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Suchthilfezentrum erst 2027Initiativen drängen Stadt Köln zu schnellerer Drogenhilfe-Lösung

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Die Grünfläche am Perlengraben, auf der das Kölner Suchthilfezentrum entstehen soll.

Die Grünfläche am Perlengraben, auf der das Kölner Suchthilfezentrum entstehen soll.

„Südi bleibt solidarisch“ und die IG Pantaleonsviertel streben eine kurzfristigere Lösung an, um suchtkranken Menschen zu helfen.

Im Streit um das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben wächst der Druck auf die Stadt Köln. Sowohl die Initiative „Südi bleibt solidarisch“, die das Zentrum unterstützt, als auch die Interessengemeinschaft Pantaleonsviertel, die den Standort ablehnt, fordern jetzt eine schnellere Lösung für suchtkranke Menschen in der Innenstadt. Das vom Rat beschlossene Zentrum soll, wie berichtet, erst im August 2027 eröffnen. Ein Interim lehnt die Stadt bislang ab – mit Verweis auf fehlende Räume, Geld und Personal.

Höhere Zahl an Drogentoten

Die Anwohnerinitiative „Südi bleibt solidarisch“ übt erstmals deutliche Kritik an der Stadtverwaltung. „Der Ratsbeschluss darf nicht das Ende der politischen Verantwortung sein, sondern muss der Beginn einer konsequenten Umsetzung sein“, sagt Sprecherin Eva-Maria Grommes. Die Zahl der Drogentoten steige seit Jahren – das mache deutlich, wie dringend wirksame und niedrigschwellige Hilfsangebote nötig seien. Nach Zahlen der Polizei stieg die Zahl der Drogentoten im Bereich des Polizeipräsidiums Köln, zu dem auch Leverkusen gehört, von 34 im Jahr 2024 auf 85 im Jahr 2025.

Die Initiative fordert die Stadt Köln außerdem dazu auf, den bestehenden Drogenkonsumraum am Neumarkt wieder länger zu öffnen. Seit Anfang Juni ist die Einrichtung wegen Personalmangels am gesamten Wochenende geschlossen. Überdies solle der Drogenkonsumraum unabhängig vom neuen Suchthilfezentrum dauerhaft erhalten bleiben.

Anlässlich des bundesweiten Gedenktags für verstorbene Drogengebrauchende am Dienstag (21. Juli) weist Co-Sprecher Sebastian Endres darauf hin, dass die aktuelle Situation in der Innenstadt zeige, dass Verdrängung keine Lösung sei. Menschen mit Suchterkrankungen verschwänden nicht, sondern sie wichen auf andere Orte aus. Umso wichtiger sei es, bestehende Hilfsangebote zu stärken und zügig neue Angebote zu schaffen.

Seit die Polizei im Herbst 2025 verstärkt gegen den Drogenhandel am Neumarkt vorgeht, hat sich die offene Drogenszene nach Beobachtung von Anwohnern und Sozialarbeitenden auf weitere Orte in der Innenstadt verlagert – etwa an den Rudolfplatz, den Friesenplatz, den Hansaplatz, den Ebertplatz und in den August-Sander-Park.

Sozialdezernent lehnt Provisorium ab

Die Interessengemeinschaft (IG) Pantaleonsviertel, die den Standort Perlengraben ablehnt, macht sich ebenfalls für eine schnellere Lösung stark. Die Stadt Köln solle ein Bestandsgebäude in der Innenstadt suchen, um suchtkranken Menschen schneller helfen zu können.

Die Grünfläche am Perlengraben sei ursprünglich von der Stadt ausgewählt worden, um dort kurzfristig ein Interim aufzubauen. Der ursprüngliche Zeitvorteil des Standorts sei inzwischen aber weggefallen, weil die Umsetzung noch mindestens ein ganzes Jahr dauern werde. „Wenn kein Zeitdruck mehr besteht, gibt es keinen vernünftigen Grund, eine funktionierende Grünfläche dauerhaft aufzugeben. Jetzt besteht die Chance, einen besseren Standort zu finden“, sagt der IG-Vorsitzende Andreas Zittlau.

Sozialdezernent Harald Rau lehnt ein Provisorium ab. „Ein Interim ist aufgrund fehlender räumlicher, finanzieller und personeller Ressourcen nicht geplant. Ein Interim würde den Zeitplan des Suchthilfezentrums möglicherweise nicht unterbieten und Ressourcen binden, die für die Umsetzung des Suchthilfezentrums benötigt werden“, sagt er.

Dass ein schnellerer Aufbau grundsätzlich möglich sein kann, zeigt ein Beispiel aus Zürich: Dort wurde nach Angaben der dortigen Verwaltung ein vergleichbares Angebot binnen drei Monaten eingerichtet. Die Stadt Köln hält ein Interim dagegen wegen fehlender räumlicher, finanzieller und personeller Ressourcen derzeit nicht für umsetzbar.