Abo

Großbaustelle UniversitätKölner Studierende beklagen zu wenig Grün und zu viel Krach

4 min
Der Albertus-Magnus-Platz wird noch bis Ende des Jahres 2026 saniert.

Der Albertus-Magnus-Platz wird noch bis Ende des Jahres 2026 saniert.

Rund um die Uni herrscht aktuell noch Chaos. Bis 2040 soll der Campus moderner, sicherer und schöner sein.

Marlene Ludwig sitzt im Schneidersitz auf den neuen Sitzflächen am Albertus-Magnus-Platz und blickt an den Bauzäunen vorbei auf das Hauptgebäude. Sie studiert Medienwissenschaften und Medienrecht an der Universität zu Köln und ist eine von vielen, die in diesem Sommer schon den ersten fertigen Abschnitt des Albertus-Magnus-Platzes nutzen. Vor dem Philosophikum haben die Arbeiter die Bodenplatten ausgetauscht, Bäume gepflanzt und darunter die neuen Sitzflächen angelegt.

Der Platz, das Hauptgebäude selbst, der Neubau der Chemischen Institute, die abgeschlossene Kernsanierung des Wiso-Hochhauses, das Gebäude für Informatik im Weyertal: Die Universität investiert in ihre Erneuerung. Seit Mitte August wird auch die Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) saniert. „Masterplan 2040“ heißt die millionenschwere Bauoffensive der Universität zu Köln, die die alten Gebäude wieder auf Stand bringen soll. Vor zwei Jahren musste der alte Name „Masterplan 2030“ überholt werden, denn mehrere Großprojekte werden bis dahin nicht fertig sein.

Der Albertus-Magnus-Platz ist das vielleicht sichtbarste Bauprojekt. Als „Visitenkarte der Universität“ hat Rektor Joybrato Mukherjee den Vorplatz des Hauptgebäudes einmal bezeichnet. Die Visitenkarte befindet sich jetzt seit 2025 im Umbau. Laut Angaben der Universität liege der Bau im Zeit- und Kostenrahmen: Im Dezember 2026 soll er fertig sein, insgesamt kostet die Erneuerung 12,6 Millionen Euro.

Warum es kaum Grünflächen gibt

„Ich finde es schön, dass sie jetzt diese Bänke geschaffen haben“, sagt Jurastudentin Lili Pöschl. „Es ist nur schade, dass der Boden fast komplett versiegelt wird. Es gibt hier zu wenig Grün und kaum Schatten.“ Regenwasser könne durch die Verlegeweise der Pflastersteine an den meisten Stellen versickern, so die Uni. Der Platz müsse auch mit dem Rollstuhl und für Fahrräder befahrbar sein und diene im Notfall als Evakuierungsfläche für die angrenzenden Gebäude. Deswegen gebe es nicht mehr Grünflächen.

So soll der Albertus-Magnus-Platz Ende 2026 aussehen: Eine große gepflasterte Fläche, im hinteren Bereich Sitzflächen mit einigen Bäumen daneben.

So soll der Albertus-Magnus-Platz Ende 2026 aussehen.

Während der Bauphase mussten Radfahrer und Fußgänger mehrfach ihre Gewohnheiten ändern. „Jedes Mal, wenn ich hier mit dem Fahrrad herfahre, taucht ein neuer Weg auf, wo ich nicht langfahren kann“, sagt Marlene Ludwig. „Teilweise bin ich sogar zu Vorlesungen zu spät gekommen, weil ich hier nicht zum Hauptgebäude durchgekommen bin.“ Der Albertus-Magnus-Platz ist ein viel genutzter Durchgang für Fahrradfahrer und Fußgänger. Die Wege für Fußgänger hätten sich bisher dreimal geändert, teilt die Universität auf Anfrage mit. Zeitweise war der freie Weg so eng, dass Wachpersonal Radfahrer aufforderte, abzusteigen oder umzuparken, um nichts zu blockieren.

Im Moment wird die Freude über die Sanierung bei den Studenten noch von den üblichen Nebenwirkungen einer Baustelle überschattet. „Gerade ist es noch todeslaut“, sagt Jurastudent Maxim Kazachkov. „Im Moment kannst du hier kaum sitzen und reden.“ Der Lärm sei auch im Hörsaalgebäude zu hören. Im Winter kam Gestank hinzu: Beim Entfernen der Bodenplatten traten Gase aus dem Erdreich aus, als Folge von Gärungsprozessen, wie die Universität erklärte. Im Juli gab es außerdem Beschwerden, weil sich Wasser bei Starkregen ausgerechnet auf dem Blindenleitsystem ansammelte.

Universitätsbibliothek bleibt drei Monate geschlossen

Ein weiteres aktuelles Bauprojekt ist die Sanierung der Hauptbibliothek. Bis Ende Oktober ist sie deswegen geschlossen. „Ich finde es cool, dass die Bibliothek renoviert wird. Dann gibt es bald endlich mehr Steckdosenplätze“, sagt Marlene Ludwig. Die Lesesäle erhalten neue, größere Arbeitstische mit Akustiktrennwänden, Stromanschlüssen und integrierter Beleuchtung, wie die Universität auf ihrer Website schreibt. Auch der Boden wird zu einem großen Teil erneuert. Laura Niggemann ist Jurastudentin und gehört damit zu jenen, die die Bibliothek auch während der Semesterferien nutzen.  „Ich gehe da normalerweise immer hin und drei Monate finde ich sehr lang, zumal es wenig Ausweichmöglichkeiten gibt.“ 

Sowohl der Platz als auch die Bibliothek werden Ende dieses Jahres fertig sein. Die Sanierung der physikalischen Institute, des Hörsaalgebäudes und der Humanwissenschaftlichen Fakultät plant die Universität gerade. Der aktuelle Masterplan wird erneut angepasst werden – mit derselben Deadline. „Bis Mitte 2027 soll der neue Masterplan 2040 unter breiter Beteiligung innerhalb der Hochschule entwickelt und bis Ende des Jahres 2027 abschließend beschlossen werden“, erklärt die Universität auf Anfrage. Bei den Anpassungen wird unter anderem der Raumbedarf verändert, weil einige Beschäftigte im Homeoffice arbeiten. Bis 2040 soll der Campus moderner, sicherer und schöner sein. Die aktuellen Studenten wie Marlene Ludwig werden ihr Studium dann wohl abgeschlossen haben.