Die historische Wallraf-Bibliothek ist restauriert. Dahinter steckt ein außergewöhnlicher Kraftakt und enormes bürgerschaftliches Engagement.
Kulturelles Erbe gesichertBücherretter feiern Restaurierung historischer Bibliothek in Köln

In einem Showroom bestaunen die Gäste der Festveranstaltung Exemplare aus der Wallraf-Bibliothek.
Copyright: Universitäts- und Stadtbibliothek
„Es gibt wirklich etwas zu feiern, ein Kulturschatz ist gerettet“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in seiner Grußbotschaft. Mit einer rund zweistündigen Festveranstaltung in der Aula der Universität zu Köln wurde am Mittwochabend die Rettung der Bibliothek Ferdinand Franz Wallrafs gewürdigt. Denn der erfolgreiche Abschluss der Restaurierung der Bibliothek steht unmittelbar bevor. Rund 1100 historische Bände sind saniert.
Zu der Veranstaltung, an der rund 500 Gäste teilnahmen, hatten Uni-Rektor Joybrato Mukherjee, Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Peter Jungen, Vorsitzender des Kuratoriums zur Rettung der Historischen Stadt- und Wallraf-Bibliothek geladen. „In einer Zeit von Umbrüchen und Veränderungen gilt es, sich mit seinem Erbe zu befassen“, sagte Jungen.
Der Kölner Unternehmer hat die Buchrettung initiiert. Bei einem Besuch der Universitäts- und Stadtbibliothek war er auf den erbärmlichen Zustand der alten Bücher aufmerksam geworden. Jungen zögerte nicht lange, sondern begann, in großem Rahmen Fäden zu ziehen. „Da war eine Handlungsnotwendigkeit“, begründete er rückblickend im Gespräch mit Moderatorin Gisela Steinhauer. Diese machte klar: „Peter Jungen hat nichts unversucht gelassen, um an Kohle zu kommen.“
Rund 1,7 Millionen Euro eingeworben
Rund 1,7 Millionen Euro hat der umtriebige Kulturfreund seit 2018 eingeworben. Er holte den Bund, das Land, die Stadt und die Universität zu Köln mit ins Boot. NRW-Ministerpräsident Wüst ist inzwischen Schirmherr des Buchrettungsprojekts. Das Besondere: Über Buchpatenschaften hat das rheinische Bürgertum fast 100 000 Euro beigetragen.

Im Gespräch: Jobrato Mukherjee, Peter Jungen und Henriette Reker (v.l.).
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„Wer Bücher liebt, kann nur begeistert staunen, was Peter Jungen und die Mitglieder des Kuratoriums in so kurzer Zeit geleistet haben“, sagte Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, lobte per Videobotschaft das „Gemeinschaftsprojekt“ und seinen „Vorbildcharakter“.
„Es ist schön, zu sehen, dass der Kölner Bürgergeist lebt“, sagte Mukherjee und unterstrich: „Wir haben eine besondere Verantwortung für den Erhalt von Kulturgütern.“ Oberbürgermeisterin Reker hob den „Weitblick und die Hartnäckigkeit“ Jungens hervor.

Schedelsche Weltchronik von 1493
Copyright: Universitäts- und Stadtbibliothek
Abgeschlossen ist mit dem Festakt zunächst ein wichtiger Schritt. Doch weitere sollen folgen. Bis zum Jahr 2028 sollen die übrigen Bücher der Historischen Stadtbibliothek restauriert werden. Auch hierfür sind Buchpatenschaften und öffentliches Geld notwendig. Und eine Digitalisierung der historischen Bestände steht an. „Erst nach der umfassenden Restaurierung ist die Grundlage geschaffen, dass die Wallraf-Bibliothek auch digitalisiert wird. Denn darum geht es ja eigentlich: Einen historisch und kunsthistorisch bedeutenden Buchbestand auf Dauer zu erhalten und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sagte Jungen.

Historische Bücher aus der Wallraf-Bibliothek.
Copyright: Universiäts- und Stadtbibliothek
Aus der erfolgreichen Restaurierung der Wallraf-Bibliothek erwächst ein weiteres Projekt: „Wallraf 200 – ein Wallraf-Jahr 2024“. In zahlreichen gemeinsamen Veranstaltungen der Stadt Köln und der Universität soll das 200. Todesjahr Ferdinand Franz Wallrafs begangen wird. Für das Programm zum Wallraf-Jahr gibt es bereits jetzt online eine eigene Seite.
