Abo

Nach 14 Jahren SanierungDeshalb brauchen die Kölner Bühnen Brandwachen

5 min
Die Baustelle an der Oper wird abgebaut. Die Container werden mit einem Kran verladen und sind mittlerweile verschwunden.

Die Baustelle an der Oper wird abgebaut. Die Container werden mit einem Kran verladen und sind mittlerweile verschwunden. 

Auf den letzten Metern vor der Eröffnung sucht die Stadt Köln Brandwachen für die Bühnen. Warum braucht es sie nach der Sanierung? Ein Überblick.

Weniger als zwei Monate vor der geplanten offiziellen Eröffnung der städtischen Kölner Bühnen am 24. September sucht die Stadt Köln noch für die nächsten vier Jahre Brandsicherheitswachen. In der Ausschreibung heißt es sogar, dass der Vertrag „systemrelevant für die Wiedereröffnung“ ist. Es geht um 823 Aufführungen jährlich. Jede von ihnen wird laut Stadt von zwei bis drei dieser Sicherheitsexperten begleitet.

Aber warum braucht es diese Experten nach einer erfolgreichen Sanierung? Der Brandschutz sollte durch die Sanierung für 798,6 Millionen Euro verbessert werden, hatte aber während des Baus viele Probleme bereitet (wir berichteten).

Stadt: Kein Zusammenhang zwischen Brandwachen und Sanierung

Die Verwaltung versichert: „Zwischen dem Einsatz der Brandwachen zur kommenden Spielzeit sowie der aktuell noch laufenden Sanierung besteht kein Zusammenhang.“ Die Stadt verweist auf die Gesetzeslage: Demnach sind solche Brandwachen laut Paragraf 41 der Verordnung über Bau und Betrieb von Sonderbauten vorgeschrieben.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit 2012 werden Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleines Haus saniert und gebaut. Warum sucht die Stadt Köln so kurz vor der Eröffnung Brandsicherheitswachen, wenn sie doch gesetzlich vorgeschrieben sind und systemrelevant sind?

Die Stadt sagt: Spielbetrieb und Feuerwehr mussten sich lange miteinander abstimmen. Das lag demnach an den hohen Anforderungen in der denkmalgeschützten Oper und dem ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Schauspielhaus. Das habe mehr Zeit in Anspruch genommen. „Das rührt auch daher, dass wenig bis keine Erfahrungen mit dem Spielbetrieb in den neuen Häusern vorliegen und sich seit dem Beginn der Sanierung die Vorschriften für den Einsatz von Brandwachen angepasst haben.“

Da die Zeit drängt, verzichtet die Stadt auf die übliche Frist von 35 Tagen bei der Firmensuche. In der Ausschreibung werden sonst massive negative Konsequenzen genannt: „Um einen Stillstand der Baustelle und erhebliche wirtschaftliche sowie kulturelle Schäden für die Bühnen der Stadt Köln beziehungsweise die Stadtverwaltung Köln abzuwenden, ist eine Beschleunigung des Vergabeverfahrens zwingend nötig.“

Hat die Stadt mittlerweile eine Firma gefunden?

Nein. Die Frist, um ein Angebot einzureichen, lief am 1. Juli ab. Danach folgen üblicherweise die Verhandlungen mit interessierten Firmen.

Was heißt das für die Eröffnung?

Laut den Verantwortlichen: nichts. Sie teilen knapp zwei Monate vor der Eröffnung mit: „Die Bühnen sind zuversichtlich, dass eine Firma auf die Ausschreibung hin gefunden wird.“ Die Firma soll laut Ausschreibung am 1. September beginnen. 

Der Überblick über die vier Bühnen am Offenbachplatz.

Der Überblick über die vier Bühnen am Offenbachplatz.

Braucht sie die Brandschutzwachen möglicherweise, um Probleme mit dem Brandschutz zu kompensieren?

