Die Tafel ist Teil des Projekts Frauen-Orte NRW, das die Geschichte von bedeutenden Frauen im öffentlichen Raum sichtbar machen möchte.
„Frauen-Ort“Gedenktafel erinnert an Kölner Frauenrechtlerin Mathilde von Mevissen

Gabriele Pollmann, Mitglied des Vorstandes Frauenrat NRW, der Kölner Regierungspräsident Gregor Lange (M.) und Ulrich S. Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs zu Köln, bei der Einweihung der Gedenktafel
Copyright: Arton Krasniqi
Eine Gedenktafel an der Zeughausstraße 2 erinnert nun an die Kölner Frauenrechtlerin Mathilde von Mevissen. Die 1848 geborene Tochter des Unternehmers Gustav von Mevissen gründete in Köln das erste Mädchengymnasium in ganz Preußen, setzte sich für das Wahlrecht von Frauen ein und unterstützte Studentinnen.
Die nun enthüllte Gedenktafel ist Teil der Initiative Frauen-Orte NRW, die in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 60 solcher Erinnerungsorte ins Leben gerufen hat. Es gehe darum zu zeigen, dass Geschichte nicht nur von Männern geschrieben werde, so Projektleiterin Saskia Bellem: „Es geht um Gerechtigkeit.“
Mathilde von Mevissen setzte sich für die Bildung von Mädchen und jungen Frauen ein
Das kleine Schild zeigt ein Foto von Mevissens und die wichtigsten Informationen zu ihrem Wirken. Es befindet sich an einem Gebäude der Bezirksregierung gegenüber dem Zeughaus. An dieser Stelle stand früher die Villa von Gustav von Mevissen, in der Mathilde bis zu ihrem Tod 1924 lebte. „Er war ziemlich hart gegenüber seinen Töchtern“, so Ulrich S. Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs, der den Vorschlag für den Frauen-Ort machte.

Die neue Gedenktafel für Mathilde von Mevissen am Gebäude der Bezirksregierung Köln
Copyright: Arton Krasniqi
Zwar besaß der Unternehmer eine Privatbibliothek mit 25.000 Bänden, doch seine fünf Töchter hatten keinen Zugang dazu. Eine „höhere Bildung“ war für sie nicht vorgesehen. Doch Mathilde las heimlich und entschloss sich mit 41 Jahren, die Bildung für Mädchen und junge Frauen zu fördern. Sie gründete eine Handelsschule für Mädchen, eine Rechtsberatung für Frauen und 1903 das erste Mädchengymnasium. „Einer unendlichen Geduld bedurfte es, nicht nur ihre nächste Umgebung für ihre Pläne zu erwärmen, sondern auch den passiven Widerstand ihres eigenen Geschlechts zu überwinden“, schrieb die „Kölnische Zeitung“, als sie starb.
Mehr Straßen und Plätze nach Männern als nach Frauen benannt
Laut Gabriele Pollmann vom Frauenrat NRW sind in Köln rund 1600 Straßen, Wege und Plätze nach Männern benannt, aber nur rund 200 nach Frauen: „Frauen, die unsere Gesellschaft und demokratischen Rechte entschieden mitgestaltet haben, kommen in der öffentlichen Erinnerung als Randerscheinung vor.“ Regierungspräsident Gregor Lange nannte die Infotafel ein „Zeichen der Anerkennung und einen Auftrag für die Zukunft“: „Jede Generation hat zu jeder Zeit die Aufgabe, das zu schützen, was an Gleichheits- und Freiheitsrechten in unserem Land da ist.“
Weitere Frauen-Orte erinnern in Köln an Freya von Moltke als Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und Fygen Lutzenkirchen, die im Mittelalter als Seidenunternehmerin tätig war.