Fünf Mitarbeitende aus dem Lentpark erzählen von ihrem Job, davon, was sie daran lieben, und von ihren liebsten Freibad-Erinnerungen.
Ein Bad, fünf JobsDas sind die Sommer-Manager aus dem Lentpark in Köln
Fakt ist: Für Freibad-Pommes gibt es keine falsche Uhrzeit. Die können an einem Mai-Sommertag um nicht mal 11 Uhr genauso gut sein wie nachmittags um 17 Uhr. Am Pfingstdienstag im Lentpark bestätigt sich diese These: Die Bänke vor dem Imbisswagen sind schon gut besetzt. Und was sich beim morgendlichen Besuch auch zeigt: Die Leute haben richtig Bock auf Sommer. Um 9 Uhr am Morgen öffnet das Bad seine Tore für Menschen, bepackt mit großen Taschen, darin mutmaßlich: Strandtücher, Bücher, Schwimmtiere, Sonnencreme. Was man so braucht an einem Freibad-Tag.

Freibad-Pommes gehen auch zum Frühstück.
Copyright: Martina Goyert
René Voß ist Bereichsleiter und damit verantwortlich für das Bad in Nippes und zwei weitere: Genovevabad und Höhenbergbad. Wenn die Temperaturen stiegen, bräuchten die Menschen, so Voß, immer erst mal einen Moment, um viele andere Dinge zu erledigen, die gut gehen bei Sonne – und dann kämen alle schlagartig, wie jetzt, am Pfingstwochenende. „Endlich wieder Freibad“, sagt in diesem Moment eine Frau zu Voß – wie zum Beweis. Pfingstmontag seien, so eine Sprecherin der Kölnbäder, um die 3500 Menschen im Lentpark gewesen, an Spitzentagen seien es 4000 bis 5000.
Im Lentpark gibt es einen Naturbadeteich, Voß übersetzt: ein Freibad ohne Chlor. Pflanzen und Mikroorganismen übernehmen die Reinigung des Wassers. Es wird in einem separaten Regenerationsbereich biologisch aufbereitet. René Voß beobachtet eine stetig steigende Akzeptanz für biologisch aufbereitetes Wasser: „Manchmal denke ich sogar: Das ist fast schon ein Hype.“
René Höpken (30), Fachangestellter für Bäderbetriebe

Dreimal am Tag muss René Höpken die Qualität des Wassers messen.
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Das ist mein Job: Ich arbeite seit fast neun Jahren bei den Kölnbädern, seit acht Jahren im Lentpark und seit drei Jahren als Schichtführer hier. Meine Ausbildung habe ich in Mettmann gemacht – eigentlich wollte ich in Leverkusen eine Lehre zum Chemikanten machen, aber das hat nicht hingehauen wegen meiner schulischen Leistungen. Eine Ausbilderin hat dann zu mir gesagt: Du schwimmst doch so gern, wie wär’s denn mit dem Fachangestellten für Bäderbetriebe? Man kennt uns oftmals ja nur als Beckenaufsicht, als Bademeister quasi, aber eigentlich machen wir viel mehr. Wir kümmern uns um die technischen Anlagen, die Filter, wir prüfen dreimal täglich die Qualität des Wassers, schauen uns pH-Wert, Sauerstoff und die Temperatur an. Aber wir zupfen auch mal Unkraut oder mähen Rasen.
Warum ich meine Arbeit liebe: Ich mag an meinem Job, dass kein Tag wie der andere ist, dass wir dafür sorgen, dass die Leute hier einen schönen Tag haben und schwimmen können.
Meine Freibad-Erinnerung: Als Kind war ich immer in Leverkusen im Freibad Auermühle. Ich erinnere mich daran, dass mir das Springen und Rutschen immer total Spaß gemacht hat – und dass ich mich abends immer freiwillig fürs Aufräumen gemeldet habe. Denn an jedem Abend kam eine Durchsage: Jedes Kind, das hilft, Müll zu sammeln, bekommt eine Freikarte fürs Bad für den nächsten Tag. Und so konnte ich immer umsonst ins Freibad gehen.
René Voß (38), Bereichsleiter Nordost

