Interview mit ESC-Star „ela.“Für diese Kölsche Band hat die Sängerin schon Texte geschrieben

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Sängerin Ela sitz in einem blauen Kleid auf dem Boden.

Beim Eurovision Song Contest 2014 stand „ela.“ mit ihrer Band Elaiza auf der Bühne.

Ela hat schon für Größen Helene Fischer und Nena getextet. Wie kam es dazu, dass sie auch für eine kölsche Band schrieb? 

Bekannt geworden ist ihre Band Elaiza mit dem englischen Song „Is it right“. Warum fühlen Sie sich als Solo-Künstlerin im Deutsch-Pop zuhause?

Der ESC war für mich der Startschuss dafür, nicht nur als Künstlerin sondern auch als Autorin wahrgenommen zu werden. Danach sind viele Leute auf mich zugekommen und wollten mit mir arbeiten. Deshalb habe ich angefangen immer mehr auf Deutsch zu schreiben. Musik auf Deutsch ist so pur. Du machst dich komplett nackt, weil man jedes Wort versteht. Das fand ich faszinierend, habe aber etwas gebraucht, um mich dabei wohlzufühlen und mich auf Deutsch zu verwirklichen.

Sie sind in der Ukraine geboren und mit acht Jahren nach Deutschland gekommen. Welche Rolle hat deutsche Musik in dieser Zeit für Sie gespielt?

Mein Stiefpapa, für mich mein Papa, hat damals sehr viel Herbert Grönemeyer gehört. Wir waren auch zusammen auf einem Konzert. Ich habe tatsächlich mit Grönemeyer Deutsch gelernt – schwere Kost als Kind (lacht). Damals war es nicht so leicht. Ich kannte die Sprache noch nicht und war ein Paradiesvogel, weil ich aus einem Musikerhaushalt kam. Ich war auch eine der wenigen Ausländerinnen. Da ist mein Schulranzen schon mal im Mülleimer gelandet. Kinder können echt grausam sein.

Wann haben Sie die Musik für sich entdeckt?

Mein erstes Klavier habe ich bekommen, als wir nach Deutschland kamen. Dann habe ich angefangen, allem, was um mich herum passiert, durch die Musik Ausdruck zu verleihen. Das war mein Safe Space.

Was macht für Sie den Reiz daran aus, Lieder für andere zu schreiben?

Für mich ist es eine große Ehre, mit Menschen im Studio zu sein, die mir ihre Geschichten anvertrauen. Mir macht es total Spaß mich in unterschiedlichen Genres auszutoben. Einmal schreibe ich für die Sängerin Lune, am Tag darauf telefoniere ich mit Helene Fischer und dann ruft mich plötzlich Nena an. 

Für ihren emotionalen Song „Zwischen den Welten“ haben Sie sich wiederum Unterstützung von Sarah Connor geholt. Wie kam es dazu?

Ein Fan hat Sarah Connor meinen Song „Fahrtwind“ geschickt. Das war der Beginn unserer kleinen Freundschaft. Sie hat mich 2019 auch auf ihre Tour mitgenommen. Dann habe ich mich getraut sie zu fragen, ob sie mit mir an meinem neuen Album schreiben will.

Wie war es mit ihr zu arbeiten?

Ich habe damals eines der schönsten, aber auch schwersten Jahre meines Lebens durchgemacht. Einerseits durfte ich in Arenen spielen, habe bei einem Major unterschrieben und alles schien top, andererseits gab es einen Krebsfall in meiner Familie. Ich verbrachte sehr viel Zeit in Krankenhäusern und musste mich viel mit dem Thema Leben und Tod auseinander setzen. Man war wortwörtlich ‚zwischen den Welten‘. Das haben wir alles in den Song gepackt, der genau wie das Album sehr biografisch ist. Sarah Connor legt viel Wert auf Ehrlichkeit in den Texten. Das, was ich sonst für andere Künstlerinnen und Künstler bin, war sie in diesem Fall für mich.

Welchen Bezug hat der Titel des neuen Albums „Es ist immer jemand wach“ zu ihrem Leben?

Der ist eine kleine Danksagung an alle Menschen, die mit mir zusammen lange wach geblieben sind – in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist ein roter Faden, der sich durch mein Album zieht.

Sie sind schon mehrmals auf Kölner Bühnen aufgetreten. Was halten Sie von der Stadt?

Ich liebe Köln! Ich habe für die Band Auerbach auch schon auf Kölsch geschrieben. Als Freunde von mir die Band gegründet haben, haben sie mich zum Schreiben eingeladen. Als ich erklärt habe, dass ich kein Kölsch kann, meinten die nur: ‚Dat lernste!‘ Das war eine kleine Herausforderung, aber hat sehr viel Spaß gemacht.

Und wie sieht es mit dem Kölner Karneval aus?

Durch die Jungs durfte ich in diese Welt reinschnuppern. Ihr habt hier so ein tolles Kulturgut! Im Februar habe ich mir einen Auftritt von Auerbach in Köln angeguckt. Ich war nicht verkleidet und komplett verloren (lacht). Es war aber so schön, weil jede und jeder dabei willkommen ist. Eigentlich müsste immer Karneval sein. Über meine kölschen Verbindungen habe ich auch Mo-Torres kennengelernt. Auf seinem aktuellen Album haben wir einen gemeinsamen Song.

Ihr Kölner Konzert musste verlegt werden: Eigentlich war es im Oktober geplant, jetzt müssen Sie sich noch fast ein Jahr, bis zum 7. September kommenden Jahres gedulden. Kommt trotzdem schon Vorfreude auf?

Leider mussten wir die Tour schweren Herzens auf September 2024 schieben; auf Grund von gesundheitlichen Problemen. Ich freue mich trotzdem total auf das Konzert! Es wird super schön, live im Helios zu spielen und den Leuten das neue Album vorzustellen. Es wird auf jeden Fall einen Special Guest geben.


Tickets 

Tickets für das Konzert von ela. am 7. September 2024 um 19 Uhr im Helios 37 gibt es für rund 30 Euro hier. Die Karten für den ursprünglich geplanten Termin behalten ihre Gültigkeit. 

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