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Ein Wal vor Köln1966 schwamm ein Beluga den Rhein bis nach Bonn hinauf

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Sensation 1966 - Der weiße Wal im Rhein

Weißer Wal im trüben Rhein: Fast einen Monat lang war Moby Dick 1966 zwischen Duisburg und Rheinland-Pfalz unterwegs.

Ein Wal in der Ostsee weckt Erinnerungen: 1966 schwamm Beluga „Moby Dick“ im Rhein und hielt die Region in Atem.

Ein Wal, der vom Kurs abgekommen ist, erregt derzeit in der Ostsee Aufsehen. Eine vergleichbare Begebenheit, die die Region ebenfalls fesselte, trug sich vor beinahe 60 Jahren zu, als ein Belugawal im Rhein von sich reden machte. Auch seinerzeit gab es Bemühungen, dem desorientierten Tier beizustehen, jedoch mit zum Teil erheblich rabiateren Mitteln.

Ihren Anfang nahm die Begebenheit am 18. Mai 1966. Zwei Schiffer auf dem Rhein machten an jenem Tag bei Duisburg eine erstaunliche Sichtung und alarmierten die Wasserschutzpolizei. Ihrer Meldung zufolge befand sich ein weißer Wal im Fluss. Berichten nach veranlassten die skeptischen Beamten daraufhin eine Alkoholüberprüfung für die beiden Männer.

Schaulustige kamen in Scharen an den Rhein

Die Existenz des Wals bestätigte sich jedoch. Es handelte sich um einen Beluga von circa vier Metern Länge, dessen Heimat normalerweise die eisigen arktischen Meere sind. Für die Dauer von rund einem Monat war das Tier im Rhein unterwegs, wobei es stromaufwärts an Düsseldorf und Köln vorbei bis nach Rolandseck in Rheinland-Pfalz gelangte. Wochenlang versammelten sich Menschenmengen an den Ufern in der Hoffnung, das arktische Säugetier zu sichten. Ein damaliger Beobachter erinnerte sich: „Hin und wieder hat man gesehen, wenn er eine Wasserfontäne hochgeblasen hat“.

Sensation 1966 - Der weiße Wal im Rhein

Mit Netzen und Stangen versuchten Helfer, den Wal in die richtige Richtung zu lenken - vergebens. (Archivbild)

Als das Tier in Bonn am seinerzeitigen Bundestag vorbeizog, zog es auch die Aufmerksamkeit der Politik auf sich: Reporter meldeten, die Pressetribüne habe sich schlagartig geleert. Bei einer anderen Gelegenheit brachte „Moby Dick“, so sein Spitzname, beinahe ein Schiff zum Umkippen. Nachdem die Fahrgäste auf der „Bismarck“ den Wal entdeckt hatten, stürmten alle zur selben Zeit an die Reling. „Das Schiff hat Schlagseite bekommen“, schilderte der Steuermann. Infolgedessen seien sogar Geschirr und Trinkgläser aus den Regalen gefallen.

Keine sichere Erklärung für die Reise in den Rhein

Warum der Meeresbewohner in den zu dieser Zeit durch industrielle Einflüsse stark kontaminierten Rhein gelangte, bleibt bis heute ein Rätsel. Über die Jahre hinweg wurden dazu diverse Erzählungen verbreitet. Eine davon lautet, der Wal sollte per Schiff zu einem Zoo in Großbritannien gebracht werden und sei während eines Sturms von Bord gespült worden.

Die Wissenschaft konnte allerdings nie eine eindeutige Erklärung dafür liefern. Belugas sind zwar fähig, auch in seichten Gewässern zu überleben, aber ihre Wanderung über viele hundert Kilometer flussaufwärts stellt eine außerordentliche Seltenheit dar.

Umstrittene Rettungsversuche und Rückkehr in die Nordsee

Bereits seinerzeit formierten sich diverse Initiativen, um dem Wal bei der Rückkehr ins Meer zu helfen. Das Tier wurde von Booten verfolgt, und es gab Bestrebungen, es mit Netzen, Stangen sowie Narkosegewehren in die gewünschte Richtung zu dirigieren. Letztendlich kam der Gedanke auf, den Wal als neue Sensation für den Duisburger Zoo zu fangen. Zahlreiche dieser Bergungsaktionen waren schon damals stark umstritten.

Sensation 1966 - Der weiße Wal im Rhein

Verschiedene Boote waren tagelang auf der Spur des Wals. (Archivbild)

Jedoch blieben alle Anstrengungen erfolglos. „Moby Dick“ bewegte sich wiederholt den Strom auf und ab, konnte den Weg zum Meer aber nicht finden. Aufgrund der Wasserbeschaffenheit büßte der Weißwal seine leuchtend weiße Färbung ein und nahm eine zunehmend fleckig-graue Erscheinung an.

Erst nach vier Wochen steuerte das Tier schließlich selbstständig die Rheinmündung in den Niederlanden an und gelangte am 16. Juni 1966 in die Nordsee. Dort ist sein weiterer Verbleib nicht dokumentiert. Ob es ihm gelang, in seine ursprüngliche Heimat in der Arktis zurückzukehren, bleibt ungewiss. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.