René Voß zeigt den Bereich, in dem das Wasser aufbereitet wird.
Copyright: Martina Goyert
Das ist mein Job: Ich bin pünktlich zu Corona, im Februar 2020, hier angekommen. Die Zeit konnte ich nutzen, um mich mit der biologischen Anlage hier auseinanderzusetzen. In Bädern bin ich schon seit 2004 tätig: Ich bin in Rees am Niederrhein groß geworden, habe meine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe in Emmerich gemacht. Dann habe ich mich weitergebildet und noch BWL studiert.
Heute bin ich als Bereichsleiter verantwortlich für die drei Bäder Lentpark, Genovevabad und Höhenbergbad. Es gibt aber auch unterstützende Kollegen vor Ort, man ist nie auf sich allein gestellt. Meine Aufgabe ist es, für Sicherheit und Ordnung im Betrieb zu sorgen. Dazu gehört unter anderem, dass die Kolleginnen und Kollegen vor Ort genug Personal zur Verfügung haben, dass alle wichtigen Posten besetzt sind, dass neue Mitarbeitende unterwiesen werden. Wir arbeiten oft mit Saisonkräften, die müssen geschult werden. Wenn Konflikte gelöst werden müssen oder es technische Probleme gibt, ist das auch meine Aufgabe.
Darum liebe ich meine Arbeit: Ich mag das Arbeiten mit Menschen, sowohl mit den Kollegen als auch mit den Gästen. Das Publikum ist hier total angenehm. Ich mag, dass der Job so vielseitig ist: Ich habe einen Büroarbeitsplatz und bin doch viel draußen. Und ich habe das gute Gefühl, die Akzeptanz für chlorfreies, biologisch aufbereitetes Wasser steigt – das ist fast schon ein kleiner Hype.
Meine Freibad-Erinnerung: Ich erinnnere mich daran, dass wir des Öfteren mal über den Zaun ins Freibad in Rees geklettert sind, das es damals noch gab. Und an Pommes und den Geruch von Chlor natürlich.
Vivien Niemann (37), arbeitet an der Kasse

Vivien Niemann sitzt an ihrem Arbeitsplatz im Lentpark.
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Das ist mein Job: Ich arbeite seit 2021 bei den Kölnbädern. Erst war ich zwei Jahre in Höhenberg, seither bin ich hier im Lentpark. Ich bin eine Quereinsteigerin, habe die Stellenanzeige im Internet gesehen und mich beworben. Was ich hier mache? Ein bisschen von allem: Ich kassiere, ich berate die Kundinnen und Kunden, zum Beispiel, wenn es um die Vorteilskarten geht. Ich nehme Anrufe entgegen, wenn Handwerker kommen, zeige ich ihnen, wo sie hinmüssen.
Darum liebe ich meine Arbeit: Ich mag es, dass ich das Gefühl habe, den Menschen mit meiner Beratung wirklich weiterhelfen zu können. Und: Kinder, die das Schwimmabzeichen gemacht haben, bekommen das bei mir an der Kasse. Hier bei uns kann man alles von Seepferdchen bis Bronze machen – Silber und Gold geht nicht, weil wir keinen Sprungturm haben. Die Kinder stolz und glücklich zu sehen, wenn ich ihnen dann zum Abzeichen gratuliere, das ist total süß. Manche erzählen mir auch nach jeder Schwimmkursstunde, was sie gelernt haben, und irgendwie ist es, als würde ich die dann ein Stückchen auf dem Weg begleiten.
An eine Sechsjährige erinnere ich mich besonders: Das war im Höhenbergbad, das Mädchen hat dort das goldene Schwimmabzeichen gemacht, die ist ohne Probleme und ganz mutig vom Dreier gesprungen. Ihre älteren Brüder würden sich das nicht trauen, hat sie mir dann erzählt – das war eine richtig mutige Maus, fürs Wasser geboren.
Meine Freibad-Erinnerung: Wenn ich an meine Besuche als Kind im Freibad denke, denke ich sofort an Pommes. Rot-weiß – natürlich!
Chris Richard (33), Rettungsschwimmer

