Porträts von Frauen und Arbeiten von Schülern der Katharina-Henoth-Gesamtschule sind in St. Theodor in Vingst zu sehen. In vielen Ländern ist der Aberglaube bis heute tödlich.
Ausstellung in Köln„Hexenwahn – Zwischen damals und heute“ in St. Theodor in Vingst

Elftklässler der Katharina-Henoth-Gesamtschule setzten sich in Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und Gedichten mit dem Thema „Gewalt gegen Frauen“ auseinander.
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Eine Welt, die sprachlos macht: 45 rot markierte Felder kennzeichnen auf einer Erdkarte Nationen, in denen es im Jahr 2024 (aktuell 46 Länder, Anm. d. Verf.) zu Verfolgungen, Folterungen und Morden an Menschen kam, die als „Hexen“ oder „Hexer“ der Willkür ihrer Ankläger ausgesetzt waren. Neben Mittel- und Südamerika sind auch der afrikanische Kontinent, Arabien, Asien sowie Ozeanien stellenweise blutrot gefärbt. Krankheiten, Naturkatastrophen oder kriegerische Auseinandersetzungen gelten als Nährboden für jenen Aberglauben, der nach Recherchen des internationalen katholischen Hilfswerks missio in den vergangenen Dekaden mehr Leben als im europäischen Mittelalter gefordert hat.
55.000 Tötungen seit 1960
Die Organisation geht von rund 55.000 Tötungen seit 1960 aus. Betroffen sind vorwiegend Frauen, aber auch Männer sowie Kinder fielen und fallen dem Wahn zum Opfer. Die Ausstellung „Hexenwahn – zwischen damals und heute“ informiert im Kunstraum der Kirche St. Theodor über die Hintergründe dieser täglichen Tragödien. Gleichzeitig wird über humanitäre Aktionen, etwa die der Ordensschwester Lorena Jenal, die in Papua-Neuguinea ein Schutzzentrum aufbaute, informiert. Für die einprägsamen Bildaufnahmen geretteter Personen zeichnet die Kölner Fotografin und Autorin Bettina Flitner verantwortlich.

Für das Jahr 2024 dokumentierte das Hilfswerk „missio“ Hexenverfolgungen in 45 Ländern.
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Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten von Elftklässlern der Katharina-Henoth-Gesamtschule. In ihren Malereien, Zeichnungen, Skulpturen und Texten setzen sich die Jugendlichen kritisch mit den Themen Frauenhass, Mobbing sowie Sexismus auseinander. Kunstlehrerin Tinani Kutsch van Niekerk und ihre Kollegin Isabel Blumenthal motivierten die Schüler, über essenzielle Emotionen in den Themenkomplex einzusteigen. Das Gefühl, beobachtet zu werden, und Angst oder Machtlosigkeit gegenüber patriarchalisch geprägten Systemen bildeten die Grundlage für persönliche Perspektiven. „Beim Thema Frauenrechte waren die Schülerinnen häufig emotional stärker involviert, gleichzeitig konnten sich aber auch viele Jungen mit Aspekten systemischer Gewalt identifizieren. Es gab auch einzelne Schüler, die sich bewusst zurückgezogen haben“, erklärt van Niekerk.
Durch das Projekt habe sie viel Neues gelernt, beispielsweise, dass es nicht nur in Europa Hexenverfolgungen gab, berichtet Schülerin Sulaf Jaao. Die 18-Jährige wurde bereits durch die Historie der Namenspatronin der Katharina-Henoth-Gesamtschule sensibilisiert. Die Kölner Geschäftsfrau wurde am 19. Mai 1627 als vermeintliche Hexe auf dem Hinrichtungsplatz Melaten erwürgt und verbrannt. 2012 wurde Henoth vom Kölner Rat rehabilitiert. „Ich wollte zeigen, dass Frauen schon immer von Männern unterdrückt wurden, egal wann und wo“, sagt Jaao. In einer Gemeinschaftsarbeit mit Dajana Kopo zeigt „Toxische Männlichkeit“ ein massives dunkelfarbiges Objekt, das als Gleichnis für Unnahbarkeit und Gefährlichkeit stehen könnte. Ebenso in sinistres Kolorit gehüllt, offenbart „Ungewollte Berührung“ von Samira Rezai körperliche Übergriffe. „Auch wenn die Menschen solche Taten mit der Zeit vergessen, bleiben die Folgen für die Betroffenen bestehen. Die Kreide soll symbolisieren, dass die Spuren nicht verschwinden und solche Erlebnisse tiefe Narben in der Seele hinterlassen“, berichtet die 17-Jährige.
„Hexenwahn – zwischen damals und heute“, Bettina Flitner/missio Aachen/Katharina Henoth Gesamtschule, bis 28. August, KunstRaum Sankt Theodor, Burgstraße 42, 51103 Köln, Öffnungszeiten: samstags 13 bis 15 Uhr, sonntags 12 bis 13 Uhr. Zusatztermin: Podiumsdiskussion mit Schwester Lorena Jenal, Kunsthistorikerin Carina Stegerwald, Pfarrer Dirk Bingener (missio) und Pfarrer Franz Meurer (St. Theodor). Moderation: Dorothee Scharper (Melanchton-Akademie), Samstag, 18. Juli, 18 Uhr, St. Theodor, Eintritt frei
