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Dezentrale KrebsberatungWie Kölner Krankenhäuser die Patienten auffangen wollen

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Symbolbild

  1. Die Stadt Köln richtet an mehreren Standorten eine dezentrale Krebsberatung ein.
  2. Am Donnerstag startete das Franziskuskrankenhaus mit dem Angebot.
  3. Es soll ein Netzwerk geschaffen werden, das vielen Patienten mehr helfen kann, als sie glauben.

Köln – „Junge Familien rühren mich am meisten an“, sagt Renate Küster von der Krebsberatung im Haus Lebenswert. Wenn kleine Kinder da sind und einer der Partner schwer erkrankt, geht es nicht nur um sein Überleben. „Krebs ist eine Erkrankung der ganzen Familie, das stellen wir immer wieder fest.“

Nicht, weil die Krankheit ansteckend wäre. Sondern weil der Umgang mit der Diagnose schwierig sein kann – wenn sich der gesunde Partner zum Beispiel nicht traut, den Kranken nach seinem Befinden zu fragen. „Da ist die Einsamkeit manchmal ganz groß“, sagt Küster. In ihrer Beratung versucht sie zu vermitteln, dass es „weniger um richtig und falsch“ geht als um Verständnis dafür, dass Menschen unterschiedlich auf die Situation reagieren.

Praktische Antworten in einer schwierigen Situation

Aber auch ganz praktische Fragen werden dort geklärt: Wo finde ich eine Betreuung für meine Kinder, wenn ich ins Krankenhaus gehe? Wer bezahlt eine Haushaltshilfe? Wie stelle ich einen Antrag für die Reha? Ihre Beratung wird Renate Küster demnächst auch in Außenstellen auf dem gesamten Stadtgebiet anbieten. Vier halbe Kräfte unterstützen sie dabei. Diese Einrichtung einer dezentralen Krebsberatungsstelle hatte der Rat der Stadt Köln im Dezember 2018 beschlossen.

Höchste Zeit, findet Uwe Schwarzkamp, Geschäftsführer des Haus Lebenswert e.V.. Schließlich hätten alle großen Städte im Umkreis _ Bonn, Leverkusen, Düsseldorf – schon längst solch eine Beratungsstelle. Ausgerechnet Köln, dessen Uniklinik allein im Jahr 16.000 Krebspatienten behandelt, aber nicht – abgesehen von dem durch Spenden finanzierten Angebot im Haus Lebenswert. Dabei sehe der nationale Krebsplan des Bundesgesundheitsministeriums Krebsberatungsstellen für die Versorgung der Patienten ausdrücklich vor. „Mehr als 5.000 Menschen pro Jahr erkranken in Köln an Krebs“, sagt Schwarzkamp, „davon haben etwa 32 Prozent einen Bedarf an Sozialberatung“.

Beratungsnetzwerk weitet sich aus

Deshalb bekommen jetzt auch die Kölner Patienten und ihre Angehörigen Anlaufstellen für alle Fragen rund um die Erkrankung. Im evangelischen Krankenhaus Weyertal bietet der Verein die Beratung jetzt schon an. Im katholischen Franziskuskrankenhaus in Ehrenfeld geht es an diesem Donnerstag los. Im Onkologischen Therapiezentrum OTT, einer Gemeinschaftspraxis in Kalk, wird die Beratung am 1. Oktober starten. Und in der städtischen Klinik Merheim geht es im November los. Haus Lebenswert zieht im Herbst in das neue Centrum für Integrierte Onkologie an der Uniklinik, dann wird es die Krebsberatung auch dort geben.

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Die Kooperationspartner stellen nur Räume zur Verfügung. Träger der Krebsberatung ist der Verein Haus Lebenswert, Geld gibt die Stadt. „Ein unabhängiges Angebot“, darauf legt Schwarzkamp wert. Die Hürde, eine Beratung aufzusuchen, soll möglichst gering sein – deshalb wird sie dort angesiedelt, wo sowieso schon Krebspatienten behandelt werden.

Unterschätzte Chancen

Die wissen meist gar nicht, was ihnen eine Beratung bieten könnte, oder fürchten, dort in einer Psychotherapie zu landen. Das Angebot ist jedoch „rein beratend, nicht therapeutisch“, sagt Schwarzkamp. Und gilt auch für die Angehörigen.

Für ihn ist es fast ein Grundrecht, Informationen zu bekommen, etwa zu Medikamenten und ihren Nebenwirkungen. „Viele Krebsarten werden heute zwar nicht geheilt, aber nehmen doch einen chronischen Verlauf. Und diese verbleibende Zeit will man dann auch qualitativ verbringen.“

Doch auch das mögliche Lebensende kann Inhalt der Beratungsgespräche sein. „Die Frage, ob ich schon bereit bin, ist ein großes Thema“, weiß Renate Küster aus ihrer Erfahrung, „das muss man sehr sensibel einführen.“