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Keine AngstDer „Tag des guten Sterbens“ soll dem Tod den Schrecken nehmen

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Tina Damm (l.) und Claudia Jäckel nehmen den Tod nicht schwerer als er ist.

Köln – Der Titel ist so ungewöhnlich wie das Programm. Beim Tag des guten Sterbens steht der Tod im Mittelpunkt. Allerdings nicht nur angsteinflößend, schwarz und traurig, sondern bunt und facettenreich. Am kommenden Sonntag, 8. August, gibt es im Wandelwerk in Nippes Konzerte, Filme, einen Clown zur Kinderbelustigung, gemeinsames Sargbasteln, Kaffee und Kuchen, Vorträge, Beratungen, Ausstellungen, Fragerunden – und, wer’s mag, auch Probeliegen im Sarg.

Tabuisierung verstärkt Schmerz, Einsamkeit und Verlust

Die Kulturwirtin und Sängerin Tina Damm brennt regelrecht dafür, das Thema Tod aus der Tabu-Zone zu holen. „Als meine Mutter vor rund 15 Jahren starb, habe ich erlebt, wie sprachlos auch Freundinnen waren“, erzählt die 49-Jährige. Die Tabuisierung verstärkt Schmerz, Einsamkeit und Verlust. „Dabei gehört der Tod doch zum Leben. Wir machen ihn so schlimm, weil wir ihn verdrängen“, findet Damm. Dass man auch relativ entspannt und locker über ihn plaudern kann, erfuhr sie damals in so genannten „Death Cafés“ in Paris.

Aus dem Programm

Die Veranstaltung beginnt mit einem Mittagstisch um 12 Uhr. Die Frage „Wie geht eigentlich Bestattung“ behandelt Claudia Jäckel ab 14.15 Uhr im Roten Salon. Um 15 Uhr  tritt Ex-Wise-Guys-Mitglied Eddi Hüneke auf, gegen 18.30 Uhr spielt die Marchingband „Blechkasten“, um 19.30 Uhr beginnt der Einlass für eine Abendveranstaltung mit dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke.

Er zeigt seinen Film „Schweinchen“. „Wegen der Unwetterfolgen hat eine Tattoo-Künstlerin absagen müssen, wir suchen jetzt mit Hochdruck  nach Ersatz“, sagt  Initiatorin Tina Damm.

Tag des guten Sterbens, Sonntag, 8. August ab 12 Uhr, Wandelwerk,  Liebigstraße 201, Der Eintritt ist frei.

www.tagdesgutensterbens.de

Mit dem Tag des guten Sterbens möchte Tina Damm Anregungen geben, Ängste nehmen und Menschen zusammenbringen. Der Aktionstag ist bewusst locker gehalten. „Wer tiefer einsteigen will, kann das aber auch“, sagt die umtriebige Kölnerin. Die Ausstellung mit Zeugnissen einer Totgeburt geht sicher unter die Haut. Von praktischem Wert können die Informationen über Sterbebegleitung, Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht sein.

„Eine Veranstaltung mit viel Woman-Power“

Rund 20 Mitwirkende konnte Tina Damm von ihrer Idee begeistern. Sie alle unterstützen die nicht-kommerzielle Veranstaltung unentgeltlich. Darunter sind viele Frauen. „Eine Veranstaltung mit viel Woman-Power“, nennt Damm den Tag des guten Sterbens. Mit im Boot ist auch die Bestatterin Claudia Jäckel. „In meiner täglichen Arbeit erlebe ich regelmäßig, wie wichtig es ist, einige Dinge schon vor dem Ernstfall besprochen und geklärt zu haben. Das ist für alle Beteiligten eine unheimliche Erleichterung“, sagt Jäckel.

Passend scheint auch der Veranstaltungsort. Die Tage des Wandelwerks , einer multifunktionalen Aktionsfläche im ehemaligen Toyota-Autohaus, sind gezählt. „In neun Wochen ist hier Ende. Das Wandelwerk ist sehr vergänglich“, sagt Damm.