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Rosenmontagszug in KölnSo kontrollieren Kölner Veterinäre die Pferde im Zoch

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Einem schwarzen Friesenpferd wird mit einer Spritze Blut am Hals entnommen.

Vor dem Start des Rosenmontagszugs entnimmt Veterinärin Cornelia Augustiniok einem Pferd des Reiter-Korps Jan von Werth Blut.

Wie ist der Zustand der Pferde, die im Kölner Rosenmontagszug mitgehen? Mit Stichproben kontrollierten das Veterinäre. 

Renate zuckt nicht, als Dr. Cornelia Augustiniok ihr eine Nadel in den Hals sticht. Langsam zapft die Tierärztin der Friesenstute Blut ab. Renate ist eins von rund 40 Pferden, bei dem Kontrolleure vor dem Rosenmontagszug eine Blutprobe entnehmen.

„Im Labor wird diese Probe auf Substanzen wie Beruhigungsmittel, Entzündungshemmer oder Schmerzmittel untersucht“, erklärt die routinierte Tierärztin. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen haben zudem ein Auge darauf, wie sich die Tiere, die im Rosenmontagszug mitgehen, verhalten. Sind sie nervös? Schwitzen sie extrem? Wenn ja, kann das auf Stress hinweisen.

Renate und die anderen zehn, zwölf Pferde, die am Morgen auf dem Friesenplatz  kontrolliert werden, kommen allesamt aus dem Gestüt Gut Neuhaus in Grevenbroich. Das Reiter-Korps Jan von Werth wird mit ihnen beim  Rosenmontagszug dabei sein. „Ich reite auch sonst auf diesem Pferd“, sagt ein Korps-Mitglied bevor er auf Renate aufsteigt.

234 Pferde sind in diesem Jahr beim Rosenmontagszug dabei. „Jeder, der wollte, hat ein Pferd bekommen“, sagt Hajo Jennes, Pferdebeauftragter des Festkomitees. Das ist anders als  im vergangenen Jahr, in dem mehr als 70 Reiterinnen und Reiter leer ausgingen. Die Colombinen, die Blauen und Roten Funken, die Nippeser Bürgerwehr sowie die Ehren- und die Prinzengarde sind unter den berittenen Vereinen. 

Pferde in einer Gruppe kennen sich in der Regel

Reiter und Kutschen sind im Zug an unterschiedlichen Stellen verteilt. „In der Regel gehen die Pferde aus einem Stall in einer Gruppe. Die Pferde kennen sich also“, sagt Augustiniok. Zusammen mit elf weiteren  Tierärztinnen und -ärzten und zwei Verwaltungsmitarbeitenden kontrolliert sie Verhalten und Gesundheitszustand der Tiere. Vor dem Start  und nach dem Ende des Zugs wird Blut abgenommen. Unterwegs werden die Tiere beobachtet. „Sollte uns etwas auffallen, kann ein Pferd auch aus dem Zug herausgenommen werden“, sagt Augustiniok.

Tierschützer hatten auch im Vorfeld dieses Rosenmontagszugs den Einsatz von Pferden kritisiert und ein Verbot gefordert. Sie kündigten an, die Tiere zu fotografieren und ihren Zustand zu dokumentieren. Die Tierschützer sehen den Stress durch Musik, Kamelle und Menschenmengen während des Rosenmontagszugs als zu groß für die Tiere. „Man muss ein bisschen die Kirche im Dorf lassen. Das sind ja Pferde, die auch als Schulpferde eingesetzt werden. Auch auf einem Ausritt kann es zu Stress kommen“, hält Augustiniok dagegen. Aus diesem Grund haben alle Pferde im Zug eine Gelassenheitsprüfung absolvieren müssen.

Pferdebeauftragter verteidigt Einsatz von Tieren

Jennes geht in seinem Urteil weiter, er sieht den Einsatz von Pferden als Garant für deren Fortbestand. „Der Karneval braucht keine Pferde. Die Pferde brauchen den Karneval“, pointiert er. Gäbe es solche Einsätze nicht, wäre der Fortbestand der Pferde als Reit- und Kutschtiere gefährdet, ist die Meinung von Jennes. Er sagt aber auch: „Wir kriegen die Tierschützer nicht bekehrt.“ Und das, obwohl das Festkomitee Kölner Karneval nach einem Kutschunfall im Jahr 2018 die Auflagen verschärft hat.

„Ich finde, es hat sich viel getan in den letzten Jahren, es gibt eine gute  Entwicklung“, sagt Augustiniok. Nur selten fände man positive Blutproben. „Im vergangenen Jahr gab es eine“, sagt die Tierärztin. Ob eines der geprüften Pferde des diesjährigen Rosenmontagszugs eine unerlaubte Substanz im Blut hatte, wird erst in rund zwei Wochen feststehen. „Unsere Kontrolle hat mehr eine abschreckende Wirkung“, sagt Augustiniok. 

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