Rettungsschwimmer Chris Richard steht an seinem Arbeitsplatz im Lentpark.
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Das ist mein Job: Eigentlich bin ich hier ein bisschen das Mädchen für alles: Im Sommer bin ich Rettungsschwimmer, im Winter bin ich im Schlittschuhverleih, manchmal sitze ich auch an der Kasse. Angefangen habe ich hier 2018, damals gab es die Sauna noch. Aktuell liegt der Fokus absolut auf dem Wasser. Sicherheit steht da an erster Stelle. Ich habe den DLRG-Schein in Silber gemacht. Regelmäßig mache ich Erste-Hilfe-Kurse, um up to date zu bleiben. Ich habe hier damals als Werkstudent angefangen, parallel zum Studium. Geschichte und Politik habe ich studiert, aber ich bin hier sozusagen hängengeblieben.
Darum liebe ich meine Arbeit: Es macht einfach Spaß: Die Kollegen und Kolleginnen sind nett und lieb, es ist ein Miteinander und Füreinander. Ich hab während meines Studiums auch in der freien Wirtschaft gearbeitet, aber das war eine Katastrophe. Es ist schön, in einem Betrieb zu arbeiten, der sich darum kümmert, dass die Menschen einen schönen Tag haben, und ich mag die Abwechslung übers Jahr. Ich bin Kölner, das Freibad meiner Kindheit war das Stadionbad, eine echte Institution.
Meine Freibad-Erinnerung: Ich war früher ein kleiner Streber, habe mich immer an alle Regeln gehalten. Einmal war ich im Agrippabad und da bin ich einfach vom Beckenrand gesprungen, das war natürlich verboten. Der Bademeister hat mich dann angepfiffen und rausgeworfen. Beim nächsten Besuch waren wir wieder Freunde. Im Nachhinein habe ich Verständnis dafür, dass der Kollege so streng war: Auch hier kommt es immer wieder vor, dass Eltern auf der Wiese liegen und nicht schauen, was ihr Kind macht. Das springt dann einfach ins Becken, kann dort aber nicht stehen – das war zum Beispiel an unserem ersten warmen Tag hier so. Die Leute müssen etwas mehr auf ihre Kinder schauen und können nicht sagen: Sie sind doch die Badeaufsicht und damit verantwortlich. Und ich würde mir wünschen, dass es keine Diskussionen mehr über mitgebrachte Glasflaschen hier gäbe – das ist schon seit Urzeiten verboten.
Dean Pütz (27), Catering

Dean Pütz vor dem Foodtruck, den er mit seinem Vater betreibt.
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Das ist mein Job: Mit meinem Vater betreibe ich hier gemeinsam die Gastro: Wir haben eine innen im Bad, und jetzt im Sommer steht unser Foodtruck hier draußen. Das machen wir seit 2019. Wenn wir hier ankommen, müssen wir als Erstes prüfen, ob der Warenbestand stimmt oder ob noch etwas eingekauft werden muss. Dann bereiten wir den Imbisswagen vor – weil hier schon öfter eingebrochen wurde, schließen wir Dinge wie die Kasse abends weg. Für die Vorbereitungen brauchen wir ein bis zwei Stündchen, dann steht alles, und die Leute können kommen. Der Renner hier bei uns sind natürlich die Pommes. Drinnen haben wir eine große Karte, da verkaufen wir auch Schnitzel, Hamburger oder Pizza und draußen Pommes, Bratwurst, Chicken-Nuggets, Eis und Getränke. Wenn man hier 4000 bis 5000 Besucher hat, dann muss es schnell gehen. Die Leute stehen ja so schon oft in einer Schlange bis zur Rutsche.
Darum liebe ich meine Arbeit: Ich mag, dass ich tagtäglich mit unfassbar vielen Menschen zu tun habe. Wir haben hier im Lentpark auch wirklich ein total angenehmes Publikum, Auseinandersetzungen, wie man sie in manch anderen Bädern öfter mal hat, kommen hier praktisch nie vor. Und auch wenn wir Externe sind, fühlen wir uns doch als Teil des Teams mit den Bäder-Angestellten: Jeder versucht, jedem unter die Arme zu greifen.
Meine Freibad-Erinnerung: Für mich war als Kind die Rutsche in unserem Freibad in Troisdorf das absolute Highlight. Ich habe mich immer gefreut, wenn es hieß: Heute geht’s ins Freibad.
Beachten: Profi-Tipp für Lentpark-Besucher: Wer an Top-Wetter-Tagen lange Schlangen an der Kasse vermeiden will, sollte vorab ein E-Ticket kaufen: shop.koelnbaeder.de/de/eticket_applications/select_location/
Mitmachen: Haben Sie sich mal im Freibad verliebt? Sich beim Sprung vom Sieben-Meter-Turm verletzt? Dort Ihren alten Schwarm von 1970 wiedergetroffen? Erzählen Sie uns von Ihren Kölner Freibad-Erinnerungen, wenn Sie mögen, gern mit Bild. Schreiben Sie uns: ksta-koeln@kstamedien.de, Betreff: Freibad