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KI-Firma aus KölnOperaize plant per Software blitzschnell Prozesse um

3 min

Daten sammeln, Muster erkennen, Regeln aufstellen, Lösungen finden und mitteilen – so funktioniert die Anwendung, die Christoph Lieth (l.) und Alexander Kouril entwickeln.

Köln – Ein langer Produktionsprozess in der Industrie, wie bei Waschpulver oder Tabletten zum Beispiel. Maschinen und Menschen müssen reibungslos zusammenarbeiten. Dann passiert es: Ein Rohstoff fehlt, weil sich ein Lieferant um Stunden verspätet. Und jetzt? Die ganze teure Produktion anhalten? Oder schnell umplanen? Wie lange dauert das? „So ein paar Millisekunden“, schätzt Alexander Kouril. Gemeinsam mit Christoph Lieth hat der 54-Jährige das Unternehmen Operaize gegründet. Operaize entwickelt eine Software mit Künstlicher Intelligenz (KI), die Maschinen steuern soll.

„Eine Störung im Produktionsverlauf ist ja eher der Normalfall“, weiß Christoph Lieth (50). Mal fehlt ein Rohstoff, mal meldet sich ein Mitarbeiter krank, die Maschine geht kaputt – oder alles zusammen. „Das kann ein Mensch in Echtzeit gar nicht überschauen“, sagt der Ingenieur. Ein Computerprogramm aber schon. „Und wenn das Programm richtig gut ist, tritt die Störung gar nicht erst ein“, ergänzt Alexander Kouril. Weil die Anwendung gelernt hat, dass ein Lieferant montags meistens zu spät kommt. Oder dass eine Anlage bei einer bestimmten Produktkombination oft streikt.

Software muss mit Daten gefüttert werden

Dafür muss die Software mit riesigen Datenmengen gefüttert werden und daraus Muster erkennen. In einem zweiten Schritt werden Regeln hinzugefügt. „Man kann zum Beispiel festlegen, dass schwarze Produkte nie direkt vor den weißen hergestellt werden“, erklärt Alexander Kouril. Anschließend sucht die Software aus Millionen oder Milliarden Kombinationsmöglichkeiten die beste Lösung für ein Problem heraus.

„Und dann müssen ja auch noch Mensch und Maschine kommunizieren.“ Das gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Wie erklärt die Software den Menschen, was sie gerade tut und warum? Wie erklärt der Mensch der Software, was sie zu lernen hat? Es kann Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Zusammenspiel so funktioniert, dass der Computer übernehmen kann. „Menschen werden in dem System immer eine Rolle spielen. Aber die Aufgaben verändern sich“, erklärt Alexander Kouril. Es braucht Experten, die die Produktion und alle beteiligten Anlagen genau kennen. Und Data Scientists, die die Daten vorsortieren und die Software beherrschen. Die beiden sollten sich auch gut verstehen.

Programm soll auch bei der Personalplanung eingesetzt werden können

Alexander Kouril klappt den Laptop auf. Auf dem Bildschirm bewegen sich viele unterschiedlich hohe grüne und rote Balken. Sie zeigen an, wie stark Anlagenteile ausgelastet sind. Manche steigen weit in den roten Bereich. Dann übernimmt die Software. Die Balken pendeln sich ein, die Belastungsspitzen sind weniger extrem. Im Modell wird hier gerade ein Kraftwerk gesteuert.

Das Programm soll auch bei der Personalplanung eingesetzt werden können. Oder in Flugzeugen. Alexander Kouril hat Luft- und Raumfahrttechnik studiert. Eine moderne Passagiermaschine habe eine Million Sensoren an Bord, die bei einem langen Flug bis zu 200 Terabyte Daten sammeln. „Und wenn der Flieger landet, ist der Wartungsplan dank der Software schon fertig.“

Zurückhaltung

25 Prozent der Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten gaben in einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom an, der KI-Technologie aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Ebenfalls ein Viertel der Befragten bezeichnete sich als kritisch oder ablehnend, 17 Prozent haben sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt.

Knapp zwei Drittel der befragten Bundesbürger (64 Prozent) glauben, dass der Wohlstand in Gefahr gerät, wenn Deutschland bei der Künstlichen Intelligenz keine Führungsrolle übernimmt. Bitkom setzt sich seit Jahren für die Digitalisierung ein. (kl)