Abo

Ein Kunstwerk verschwindetDas WDR-Filmhaus wird kernsaniert – Fassade wird abgerissen

3 min

So soll es einmal aussehen: Das WDR-Filmhaus samt neuer Fassade

  1. Die Abbrucharbeiten an der Fassade sollen schon laufen.
  2. 580 Menschen haben vor der 65 Millionen Euro teuren Sanierung in dem Gebäude gearbeitet, sie sind mittlerweile auf andere Häuser verteilt.
  3. Im Zuge der Arbeiten lässt der WDR auch das Relief des Bildhauers Karl Hartung (1908–1967) entfernen.

Köln – Nichts steht mehr. So oder so ähnlich könnte aktuell das Motto für das Innere des Filmhauses des Westdeutschen Rundfunks (WDR) an der Nord-Süd-Fahrt lauten. Seit Februar 2018 läuft die Sanierung des Hauses aus dem Jahr 1974, mittlerweile ist das Haus komplett von Schadstoffen befreit, die Räume leer.

Auch die Abbrucharbeiten an der Fassade laufen laut einer WDR-Sprecherin schon, die äußere Hülle wird neu gestaltet, soll gläserner, transparenter und repräsentativer werden. Weg mit dem 70er-Jahre-Charme, rein in die Jetzt-Zeit für den Büro- und Produktionskomplex. Die Pläne stammen vom Baseler Architekturbüro Buchner Bründler, Andreas Bründler sagte im Januar 2016 bei der Vorstellung der Pläne: „Wir haben nichts Neues hineingesetzt, wir haben das Vorhandene neu modelliert.“

2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein

580 Menschen haben vor der 65 Millionen Euro teuren Sanierung in dem Gebäude gearbeitet, sie sind mittlerweile auf andere Häuser verteilt. Voraussichtlich 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, einige Monate später sollen die WDR-Mitarbeiter zurück in das Haus ziehen, dann sollen die Büros kommunikativer, offener gestaltet sein. In dem elfgeschossigen Bau waren unter anderem die Redaktionen von „Monitor“, „Markt“ und „Morgenmagazin“ untergebracht.

Im Zuge der Arbeiten lässt der WDR auch das Relief des Bildhauers Karl Hartung (1908–1967) entfernen. Das mehrere Meter große Kunstwerk ist seit Jahrzehnten am untersten Teil der Fassade an der Röhrergasse angebracht.

Für das Relief des Bildhauers Karl Hartung ist nachdem Umbau kein Platz mehr.

Bei der Kernsanierung wird es abmontiert – und kehrt auch nicht mehr an seinen Platz zurück. Aktuell haben Arbeiter etwa ein Drittel entfernt. Was später damit geschieht, ist völlig offen. Die WDR-Sprecherin teilte der Rundschau mit: „Das Relief wird auf unserem Gelände in Bocklemünd eingelagert bis es eine Entscheidung gibt, was zukünftig damit passieren soll.“ In dieser Woche nun sollen die Arbeiten weitergehen.

Kunstbeirat soll sich für Erhalt des Kunstwerks ausgesprochen haben

Laut Anna Hartung, Enkeltochter des Künstlers, hat der WDR sie nicht über die Demontage informiert. Sie hofft, dass die Arbeiten weiter gut und ohne Schäden ablaufen und dass das Relief ein „neues, angemessenes Zuhause im öffentlichen Raum“ findet. Der Kunstbeirat der Stadt habe sich für den Erhalt ausgesprochen und wolle sich ebenfalls bei der Suche einschalten. „Wir sind aber optimistisch, dass sich da noch eine gute Lösung ergeben wird“, sagte Hartung.

Zurücknehmen möchte sie es nicht. „Dies ist keine Option, da das wirklich sehr unüblich wäre und das Kunstwerk für den öffentlichen Raum bestimmt ist und daher auch möglichst im öffentlichen Raum bleiben soll.“

Weite Wege

Auch knapp ein Jahr nach Beginn der Sanierung des WDR-Filmhauses queren weiter Fußgänger die Nord-Süd-Fahrt auf Höhe der WDR-Arkaden.

Wegen des Bauzauns – auch bekannt als „chinesische Mauer“ – fällt der Fußweg an der Tunisstraße weg. Das bedeutet Umwege für Passanten, die nun kurzerhand die Nord-Süd-Fahrt überqueren (wir berichteten mehrfach). Ein gefährliches Unterfangen. Die Stadt teilte mit, dass eine andere Lösung nicht möglich sei. (mhe)