Aggressive Crack-Süchtige machten den Kindern Angst, sagen Eltern. Die KVB hat bereits stärkere Kontrollen in den ersten Schultagen zugesagt.
„Brandbrief“ zum SchulstartCrack-Szene in Köln macht Kindern Angst – Eltern fordern Lösung

Der Zugang zur Bahnstation am Friesenplatz ist ein Schulweg der Kinder, die die Königin-Luisen-Schule in der Innenstadt besuchen.
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Eltern von vier Innenstadt-Schulen haben einen „Brandbrief“ an den Oberbürgermeister und den Stadtrat geschrieben, weil der Drogenkonsum, den ihre Kinder auf dem Schulweg sehen, „unerträglich“ sei. Darin heißt es: „Täglich sind sie mit dem Anblick von Drogensüchtigen konfrontiert, die offen konsumieren, die schlafend in den Wegen liegen, die sichtbar und ungestört mit Drogen handeln.“ Die Eltern fordern eine langfristige Strategie mit klaren Regelungen zum nachhaltigen Schutz der Schulwege im Umfeld der Kölner Innenstadtschulen.
Am Freitag reagierte die Stadtverwaltung auf Anfrage nicht auf den Brief. Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) kündigten hingegen an: „Wir werden unsere Aktivitäten am Hansaring und am Friesenplatz noch einmal verstärken und haben bereits heute veranlasst, dass die Streifen ab Schulbeginn am Mittwoch kommender Woche in der Zeit von 7.30 bis 9 Uhr und zum Schulende am Mittag an diesen beiden Orten schwerpunktmäßig präsent sein und kontrollieren werden.“ Das gelte zunächst für 14 Tage und gegebenenfalls auch mit Einschränkungen, da ein großer Teil der Mitarbeitenden aus dem Bereich Sicherheit und Service derzeit durch andere Aufgaben in Verbindung mit Baumaßnahmen und Trennungen gebunden sei.
In dem offenen Brief prangern Eltern und Schulpflegschaftsvorsitzende der Königin-Luise-Schule, Realschule am Rhein, Hansa-Gymnasium und Freinet-Schule an: „Auch hygienisch herrschen erhebliche Missstände, da die Wege an menschlichen Ausscheidungen wie Urin, Kot, Erbrochenem und Blut sowie an offen herumliegenden Konsumutensilien wie Alufolien vorbeiführen.“ Gerade Kinder, die mit der KVB zur Schule fahren, begegneten an den Haltestellen Friesenplatz und Hansaring zu jeder Tageszeit Süchtigen, teilweise führten Schulwege durch Crack-Wolken, etwa in den Aufzügen am Hansaring. Die Redaktion berichtete im Juni von einem Vater, der erzählte, wie er seinen Kinderwagen durch Drogennebel schieben musste, um den Aufzug an der Haltestelle Hansaring zu nutzen.
Hinter dem Brief steht unter anderem der Schulpflegschaftsvorsitzende der Königin-Luisen-Schule, Klaus Holtmann. Er sagt: „Viele Erwachsene wollen nicht einmal am Hansaring oder Friesenplatz aussteigen, die Kinder müssen da jeden Tag durch.“ Auf die Problematik will er bewusst vor Beginn des neuen Schuljahres hinweisen: „Für neue Fünftklässler ist das die ersten Wochen richtig schlimm, sie sind ja erst zehn Jahre alt. Die Crack-Süchtigen sind laut und aggressiv, sie machen den Kindern Angst.“

Klaus Holtmann und Antje Krumm sind Initiatoren des offenen Briefs zur Drogenproblematik auf den Schulwegen in der Kölner Innenstadt.
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Holtmann hat einen Sohn in der siebten Klasse und eine Tochter in der zehnten auf dem Gymnasium und sagt: „Die Kinder sollen in der Schule Regeln lernen, sich an Gesetze halten. Und direkt vor der Schule sehen sie, wie sich an keine Gesetze gehalten und das auch nicht sanktioniert wird.“ Zwar sehe er schon, dass Polizei und Ordnungsamt mehr vor Ort seien als früher, er sagt aber: „Wenn am Friesenplatz Polizei ist, werden die Süchtigen weggedrückt an den Hansaring.“
Innenstadt-Schule holt Kinder auf Bahnsteig ab
Seit die Königin-Luise-Schule in den Osterferien 2025 öffentlich auf die Drogenszene im Umfeld ihrer Gebäude aufmerksam gemacht hat, habe sich die Lage nach Einschätzung von Schulleiterin Ute Flink spürbar verändert. „Vielen Akteuren in der Stadt ist damals bewusst geworden, welche Auswirkungen das auf unseren Schulalltag hat“, sagt sie. „Seitdem hat sich die Situation im direkten Bereich unserer zwei Gebäude deutlich gebessert.“ Dazu beigetragen hätten regelmäßige Streifgänge von Polizei, Ordnungsamt und KVB.

