Der betriebe Dopinghandel hatte eine exorbitante Größe“, stellte der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer fest.
Abnehmer in der Bodybuilder-SzeneIllegales Untergrundlabor - Zwei Feuerwehrmänner verurteilt

Zwei Feuerwehrmänner (r und M) sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts neben dem Anwalt Andreas Fleuster (l).
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Jahrelang hatten zwei Kölner Werksfeuerwehrmänner (43 und 46) in einem Untergrundlabor illegale Dopingmittel hergestellt und diese in die regionale Fitness- und Bodybuilder-Szene vertrieben: Am Donnerstag verurteilte das Landgericht die beiden Väter jeweils zu zwei Jahren und drei Monaten Haft. Weil das Verfahren von der Justiz rund vier Jahre nicht betrieben worden war und die Verzögerung nicht von den Angeklagten zu verantworten ist, gelten acht Monate bereits als vollstreckt. Zudem ordnete das Gericht die Einziehung von Erträgen aus den Taten in Höhe von knapp 400.000 Euro an.
Der ebenfalls angeklagte Vater (77) eines Beschuldigten wurden wegen Beihilfe zum gewerbsmäßigen Handels mit Dopingmitteln zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. Das Verfahren gegen die zunächst ebenfalls angeklagte Ehefrau (43) des 46-Jährigen hatte das Gericht bereits am zweiten Verhandlungstag wegen Geringfügigkeit gegen eine Auflage in Höhe von 1500 Euro eingestellt.
Bodybilder als Abnehmer
Von 2012 bis 2017 hatten die beiden Männer hinter der bürgerlichen Fassade aus ehrenwerten Berufen und Einfamilienhäusern Handel mit Dopingmitteln mit einem „hohen Organisationsgrad“ und „gesteigerter krimineller Energie“ betrieben. „Der betriebe Dopinghandel hatte eine exorbitante Größe“, stellte der Vorsitzende der 8. Großen Strafkammer, Stephan Aderhold, fest. Demnach waren die Hauptangeklagten arbeitsteilig vorgegangen: Während der 46-Jährige mit der Rohstoffbeschaffung aus China und dem Vertrieb der injektionsbereiten Mittel befasst war, „kochte“ der 43-jährige Komplize in einem Untergrundlabor im Kölner Norden die Substanzen zum Muskelaufbau zusammen. In dem Prozess war bekannt geworden, dass das illegal erwirtschaftete Geld für Reisen und auch für einen teuren Kindergartenplatz eines Nachwuchses verwandt worden sein soll.
Verkauft wurden die Präparate an Abnehmer aus der Fitness- und Bodybuilder-Szene in Köln und Bonn. Aufgeflogen waren die Männer 2017, als die Zollfahndnung in München Geldflüsse zu einem chinesischen Rohstofflieferanten für Dopingmittel untersuchte und auf Zahlungseingänge aus Köln stieß. Sofort war den Ermittlern klar, dass es in Köln ein Untergrundlabor geben müsse, hatte der Ermittlungsführer vor Gericht ausgesagt. Nach umfassender Telefonüberwachung und Observationen war es im Juli 2017 zum Zugriff gekommen.
Die beiden Haupttäter kamen in der JVA Stadelheim in München in U-Haft. Nach zehn Monaten — die ebenfalls von den nun verhängten Haftstrafen abgezogen werden müssen — kamen sie unter Auflagen wieder auf freien Fuß. Seither haben sich die Männer straffrei geführt und arbeiten auch wieder in ihrem angestammten Beruf.