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„Müssen lernen, mit ihr zu leben“Nosferatu-Spinne wird immer häufiger in Köln entdeckt

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In Nordrhein-Westfalen häufen sich die Meldungen der Nosferatu-Spinne.

Schon jetzt im Sommer findet man die Nosferatu-Spinne. Melden muss man sie nicht, weil es sich nicht um eine invasive Art handelt. Was Kölnerinnen und Kölner tun und was sie wissen müssen.

Immer wieder kommt es in den Sommermonaten in Köln zu Sichtungen von Nosferatu-Spinnen. Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Art wurde 2005 erstmals in Deutschland nachgewiesen und breitet sich seitdem kontinuierlich aus. Auch in Köln taucht sie inzwischen regelmäßig auf – ein Phänomen, das Experten vorwiegend auf den Klimawandel zurückführen. Was Kölnerinnen und Kölner wissen sollten.

Warum finden wir sie besonders im Sommer häufig bei uns?

Laut Holger Sticht, geschäftsführendem Vorstand vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kommen zwei Dinge zusammen: der Klimawandel und der Mensch selbst, etwa über den internationalen Warenverkehr, mit dem sie unbemerkt eingeschleppt wird. Zu Gute kommen ihr außerdem die heißen Sommer und milden Winter. Daher taucht sie auch rund um Köln immer häufiger auf. Wie viele Tiere es hier tatsächlich gibt, kann jedoch niemand genau sagen, erklärt Sticht. Was man aber beobachte: Die Meldungen häuften sich, und das spreche dafür, dass sich die Spinne wirklich ausbreite. „Einen Lieblingsort hat sie nicht“, sagt Sticht. Man findet sie überall dort, wo es Pflanzen gibt. 

Woher kommt der Name, woher kommt die Art?

Der wissenschaftliche Name der Nosferatu-Spinne lautet Zoropsis spinimana. Ihr ursprünglicher Lebensraum ist der Mittelmeerraum und Nordafrika. Den Namen verdankt sie ihrem auffälligen Rückenmuster, und ihren nach vorn gerichteten Kieferklauen, die an den Vampir aus dem Stummfilm von 1922 erinnern.

Wie groß wird sie?

Die Nosferatu-Spinne ist mit rund anderthalb Zentimetern Körperlänge und einer Beinspannweite von bis zu fünf Zentimetern deutlich größer als viele deutsche Spinnenarten. Nach Angaben des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) fallen die Weibchen dabei etwas größer aus als die Männchen.

Ist die Spinne gefährlich für den Menschen?

Nur bedingt. Zwar kann sie mit ihren Kieferklauen die menschliche Haut durchbeißen, das tut sie aber nur, wenn sie sich bedroht fühlt, sagt Sticht. Ein Biss kann für ein paar Tage zu Rötungen und Ausschlag führen. Die Wirkung ist am ehesten mit der eines Wespenstichs vergleichbar. Wie schlimm es wird, hängt primär davon ab, ob man allergisch reagiert.

Wie verhält sich die Spinne im Herbst und Winter?

„Das kommt ganz darauf an, ob man über Männchen oder ein Weibchen spricht“, erklärt Peter Klaas, der seit 35 Jahren das Insektarium im Kölner Zoo leitet. Die Männchen überleben in der Regel nur ein einziges Jahr. Die Weibchen dagegen müssen sich nicht nur um den Nachwuchs kümmern, sondern rechtzeitig auch ein passendes Winterquartier finden. „In überheizten Wohnungen vertrocknen die Tiere“, sagt Klaas. Viel lieber mögen sie die Restwärme von Mauern oder aufgeheizten Steinen, gepaart mit etwas Feuchtigkeit. Kellerschächte, Hausfassaden oder Eingangsbereiche sind für sie ideal. Die Weibchen fallen zudem in eine Art Winterstarre, für die sie sich aktiv herunterkühlen müssen, weshalb im Herbst und Winter kaum Spinnen in Wohnungen gesichtet werden.

Was mache ich, wenn ich eine Nosferatu-Spinne finde?

 Am besten nichts. „Wir müssen auf jeden Fall lernen, mit ihr zu leben“, sagt Sticht. Anfassen sollte man sie trotzdem nicht mit der bloßen Hand. Wer sie loswerden möchte, stülpt am besten vorsichtig ein Glas über sie, schiebt ein Stück Pappe darunter und trägt sie so nach draußen.

Spinnen im Haus am besten mit einem Glas und einem Stück Pappe einfangen.

Muss ich einen Fund melden?

Nein. Laut einer Sprecherin der Stadt Köln handelt es sich bei der Nosferatu-Spinne trotz ihrer Einwanderung nicht um eine invasive Art. Sie bedroht also das bestehende Ökosystem nicht. Funde müssen deshalb nicht gemeldet werden. Wer dennoch zur Forschung beitragen möchte, kann Daten-, Bild- oder Videomaterial im Meldeportal des Nabu-Projekts „Naturgucker“ hochladen.

Wie werde ich die Spinne los?

Die Stadt Köln empfiehlt, Insektengitter an Fenstern und Terrassentüren anzubringen, das sei die wirksamste Methode gegen die Spinne.

Ist die Aufregung um die Spinne berechtigt?

Nicht wirklich, findet Sticht. Dass sie gerade für so viel Wirbel sorgt, liege hauptsächlich daran, dass sie hierzulande noch relativ neu sei und ihr Aussehen Eindruck mache. Wirklich neu ist das Phänomen an sich aber nicht: „Andere europäische Länder leben schon viel länger mit ihr“, sagt Sticht. „Und die sind auch noch da.“