Eltern dieser vier Schulen haben einen offenen Brief an die Stadt und den Rat geschrieben.
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Ganz gelöst ist das Problem aus Sicht der Schulleiterin allerdings nicht. In den vergangenen Osterferien habe es erneut einen Rückschlag gegeben, vermutlich im Zusammenhang mit der Verdrängung der Drogenszene am Neumarkt. Daraufhin seien die Anstrengungen der Beteiligten wieder verstärkt worden – auch Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) habe sich aktiv eingebracht. Weiteren Handlungsbedarf sieht Flink vor allem rund um die KVB-Haltestelle Friesenplatz. Deshalb werde die Schule auch in diesem Jahr zu Beginn des Schuljahres zusätzliche Unterstützung organisieren: „Aus diesem Grund werden auch in diesem Jahr in den ersten Schultagen Lehrkräfte der Schule die neuen Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen auf dem Weg zwischen Haltestelle und Schule begleiten.“
Unmittelbar neben der Station Hansaring liegt das Hansa-Gymnasium, das die beiden Kinder von Antje Krumm besuchen. Auch sie hat den Brief unterzeichnet. Krumm sagt: „Wenn man die Kinder befragt, die auf eine der Innenstadt-Schulen gehen, haben sie alle erschütternde Geschichten zu erzählen: Dass sie unangenehm angesprochen und angebettelt werden und manchmal so überfordert sind, dass sie ihr ganzes Taschengeld hergeben.“
Sie berichtet: „Viele Eltern an meiner Schule sagen ihren Kindern möglichst bei jedem Wetter: Fahrt Fahrrad, geht zu Fuß, und lieber nicht in die Bahnstation. Das kann aber doch keine Lösung sein, in einer Stadt wie Köln, dass man die Kinder vom Bahnfahren abhalten will.“Die Kinder kämen in die fünfte Klasse und seien ganz stolz, dass sie ihren Schulweg allein gehen und jetzt allein Bahn fahren dürften. „Dann sind sie aber mit der Drogenszene konfrontiert und fühlen sich nicht mehr sicher. Es vermittelt ihnen ein komisches Gefühl, dass da keine Erwachsenen kommen und den Menschen helfen.“
KVB erklärt Maßnahmen an den Innenstadt-Haltestellen
Die Eltern forderten daher, den Zugang zu den Bahnstationen auf Ticketinhaber zu beschränken. Die KVB teilte am Freitag mit: „Die Zahl der randständigen Personen, die sich in den Haltestellen der KVB aufhalten, hat sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht.“ Daher gebe es seit März 2025 die „kooperative Streife“ aus Einsatzkräften der Polizei, des Ordnungsamtes und KVB‑Mitarbeitenden. „Um der sich zuspitzenden Situation Rechnung zu tragen“, arbeiteten seit Anfang 2026 auch die Sicherheits- und Servicemitarbeiter nach neuem Konzept, die Haltestellen Hansaring und Friesenplatz stünden im Fokus. Sie würden zudem mindestens dreimal am Tag gereinigt, teils häufiger.
Die Stadt Köln reagiert auf die zunehmend offene Drogenszene zum einen mit verstärkten Kontrollen im öffentlichen Raum. Die einzige bisher angestrebte Lösung ist ein geplantes Suchthilfezentrum am Perlengraben im Pantaleonsviertel. Das vom Rat beschlossene Zentrum soll, wie berichtet, erst im August 2027 eröffnen. Sowohl Initiativen, die das Zentrum unterstützen, als auch solche, die es nicht im Pantaleonsviertel haben wollen, fordern aber eine schnellere Lösung für suchtkranke Menschen in der Innenstadt. Ein Interim lehnt die Stadt bislang ab – mit Verweis auf fehlende Räume, Geld und Personal.
Lösungsansätze der Stadt reichen Eltern nicht
Vater und Elternvertreter Klaus Holtmann greift das ebenfalls nicht schnell und auch nicht weit genug: „Die Situation ist nicht mehr haltbar. Keiner hat ein großes Konzept, auch ein künftiges Suchthilfezentrum löst das Grundproblem nicht, unter dem jetzt schon unsere Kinder leiden.“
Im offenen Brief verweisen die Eltern auf das Gesetz, das den Konsum von Cannabis im öffentlichen Raum auf Spielplätzen, in Kinder- und Jugendeinrichtungen und in deren Sichtweite verbietet. Auch darf es im Umkreis von 350 Metern Luftlinie zu Schulen sowie Kinder- und Jugendeinrichtungen keine Spielhallen geben. „Wenn Kinder und Jugendliche durch gesetzliche Regelungen vor Cannabis und Glücksspiel geschützt werden sollen, müssen Kinder erst recht davor geschützt werden, dass illegale harte Drogen wie Crack und Heroin im direkten Umfeld der Schulen konsumiert werden.“ Dazu zählen die Eltern auch Einrichtungen, „die zwangsläufig Anlaufstellen für die offene Drogenszene sind, wie etwa Arztpraxen, die substitutionsgestützte Behandlung von Opioidabhängigen durchführen (Methadonabgabestellen) sowie Suchthilfezentren mit Drogenkonsumräumen“.
Auch die IHK-Präsidentin Nicole Grünewald meldete sich am Freitag mit Blick auf die Crack-Szene in er Stadt zu Wort: „Wir haben in der Kölner Innenstadt eine Lage, die ist nicht mehr hinnehmbar.“ Wenn Familien ihre Kinder nicht mehr bedenkenlos in Innenstadt-Schulen schicken könnten und wenn Händler morgens nicht mehr ihre eigenen Geschäfte betreten könnten, weil sie von Suchtkranken blockiert sind, dann seien gleich mehrere rote Linien überschritten.
Köln könne es sich nicht leisten, nur auf das neue Suchthilfezentrum am Neumarkt zu warten. Es brauche mehr Ordnungspräsenz am Neumarkt und am Friesenplatz, um das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken. „Wir brauchen schnelle Lösungen, das darf nun nicht Jahre dauern“, sagte die IHK‑Präsidentin. Den Polizeichef nimmt sie ausdrücklich von der Kritik aus. Johannes Hermanns mache einen ausgezeichneten Job, aber Köln müsse konsequenter vorgehen, um die Situation zu ändern. Es gebe keine Grundrecht darauf, auf öffentlichen Plätzen zu campieren. Die Stadt müsse kurzfristig und dezernatsübergreifend reagieren. Wenn die Menschen sich tagsüber in der Innenstadt nicht mehr unbeschwert aufhalten können, dann strahle das auf den gesamten Kölner Standort negativ aus.