zum 14. August geschlossen und die Geburtshilfe eingestellt. Grund dafür ist laut EVKK, dass die Geburtszahlen rückläufig sind und die medizinischen Anforderungen an die Geburtshilfe an umliegenden Kölner Standorten breiter abgedeckt würden.
„Dort stehen spezialisierte Strukturen wie eine Pädiatrie und Neonatologie rund um die Uhr bereit, die im EVKK für Notfälle bei Neugeborenen fehlen“, teilt das EVKK auf Anfrage dieser Zeitung mit. Das Kalker Krankenhaus hatte deshalb ein sogenanntes regionales Planungsverfahren beim Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW eingeleitet. Die Entscheidung des Ministeriums ist laut EVKK absehbar: Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass es in Köln ohne das EVKK nicht zu einer Unterversorgung in der Geburtshilfe komme.
Kreißsaal in Köln-Kalk schließt
Durch Personalengpässe sei „eine lückenlose und sichere Versorgung 24/7 von werdenden Müttern und Neugeborenen voraussichtlich nur noch bis Mitte August 2026 darstellbar“, gibt das Kalker Krankenhaus an. Aus Gründen der Versorgungssicherheit und der Verantwortung gegenüber Patientinnen und ihren Kindern müsste daher die Geburtshilfe eingestellt werden. Die Gynäkologie solle stattdessen künftig gestärkt und als medizinischer Schwerpunkt ausgebaut werden.
Für die angestellten Hebammen ist die Entscheidung ein Schock. „Wir setzen uns als Team extrem für den Kreißsaal ein“, berichtet eine Hebamme, „jetzt ging alles Schlag auf Schlag und wir können nichts mehr tun.“ Mit der Einleitung des Planungsverfahrens beim Ministerium habe der 1. Januar 2027 im Raum gestanden, erzählen die Hebammen. Nun schließt der Kreißsaal Mitte August.
„Darüber wurden wir als letztes informiert, obwohl es uns betrifft“, kritisiert eine Hebamme. Das Kalker Krankenhaus teilt mit, dass die Geschäftsführung intern zu dieser Entwicklung informiert hat, als sich im Juni herausstellte, dass aufgrund der Personalsituation der Dienstplan für das Kreißsaal-Team nur noch bis Mitte August abbildbar war.
Köln-Kalk: Hebammen beklagen Schließung des Kreißsaals
„Wir wollten eigentlich noch alles versuchen, um das Angebot irgendwie gewährleisten zu können, haben alles reingesteckt und hatten einen Plan für August“, beklagt eine Hebamme. Die Hebammen des Kreißsaals werden ihren aktuellen Job verlieren. Ihnen wurde oder wird eine alternative Beschäftigung für den Einsatz in der Pflege angeboten, teilt das Krankenhaus mit. „Einige haben das Angebot bereits angenommen, bei anderen steht die Entscheidung noch aus. Keine Hebamme wird finanziell schlechtergestellt. Manche Kolleginnen haben sich aber auch bereits umorientiert und gekündigt.“
Für die Hebammen spendet das nur wenig Trost: „Manche von uns arbeiten seit über 20 Jahren hier und sind sehr gut in ihrer Arbeit im kleinen Kreißsaal, aber in der Maximalversorgung sind sie nicht mehr kompetent, das ist ja eine ganz andere Arbeit.“ Zudem sei es schwierig, neue Jobs in Köln als Hebammen zu finden, berichten sie. „Für viele von uns gibt es keine Alternative zur Anstellung in der Pflege, aber dafür sind wir schlichtweg nicht ausgebildet.“ Sie befürchten zudem, dass sie langfristig durch Tarifbedingungen so viel wie das Pflegepersonal und damit weniger als Hebammen verdienen werden.
Für die Hebammen ginge es aber nicht nur um ihren Job, sondern vor allem um den Umgang. „Wir durften den Patientinnen lange keine Auskunft über die Schließung geben“, kritisiert eine Hebamme. Das Kalker Krankenhaus wollte zu der konkreten anonymen Aussage keine Stellung nehmen, teilt aber mit, dass die Patientinnen informiert wurden, als Entscheidungen vorlagen und Informationen zum weiteren Vorgehen und zu den Versorgungsangeboten gegeben werden konnten. „Dies entspricht einem verantwortungsvollen Umgang mit einer für viele werdende Eltern sehr sensiblen Situation.“
Andere Kliniken in Köln sollen Versorgung bei Geburtenhilfe gewährleisten
Patientinnen, die sich für Geburtstermine ab August angemeldet hatten, seien vom Geburtshilfe-Team in persönlichen Telefonaten informiert worden und erhielten Kontakte zu alternativen Kliniken. „Marcus Kirchmann, Geschäftsführer des EVKKs, hatte dafür bei verschiedenen Kölner Geburtskliniken nach Kapazitäten gefragt. Alle angesprochenen Krankenhäuser haben hilfsbereit Kooperationen angeboten“, erklärt das Krankenhaus.
Trotzdem bezweifeln die Hebammen, dass die Versorgung gewährleistet werden kann. Das Kalker Krankenhaus dagegen schon: „Die hohe Klinikdichte in Köln gewährleistet auch künftig eine wohnortnahe Versorgung ohne wesentliche Veränderung bei den Fahrtzeiten. Versorgungslücken für Schwangere entstehen in der Stadt Köln nicht.“
Die Hebammen halten das für optimistisch. „Wir hatten rund 800 Geburten im Jahr, wo sollen die alle hin?“, sagt eine Hebamme. Eine andere fügt hinzu: „Wir hatten viele Mütter, die kein Deutsch sprechen. Die werden nicht wissen, dass sie nicht mehr in Kalk entbinden können, und trotzdem hier hinkommen und dann in der Notaufnahme landen, wo häufig nicht eingeschätzt werden kann, ob noch genug Zeit ist, um in ein anderes Krankenhaus zu fahren.“
Das Konzept des kleinen Kreißsaals halten die Hebammen außerdem für sehr wertvoll. Dort wurden Geburten ab drei Wochen vor voraussichtlichem Entbindungstermin von den Hebammen alleine begleitet. „Wir hatten häufig Eins-zu-eins-Betreuung, das ist super viel wert, für mich war das ein Grund, hier zu arbeiten“, sagt eine Hebamme. „Das ist der krasseste Moment im Leben der Frauen, ich möchte sie an die Hand nehmen und sie dadurch begleiten. Das ist in größeren Kreißsälen leider nicht immer möglich.“ Für die Hebammen zeichne sich mit der Schließung vor allem ein Bild: „Geburtshilfe ist nichts mehr wert, die Frauen werden vernachlässigt.“