Arbeitskreise sollen zeitnah neue Lösungen erarbeiten. Jugenddezernent Robert Voigtsberger nannte den Fachkräftemangel eine „Dekadenherausforderung“. Wir klären die wichtigsten Fragen.
Fragen und Antworten1000 Kita-Fachkräfte fehlen in Köln – was nun passieren soll

Kinder-Gummistiefel mit Blumen hängen an einem Zaun einer Kindertagesstätte (Symbolbild)
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„Die Situation ist so dramatisch wie noch nie“, sagt Heike Riedmann. Sie ist für den Jugendamtselternbeirat Mitglied im Jugendhilfeausschuss. Gestiegene Lebenshaltungskosten, reduzierte Betreuungszeiten und die Sorge, dass ihre Kinder in den wichtigen ersten Jahren nicht gut gefördert werden, belasteten Eltern „enorm“. Nun wollen Politik und Verwaltung möglichst zügig neue Maßnahmen ausloten und umsetzen. Erste Ideen gab es bei einem Arbeitstreffen, an dem (wie berichtet) rund 50 Akteure aus der Kinderbetreuung teilnahmen.
Was soll jetzt als Nächstes passieren?
Die Verwaltung will die Erkenntnisse des Arbeitstreffens in Arbeitsgruppen vertiefen. „Kleinere Arbeitsgruppen sollen kurzfristig einzelne Themen diskutieren“, sagte Robert Voigtsberger, Beigeordneter für Bildung, Jugend und Sport. Er sprach angesichts des Fachkräftemangels im Jugendhilfeausschuss am Dienstag von einer „Dekadenherausforderung“. Die Verwaltung wolle schnell „Verbindlichkeiten treffen, wie es weitergehen kann.“ Ulrike Kessing (Grüne) machte klar: „Zum nächsten Jugendhilfeausschuss soll gemeinsam ein Signal gesetzt werden.“

Grafik zur Situation an Kölner Kitas
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Wie ist die aktuelle Situation in Köln?
Fakt ist, dass zahlreiche Erzieherinnen- und Erzieherstellen nicht besetzt sind. Einen genauen Überblick über die exakte Zahl gibt es nicht, weil viele freie Träger Kinderbetreuung anbieten. Die Stadt hat aktuell die Zahlen für die 218 Kitas genannt, die sie betreibt. Dort sind mehr als 200 Stellen nicht besetzt, der Krankenstand beträgt 13 Prozent. Hinzu kommt, dass viele Erzieherinnen und Erzieher demnächst in den Ruhestand gehen. Die Teilnehmenden des Arbeitstreffens kamen zum Schluss, dass aktuell mehr als 1000 Fachkräfte in Kitas fehlen. Bis zum Jahr 2030 könnten rund 1800 Fachkräfte zu wenig sein.
Welche Maßnahmen könnten kurzfristig helfen?
Darüber, dass kurz-, mittel- und langfristige Lösungen gefunden werden müssen, herrscht Einigkeit. „Nur mit einer gewissen Pragmatik kommen wir zurande“, sagte Kessing. Ideen unter anderem: mehr Hilfskräfte, die bei Verwaltungsaufgaben entlasten, Reduzierung der Arbeitsbelastung, Entlastung der Fachkräfte durch zusätzliche Ausbilder sowie Einführung des „Aachener Modells“.
Was ist das „Aachener Modell“?
Beim „Aachener Modell“ entlasten (wie berichtet) angelernte Unterstützungskräfte das Kitapersonal. „Quereinsteiger können hier zeitweise helfen. Deshalb fordern wir die Stadtverwaltung auf, sich beim Land NRW als Modellkommune zu bewerben“, sagte Rolf Heinen (SPD). Bei der nächsten Ausschusssitzung soll die Verwaltung berichten, ob das Modell für Köln übertragbar ist.
Gibt es eine Reduzierung der Betreuungszeiten?
Eine Reduzierung der Betreuung auf 35 Stunden pro Woche sehen viele Träger als Option, um den Fachkräftemangel auszugleichen. Beim Arbeitstreffen wurde das kritisch gesehen.
Ist ein weiteres beitragsfreies Kita-Jahr in Sicht?
Eine entsprechende Anfrage der SPD verneinte die Verwaltung. Begründung , dies sei zwar wünschenswert aber kommunal nicht finanzierbar. Das Land sei in der Pflicht.
Tagesmütter und -väter demonstrieren für Anpassung an gestiegene Kosten
Zu einer Demonstration versammelten sich Tagesmütter und -väter, die in der Kindertagespflege in Köln arbeiten, vor dem Jugendhilfeausschusses. Ihre Forderung: bessere Bedingungen und mehr Geld. „Die jährlich dynamisierte Inflationsanpassung von derzeit sieben Cent pro Kind und Stunde deckt die momentanen Inflations- und Energiekosten nicht ab“, sagte Kirsten Wüpping: „Wir fordern 6,50 Euro pro Kind und Stunde, was eine Förderleistung von 4,19 Euro und einen Sachkostenbeitrag von 2,31 Euro enthält.“ 3300Kinder werden nach Auskunft der Demonstranten in Köln in Tagespflegestellen betreut. Für Kinder unter drei Jahren seien besonders kleine Gruppengrößen und eine feste Bezugsperson ideal. (dha)