Aus für Wohntraining und NotschlafstelleDrogenhilfe muss nach 16 Jahren ihre Einrichtung in Nippes schließen

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Ein Mann sitzt auf einem Bett.

Den Weg aus der Sucht hat der 52-jährige Chris mithilfe des Wohntrainings geschafft.

Nach mehr als 16 Jahren muss der Träger, die Drogenhilfe Köln, ihre Notschlafstelle und das Wohntraining in Nippes schließen, der Mietvertrag läuft vereinbarungsgemäß aus, ein Monat wird benötigt, um die Räume übergabefertig zu machen.

Das Puzzle in Regenbogenfarben zieht den Blick auf sich, ein fröhliches Urlaubsmotiv, auf eine Pinnwand aus Kork geklebt. Darüber hängt ein Küchen-Oberschrank an der Wand, der als Kleiderschank dient. Das spart Platz für das Bett darunter. Auf einem Regal am Fußende steht geordnet die persönliche Habe von Chris (52). Auf der anderen Seite des Zimmers: ein Küchenschrank, ein ordentlich gemachtes Bett, ein Regal.

Zwei Menschen leben in dem Zimmer des Wohntrainings der Drogenhilfe in Nippes auf 13,5 Quadratmetern. Sie versuchen, den Weg zurück ins Leben zu finden. Sie üben, ihren Alltag selbst zu meistern. Und bekommen hier Hilfe dabei, auch in den ganz schweren Momenten. Chris (52) hat einen großen Teil dieses Weges aus der Schwerstabhängigkeit schon hinter sich und gerade einen Bildungsgutschein vom Jobcenter für eine Fortbildung bekommen. Seinen Drang nach Drogen hat er mit Hilfe einer Substitutionstherapie im Griff. In gut einem Monat wird er sein Zimmer räumen müssen. „Hier habe ich viel geschafft“, sagt er. „Wie soll es jetzt weiter gehen? Ich habe Angst, dass nirgendwo Platz für mich ist.“

Nach mehr als 16 Jahren muss der Träger, die Drogenhilfe Köln, ihre Notschlafstelle und das Wohntraining in Nippes am 31. Mai schließen, der Mietvertrag läuft vereinbarungsgemäß aus, ein Monat wird benötigt, um die Räume übergabefertig zu machen. Im Wohntraining wird acht schwerstabhängigen obdachlosen Männern mit Wohnraum und sozialpädagogischer Betreuung geholfen. In der Notschlafstelle für suchtkranke Menschen auf derselben Etage gibt es zwei Zimmer mit je fünf Betten. Das Wohntraining ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr betreut; fünf Fachkräfte teilen sich 3,25 Stellen, zwölf Studierende arbeiten zum Mindestlohn nachts und an den Wochenenden mit einer Rufbereitschaft im Hintergrund.

Nach 16 Jahren läuft der Mietvertrag aus

„Wir haben hier Bewohner, die mit Mitte 40, Anfang 50 noch nie in einer Wohnung gelebt haben, die zwischen Inhaftierung, Obdachlosigkeit und institutionellen Unterbringung gependelt sind“, schildert Andreas Sevenich, Leiter der Einrichtung. „Viele dieser Menschen sind psychiatrisch krank und suchtkrank, manche leiden an Hepatitis, HIV oder Krebserkrankungen.“ Nicht wenige der Bewohner schaffen es mit Hilfe und einer Substitutionstherapie, wohnfähig zu werden. Doch viele müssen länger bleiben, weil es auf dem Kölner Wohnungsmarkt keine finanzierbaren Wohnungen für sie gibt. Das ist ein riesiges Problem.“

Fortgesetzt wird das Angebot der Drogenhilfe in dieser Form nicht. „Die Entscheidung trifft uns und die von uns betreuten Menschen schwer“, so eine Mitteilung der Drogenhilfe, die sich lange um eine Immobilie bemüht hat, um ihre Arbeit weiterzuführen. „Wir hatten durchaus den Eindruck, dass wir Alterativen finden könnten. Unter anderem haben wir eine eigene Immobilie angeboten und darüber mit der Stadt Gespräche geführt. Diese Gespräche waren leider nicht erfolgreich“, sagte Markus Wirtz, Geschäftsführer der Drogenhilfe Köln. Die Stadtverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass sie „um Unterstützung bei der Suche nach einer nutzbaren Immobilie“ gebeten worden sei. „Diese Suche ist bislang erfolglos geblieben “, heißt es weiter

Die Notschlafplätze für suchtkranke Menschen werden sehr fehlen
Daniel Sänger, Leiter das Notels

Sergen Belen, gesundheitspolitischer Sprecher der Volt-Fraktion, hat sich die Einrichtung an der Nippeser Cranachstraße angesehen. „Ich bin bestürzt, dass wir es nicht schaffen, zumindest das bestehende Angebot aufrecht zu erhalten. Und es geht nicht, dass wir von einer solchen Verringerung des Hilfeangebotes erst durch eine Pressemitteilung erfahren. So ist viel Zeit verstrichen, in der wir als Sozialpolitiker noch Alternativen hätten eruieren können.“

„Die Notschlafplätze für suchtkranke Menschen werden sehr fehlen“, sagt Daniel Sänger, Leiter das Notels, das zehn Notschlafplätze und fünf Krankenplätze in der Innenstadt unterhält. „Wir sind sehr oft voll belegt und haben dann Gäste zu freien Plätzen nach Nippes verweisen können. Für die Menschen auf der Straße ist die Schließung ein großer Verlust.“

Das Team der Drogenhilfe hofft jetzt sehr, dass „die anderen Kölner Hilfeeinrichtungen angesichts der sowieso schon engen Versorgungslage ihrerseits die notwendige Unterstützung erhalten, um die zusätzlich entstehenden Hilfebedarfe stemmen zu können.“

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