Immer mehr Eltern geraten wegen reduzierter Kinderbetreuungszeiten in Not. Die Stadt Köln will flexible Bring- und Abholzeiten aufheben.
PersonalnotEltern von Kita-Kindern in Köln sprechen von „Vollkatastrophe“

Für die betroffenen Familien hat die fehlende Betreuung oft weitreichende Auswirkungen.
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„Vollkatastrophe.“ Übereinstimmend beschreiben Eltern so die Zustände an ihren Kindertagesstätten. Der Personalmangel sorgt für enorme Ausfälle. „Ein normaler Familienalltag ist uns nicht möglich“, erzählt der Vater des dreijährigen Johann (Name geändert). Nur ein bis zweimal wöchentlich kann Johann in die städtische Kita in Bilderstöckchen. Dabei haben die Eltern mit der Stadt einen Vertrag über 35-Wochenstunden Betreuung abgeschlossen.
Geregelt wird die Kinderbetreuung an der städtischen Kita in Bilderstöckchen seit Monaten über ein Nummernsystem für die 70 betreuten Kinder. Immer ist nur ein kleiner Teil der Kinder anwesend, weil nicht genug Personal da ist. „In diesem Jahr gab es nur einen Tag, an dem alle Kinder da waren“, sagt Johanns Vater. Das sei Weiberfastnacht gewesen, als die Kinder von ihren Eltern begleitet wurden.
Für die betroffenen Familien hat die fehlende Betreuung oft weitreichende Auswirkungen. Jugendamtselternbeirat (JAEB) Köln und Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Köln-Bonn schlagen Alarm und haben ein Informationsschreiben für in finanzielle Not geratene Eltern veröffentlicht. „Die desolate Betreuungsinfrastruktur in Köln mit vielerorts eingeschränkten Betreuungszeiten führt dazu, dass viele Eltern nicht mehr wie gewohnt ihrer Erwerbsarbeit nachgehen können. Immer mehr Familien geraten deswegen in Not. Die Zahl der Anfragen an uns wächst stetig“, sagt Heike Riedmann vom JAEB Köln.
Keine flexiblen Betreuungszeiten mehr
In den letzten Wochen und Monaten ist die Zahl der Kitas, in denen das Betreuungsangebot aufgrund von Personalmangel reduziert wurde, „kontinuierlich angestiegen“, heißt es in einem Elternschreiben der Stadt. Die Konsequenz: Zum kommenden Kindergartenjahr soll es für Eltern, die einen Vertrag über 35-Stunden abgeschlossen haben, keine flexiblen Bring- und Abholzeiten mehr geben.
In der städtischen Kita in Bilderstöckchen sind zudem die Betreuungszeiten auf 35 Stunden reduziert worden. Auch in weiteren städtischen Kitas ist das der Fall. Eine Betreuung über neun Stunden täglich, die Eltern, die Vollzeit arbeiten, brauchen, ist längst nicht mehr für alle gewährleistet. Von rund 4000 Stellen in den aktuell 218 städtischen Kitas sind derzeit etwa 200 Stellen nicht besetzt. Darin sind auch die Stellen enthalten, bei denen die Mitarbeitenden langfristig erkrankt sind.
