Kölnerinnen und Kölner berichten von Schließungen, knappen Öffnungszeiten, teuren Schwimmkursen und überfüllten Bädern.
Agrippabad vor dem AusSchwimmer berichten von schwieriger Bäder-Lage in Köln

Das Agrippabad ist derzeit noch geschlossen. Das Gebäude steht sowohl innen als auch außen teilweise unter Denkmalschutz. (Archivbild)
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Dem Agrippabad droht der Abriss. Die Schäden an dem Innenstadtbad sind so gravierend, dass auch ein Neubau geprüft wird. Marode sind vor allem das Dach und die Schrägfassade. Interessenverbände bemängeln, dass das Netz an verfügbaren Schwimmbädern in Deutschland seit Jahren schrumpft. Im Juni könnte ein Zeitplan für das weitere Vorgehen im Agrippabad vorliegen. Klar ist schon jetzt, dass der bisherige Plan hinfällig ist. Diese Redaktion hat mit Kölnerinnen und Kölnern darüber gesprochen, ob Schwimmen gehen für sie noch ein Thema ist und was sie dabei bewegt.
Benedikt Walter
„Ich gehe eigentlich gern ein- bis zweimal die Woche schwimmen, wenn ich es schaffe. Mal mehr, mal weniger, aber zweimal pro Woche ist schon mein Ziel.
Dass das Agrippabad geschlossen ist, merke ich, offen gesagt, sehr. Ich gehe hier im Lentpark gern schwimmen. Seit Anfang des Jahres, als klar wurde, dass das Agrippa schließt, kann man teilweise zwischen 8 und 16 Uhr gar nicht mehr schwimmen, manchmal auch noch länger nicht: Dann ist es einfach so voll.

Benedikt Walter weicht wegen überfüllter Hallenbänder auf Fitnessstudios mit Pool aus.
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Frühschwimmen von 6.30 bis 8 Uhr geht zwar, aber das schaffe ich nicht immer. Ich habe das Glück, dass ich über einen Kumpel eine Plus-eins-Mitgliedschaft bei einem Fitnesspass nutzen kann. Deshalb weiche ich oft auf Fitnessstudios mit Pool aus.“
Baschales und Lina Stavridis
„Wir wohnen in Ossendorf. Das Bad ist ziemlich klein, aber für uns passt es gut. Im Sommer gibt es auch so etwas wie ein kleines Freibad. Das ist schon schön, allerdings oft im Sommer überfüllt. Im Winter finde ich es dann schade, wie wenig Leute dann überhaupt da sind.

Baschales und Lina Stavridis gehen in Ossendorf schwimmen. Wichtig ist ihnen vor allem, dass das Bad sauber ist.
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Meine Tochter ist im Schwimmverein, sie schwimmt einmal pro Woche. Wenn es überfüllt ist, ist das auch doof, aber das wichtigste Kriterium ist für uns die Sauberkeit.“
Marie Colquhoun
„Wir gehen einmal in der Woche schwimmen. Wir wohnen direkt am Lentpark und meine Tochter nimmt noch Schwimmunterricht. Man bekommt kaum noch Schwimmkurse und über private Anbieter sind sie unfassbar teuer.
Mit schließenden Bädern haben wir sonst wenig zu tun. Aber es ist schon so: In den Lentpark kann ich zum Beispiel mit meinem Baby nicht hin, weil es dort unfassbar kalt ist, seit sie die Temperaturen heruntergefahren haben. Es ist in den Räumen so kalt, dass man es richtig merkt, wenn man aus dem Wasser kommt.“
Hans-Jürgen Moritz
„Ich war selbst Rettungsschwimmer bei der DLRG und stelle fest, dass sich die Bäderlandschaft stark verringert hat. Die Städte zahlen wenig, wahrscheinlich können sie auch nicht mehr zahlen.
Ich finde, es ist wichtig, dass die Bäder erhalten bleiben. Beim Schulschwimmen ist das gerade in Rheinnähe entscheidend. Wenn ich auf Köln und Düsseldorf schaue, ist das ein großer Risikobereich. Besonders für die, die wenig Erfahrung mit Wasser, kaum Schwimmausbildung haben, und für die, die nicht die Gefahren des Rheins kennen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Schwimmunterricht forciert wird und die Bäder erhalten bleiben.