Die Stadt sagt: Nein. Ihrer Aussage nach sind im Regelfall nicht mehr Brandschutzwachen als die üblichen zwei Menschen vorgesehen.

Was machen Brandsicherheitswachen überhaupt?

Sie haben mehrere Aufgaben, das geht aus einem Merkblatt der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes hervor. Dazu zählt die frühzeitige Erkennung einer Brandgefahr beziehungsweise eines Brandes. Oder die frühzeitige Erkennung sonstiger Gefahren wie eine Gesundheitsgefährdung der Besucher, panikartiges Verhalten oder die unverzügliche Einleitung von Maßnahmen zum Schutz der Besucher. Und: Die Brandwache soll Einsatzkräfte alarmieren.

Um wie viele Vorstellungen geht es?

Insgesamt um 823 jährlich und damit knapp 3300 in vier Jahren. 50 Prozent davon verwenden Pyrotechnik, und es braucht drei statt zwei Wachen. Laut Ulrich Montag, Prüfingenieur für Brandschutz und geschäftsführender Gesellschafter der Bochumer Ingenieurgesellschaft Krätzig & Partner, ist das im Rahmen. Die jährlich 823 Aufführungen teilen sich wie folgt auf: Oper 192, Schauspielhaus 216, Kleines Haus 218, Depot 2 (Standort Schauspiel) 96 und Kinderoper 101.

Jahrelang spielte die Oper im Staatenhaus, das Schauspiel im Depot. Gab es dort auch die Brandwachen?

Ja. Die Stadt teilt mit: „Das Verfahren wurde auch in den bisherigen Interimsspielstätten angewendet und für die Spielstätten am Offenbachplatz müssen diese neu ausgeschrieben werden.“

Warum sucht die Stadt überhaupt eine Firma? Kann das nicht die städtische Feuerwehr machen?

Das ist laut des Experten nicht ungewöhnlich. Ulrich Montag sagt: „Die Durchführung der Brandsicherheitswachen durch die Feuerwehr ist heute – bei der Personalsituation der Feuerwehren ­– eher unüblich.“

Was sollen die Brandwachen für vier Jahre kosten?

Dazu äußert die Stadt sich nicht konkret, sie äußert sich aber mit Blick auf den Schwellenwert, ab dem sie wie in diesem Fall europaweit ausschreibt. Der liegt bei 216.000 Euro.


Der Sachstand auf der Baustelle

Laut einer Stadtsprecherin gibt es derzeit keine Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass die Bühnen nicht wie geplant am 24. September mit einem Festakt eröffnet werden. Demnach haben die sogenannten Wirkprinzipprüfungen offenbar keine wesentlichen Probleme mit Blick auf die Eröffnung  gebracht.

Dabei testeten Experten, ob etwa im Brandfall die sicherheitsrelevanten Anlagen zusammenspielen, etwa die Brandmeldeanlage und die Lüftung. Projektleiter Jürgen Marc Volm hatte Anfang Mai mit Blick auf die Terminschiene von einer „anspruchsvollen, aber lösbaren Aufgabe“ gesprochen.

Projektleiter Jürgen Marc Volm in der Oper.

Projektleiter Jürgen Marc Volm in der Oper.

Seit 2012 hat die Stadt Oper, Schauspiel, Kleines Haus und Kinderoper saniert und neu gebaut. Planung und Bau dauerten statt drei insgesamt 14 Jahre, weil es Probleme mit der Technik gab. Laut eigener Aussage mussten die Bühnen die Pläne fast komplett erneuern und den Baubetrieb mehr oder weniger bis auf wenige Ausnahmen einstellen. Die Kosten von 253 Millionen Euro explodierten auf 798,6 Millionen Euro.

Nimmt man die Ausgaben für die Ausweichspielstätten während der Sanierung und die Finanzierung der Baukosten hinzu, kostet das Projekt rund 1,465 Milliarden Euro. (mhe)