Rund ein halbes Jahr nach dem Angriff wird der 50-Jährigen nun versuchter Mord vorgeworfen; möglich ist die dauerhafte Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.
Am Bahnhof Köln-EhrenfeldBenzin-Attacke auf Ordnungsamt-Mitarbeiter – Frau angeklagt

Der Angriff hatte eine Debatte über Gewalt gegen Einsatzkräfte des Ordnungsamtes ausgelöst (Symbolbild).
Copyright: Alexander Schwaiger
Gut ein halbes Jahr nach der Benzin-Attacke auf einen Ordnungsamt-Mitarbeiter am Bahnhof Ehrenfeld kommt es nun zum Prozess: Das Landgericht Köln hat das Verfahren gegen die 50-jährige Beschuldigte eröffnet, der Vorwurf lautet versuchter Mord, wie ein Sprecher des Landgerichts Köln auf Anfrage mitteilte.
Weil die Frau die Tat nach Einschätzung der Ermittler im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben soll, kann sie nicht im klassischen Sinne schuldig gesprochen werden. Stattdessen verhandelt das Gericht in einem sogenannten Sicherungsverfahren: Es geht darum, ob die Frau dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Die Verhandlung soll am 7. Dezember beginnen.
Angriff löste Debatte um Sicherheit aus
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, besonders grausam vorgegangen zu sein – juristisch das Mordmerkmal „Grausamkeit“, das aus dem Tatvorwurf einen versuchten Mord macht. Zudem geht es um sechs Fälle des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen – etwa Hakenkreuze auf selbst gebastelten Flaggen, Flugblättern oder Graffitis; in einem dieser Fälle kommt zusätzlich eine Sachbeschädigung hinzu.
Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll die Frau über Jahre in einer Wahnwelt gelebt haben und sich von deutschen und ausländischen Sicherheitsbehörden verfolgt und überwacht gefühlt haben. Zusammen mit ihrem Ehemann habe sie Protestaktionen organisiert, um auf das vermeintliche Unrecht aufmerksam zu machen. Bei insgesamt sechs Gelegenheiten zwischen Juli 2025 und April 2026 – dazu zählt laut Staatsanwaltschaft auch der Vorfall in Köln-Ehrenfeld – soll sie selbst gebastelte Flaggen oder Flugblätter präsentiert oder Graffitis angefertigt haben, die unter anderem das Hakenkreuz enthalten haben sollen.
Im Zuge einer solchen Protestaktion soll die Frau am 8. April einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes angedroht haben, ihn mit Benzin zu überschütten. Gleichzeitig habe sie ein Feuerzeug hervorgeholt. Als sich der Mitarbeiter mit einem gezogenen Reizstoffsprühgerät näherte, soll sie ihm den Inhalt einer Flasche Benzin über Kopf und Oberkörper geschüttet haben. Zu diesem Zeitpunkt soll sie laut Staatsanwaltschaft beabsichtigt haben, das Benzin im nächsten Schritt zu entzünden. Dazu sei es nicht mehr gekommen, nachdem der Mitarbeiter sein Pfefferspray einsetzte und die Frau von ihm und einem Kollegen überwältigt werden konnte.
Der Angriff hatte eine Debatte über Gewalt gegen Einsatzkräfte ausgelöst. Oberbürgermeister Torsten Burmester verurteilte die Tat in einer Stellungnahme scharf: „Ein solcher Angriff ist durch nichts zu rechtfertigen. Wer unsere Ordnungskräfte angreift, also diejenigen, die täglich für unsere Sicherheit und Ordnung sorgen, greift gleichzeitig unseren Rechtsstaat an und vor allem das friedliche, respektvolle Zusammenleben in unserer Stadt. Das dulde ich nicht.“ Er sprach den Einsatzkräften seine „volle Solidarität und Unterstützung“ aus.
Die Stadt reagierte auf den Vorfall mit Prüfaufträgen für zusätzlichen Schutz: Wie die damalige Ordnungsdezernentin Andrea Blome Anfang Mai im zuständigen Ausschuss ankündigte, prüft die Verwaltung den Einsatz von Hochleistungsreizstoffsprühgeräten für den Ordnungsdienst. Zudem sollen im Ordnungsamt Supervisionen eingeführt werden, um Mitarbeitende nach belastenden Einsätzen besser zu unterstützen.