Hans-Jürgen Moritz, früher Rettungsschwimmer bei der DLRG, fordert mehr Unterstützung für Bäder und Schulschwimmen in Rheinnähe.
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Ich habe gesehen, dass Container zu Schulen gefahren werden, in denen Schwimmunterricht angeboten wird. Das kann es aus meiner Sicht nicht sein.
Natürlich sehe ich auch die Eltern in der Pflicht, Wassergewöhnung zu machen und mit den Kindern schwimmen zu gehen. Wir von der DLRG haben im Hallenbad mangels Personal während unserer Stunden auch Aufsicht geführt. Das gehört für mich eigentlich in die Hand des Landes und der Städte, das entsprechend zu fördern und zu forcieren. Denn jeder Wassertote ist einer zu viel.“
Bastian Gierling
„Es gibt auf jeden Fall einen großen Bedarf, insbesondere bei Lehr- und Schwimmschulbädern. Wir haben einen riesigen Sanierungsstau. Ältere Bäder kosten im Unterhalt wahnsinnig viel Geld. Viele sind schon geschlossen worden, weil die Kosten zu hoch waren und die Städte es sich nicht mehr leisten konnten. Und Sanierungen dauern sehr lange.
Schwimmbäder haben nicht nur eine Freizeitfunktion, sondern vor allem eine Lernfunktion. Wir haben unseren Kindern beigebracht, dass sie früh schwimmen lernen sollen, am besten noch vor der Einschulung. Das ist wichtig, auch mit Blick auf Sicherheit.“
Jil Wessoly und Denis Stecker
„Wir würden eigentlich sehr gern häufiger schwimmen gehen, wenn es nicht so überfüllt wäre. Ab und zu gehen wir auch in die Therme, aber das ist inzwischen richtig teuer. Auch Hallenbäder sind echt teuer geworden, aber an ihnen wird gespart. Das hat man gemerkt, als die Gaspreise gestiegen sind: Da hieß es dann, ein Hallenbad zu heizen, lohnt sich kaum noch.

Jil Wessoly und Denis Stecker würden gern öfter schwimmen gehen, stoßen aber auf knappe Öffnungszeiten, volle Bäder und hohe Preise.
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Wir haben auch überlegt, morgens zum Frühschwimmen zu gehen. Aber das ist uns dann doch zu früh. Am Ende gehen wir selten: vielleicht alle vier, fünf Monate. Im Sommer mehr, klar.
In der Stadt ist es ohne Auto zusätzlich umständlich: Bus fahren, Handtücher mitschleppen, und man ist hinterher nass. Eigentlich bräuchte man ein Bad direkt in der Nähe.
Mein Partner kommt aus dem Norden, von der Nordsee. Da hast du das Meer und überall Küstenschwimmbäder. Auch wegen Tourismus und Kurorten gibt es da viel mehr Angebote. Wenn wir bei seinen Eltern sind, gehen wir ständig schwimmen, jeden zweiten Tag. Da gibt es auch Naturbecken, das ist oft günstiger.“
Sonja N.
„Ich komme aus Longerich. Früher hatten wir das Friedrich-Karl-Bad, das ist zugunsten der Grundschule abgerissen worden, aber einen adäquaten Ersatz gibt es nicht. Es gibt eins in Chorweiler, das war in meiner Kindheit neu, heute ist das so abgeranzt, da mag ich nicht mehr hineingehen. Und Ossendorf, aber das ist auch nicht so groß.
Ich würde eigentlich gern mehr schwimmen gehen, tue es aber nicht. Super schade finde ich, dass es im Sommer so wenig Freibäder gibt. Da bleibt eigentlich nur der Lentpark. Meine Cousinen auf dem Land haben in jedem Dorf ein Freibad. Das kann nicht viel, aber der Eintritt ist günstig. Da geht man dann zwei-, dreimal die Woche hin. Für das nächstgelegene Freibad müsste ich nach Dormagen fahren, weil ich im Kölner Nordwesten wohne. Freibäder fehlen in der Bäderlandschaft.
Ich finde auch schlimm, dass das Schulschwimmen so darunter leidet. Ich war als Kind zum Schulschwimmen im Agrippabad. Später sind meine Kinder nach Chorweiler oder ins Agrippabad oder in den Lentpark, je nachdem. Aber es fiel oft aus, und durch Corona ging gar nichts. Da würde ich mir mehr Bäder wünschen, vor allem auch für kleines Geld.“
