Die Angebote reichen von Hilfen im Umgang mit Behörden über Deutschkurse bis hin zu Malkursen und Museumsbesuchen.
45 EinrichtungenBustour informiert über Arbeit Interkultureller Zentren in Köln

Organisatorin Elizaveta Khan (rechts) zusammen mit Birgit Werning (links) und Laura dos Santos vom Amt für Integration und Vielfalt während der Bustour zu Interkulturellen Zentren.
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Normalerweise zeigt Erdal Arduc Touristen die großen Kölner Sehenswürdigkeiten – Römerturm, Dom, Altstadt. An diesem Vormittag lenkt er seinen roten Doppeldeckerbus durch Straßen, für die sich sonst kein Tourist interessiert. Eingestiegen sind 55 Menschen aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft, die die Arbeit von fünf Interkulturellen Zentren in Köln besser kennenlernen wollen. Es ist eine Fahrt mitten in den Kölner Alltag, der Migranten oft Steine in den Weg legt.
Laut offizieller Definition der Stadt Köln sind Interkulturelle Zentren „offene Orte der Begegnung für Menschen verschiedener Lebenswirklichkeiten und unterschiedlicher kultureller sowie sozialer Herkunft“. 45 städtisch geförderte Einrichtungen dieser Art gibt es derzeit. Die meisten von ihnen wurden von Migranten gegründet, um neu Zugewanderten den Start in Deutschland zu erleichtern.
Arbeitskreis bietet seit 2018 Bustouren an
Die zumeist ehrenamtlich geleisteten Angebote reichen von Hilfen im Umgang mit Behörden über Deutschkurse bis hin zu Malkursen und Museumsbesuchen. Laut Verwaltung profitieren davon 465.600 Menschen pro Jahr. „Ohne uns würde Integration und das Ankommen nicht funktionieren“, sagt Elizaveta Khan, Geschäftsführerin des Integrationshauses in Kalk. Nicht zuletzt seien die Zentren Orte der Demokratie: „Wir streiten und diskutieren und teilen ganz unterschiedliche Positionen.“

Die Teilnehmer der „Interkulturellen Bustour“ setzten sich auch spielerisch mit dem Thema Integration und Migration auseinander.
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Um die Treffpunkte bekannter zu machen, bietet der „Arbeitskreis Interkulturelle Zentren“ seit 2018 Bustouren zu ausgewählten Einrichtungen an, die ein oft spielerisches Programm zusammenstellen. Das Rechtsrheinische werde dabei besonders berücksichtigt, sagt Organisatorin Khan: „Denn diesen Vierteln fehlt die politische Lobby.“
Integrationszentrum hilft mit Behördensprache
Erster Halt ist das Kultur- und Integrationszentrum Magnet e.V. in Vingst, wo sich die Gruppe in Workshops aufteilt. In einem Flachbau an der Sigrid-Undset-Straße verteilt Projektleiter Sergej Malt Zettel, die in die Untiefen der deutschen Behördensprache führen. Auf einem steht: „Sofern die mit unserem vorangegangenen Schreiben angeforderten Unterlagen nicht innerhalb der gesetzten Frist vollständig vorgelegt werden, kann eine Entscheidung unter Zugrundelegung der bis dahin bekannten Sach- und Aktenlage erfolgen.“
Der Workshop soll die Sätze nun in „Menschensprache“ übersetzen. Es handele sich nicht um ausgedachte Texte, stellt Sergej Malt klar: „Das ist, was unsere Menschen hier erleben.“ Jeden Tag seien die Sozialarbeiter von Magnet e.V. damit beschäftigt, für Migranten verklausulierte Amtssprache zu deuten.
Zuschüsse sollen gekürzt werden
Menschen aus rund 100 Nationen treffen sich im Interkulturellen Zentrum Buchforst. In der ehemaligen Kneipe finden Kinovorführungen statt, es wird genäht und Schach gespielt. Außerdem gibt es Unterstützung in fast allen Lebenslagen. „Jeder und jede kann reinkommen, egal womit“, sagt Mitarbeiterin Ulla Kaperlat.
Dank der guten Vernetzung des Teams könnten viele Probleme frühzeitig gelöst werden: „Dass man sich nicht verloren fühlt, ist für den Zusammenhalt unglaublich wichtig.“ Trotzdem habe die Stadtverwaltung angekündigt, ab 2028 rund 30 Prozent der Zuschüsse für das hauptamtliche Personal zu kürzen. „Alles, was wir machen, müssen wir auf den Prüfstand stellen“, so Kaperlat. Ein Problem, das auch andere Zentren trifft.
Für Teilnehmerin Sieglinde Eich-Ganske, die für die Partei Volt als sachkundige Einwohnerin im Sozialausschuss sitzt, sind die Angebote dagegen wichtiger denn je. Vor allem die Beratung für ältere Migranten müsse ausgebaut werden. Elizaveta Khan sieht es ähnlich: „Viele dachten, sie gehen wieder zurück, wenn die Kinder groß geworden sind.“ Doch nun hätten sie Wurzeln geschlagen in Deutschland und müssten sich hier um ganz neue Dinge kümmern. Die Rente etwa oder das Begräbnis.