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KalkbergAkute Gefahr für Mensch und Umwelt

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Erde aufgeschüttet wurde auf dem Kalkberg, aber nicht im Richtigen Schüttwinkel – eines von mehreren Problemen. (Foto: Meisenberg)

Erde aufgeschüttet wurde auf dem Kalkberg, aber nicht im Richtigen Schüttwinkel – eines von mehreren Problemen. (Foto: Meisenberg)

Köln – Der dritte und letzte Zwischenbericht des Instituts Roger Grün für den Kalkberg liegt vor – und demnach ist der Standort für die Rettungshubschrauberstation in einem weit schlechterem Zustand als bisher gedacht. Der Gutachter warnt vor akuter Gefahr für Mensch und Umwelt.

Der Bericht des Gutachters liest sich wie ein Schreckensszenario. Wurde bisher gerätselt, in welchem Umfang Kalk auf der Halde abgeladen wurde und wie weit der abgebunden hat, steht nun fest, im Inneren des Berges liegt eine 20 Meter mächtige Kalkschicht. Von der Oberkante aus beginnt sie in einer Tiefe von 15 Metern und reicht runter bis zur Sohle von 35 Metern. Kein Bereich dieses Kerns ist trocken. Der Gutachter beschreibt die Konsistenz von erdfeucht bis nass.

Zwar konnten die Setzungen der Rettungshubschrauberstation auf dem Berg durch das Abbaggern der Kuppe – rund 50 000 Tonnen Erde – bisher gestoppt werden. Der Gutachter geht aber davon aus, dass sich der feuchte Kalkkern „um weitere mehrere Millimeter pro Jahr“ bewegen kann.

Außen, am Berg, sieht es nicht besser aus. Weite Bereiche der Böschungen sind zu steil angelegt. Sie können jederzeit abrutschen. Das Risiko sei „nicht mehr kalkulierbar“. Dazu sind große Teile der Böschung „in erheblichem Maße von Kalk durchsetzt“. Es bestehe „akute Gefahr von Kalkaustritt“. Im Falle eines Erdbebens sei der Berg „völlig unberechenbar“. Wie durchsetzt die Böschung mit Kalk ist, wurde klar, als Pflanzpfähle aus dem Boden gezogen wurden. Die Spitzen waren kreideweiß.

Um die Umwelt vor Schadstoffen zu schützen, sollten die alten Böschungen von Baufirmen mit einer Folie überdeckt werden. Das ist aber auf weiten Flächen nicht geschehen.

Wild gewachsene Bäume und Sträucher am Berg wurden im Auftrag der Stadtverwaltung in den vergangenen zwei Wochen gerodet. Der Gutachter indes warnt: Dadurch könne „bei trockener und windiger Witterung ein Austrag von Schadstoffen in die benachbarten Wohnbereiche erfolgen“.

Eine erste Einschätzung des dritten Zwischenberichtes gab gestern als Bauherr Feuerwehr-Chef Johannes Feyrer ab. Er betonte, dass umgehend Sicherungsmaßnahmen in den Fällen durchgeführt worden seien, in denen Gefahr im Verzug war. So verhindert jetzt ein Zaun um den Berg, dass Unbefugte ihn betreten. Künftig sollen Spundwände am Fuß des Berges abrutschendes Erdreich aufhalten. Zudem wurden Stellen, an denen Kalk an die Oberfläche gedrungen war, abgedeckt.

Doch warum die Rodungen? Feyrer bestreitet die im Zwischenbericht mehrfach erwähnten Rodungen. Gehölz sei lediglich abgeschnitten worden. Wurzeln habe man im Erdreich belassen. Das sei geschehen, um die Oberfläche besser begutachten zu können. Angeblich auf Geheiß des Gutachters. Und was ist mit der Gefahr von Verwehungen des Kalks bei trockenem und windigem Wetter? „Wir haben die Wagen und wir haben das Wasser. Wenn es trocken und windig wird, werden wir die Böschung abspritzen, das können wir“, sagt der Feuerwehr-Chef.

Feyrer bleibt auch nach dem dritten Zwischenbericht dabei: „Der Kalkberg ist beherrschbar.“ Für ihn ist er „der beste taktische Standort für die Rettungshubschrauberstation“.

Kommende Woche soll dem Rat eine Liste der Maßnahmen vorgelegt werden, die zur Sicherung notwendig sind, „egal ob wir da oben ein Café, ein Hangar oder gar nichts bauen“. Im Mai soll der Rat eine Empfehlung bekommen, wie man mit der Station weiter verfahren kann. „Wenn der Rat sich gegen den Standort entscheidet, werde ich sagen, der Kalkberg wäre der beste Standort gewesen“, sagt Feyrer. Auch eine Kostenschätzung gibt er ab: Für die Sanierung des Kalkberges zwischen fünf und zehn Millionen Euro. Für die Fertigstellung des Hangars drei bis sechs Millionen Euro. „Das ist aber immer noch besser, als die bisher investierten 13,5 Millionen Euro einfach wegsacken zu lassen“, sagt Feyrer.

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