Abo

Wallraf-Richartz-Museum„Kunstspäti“ lud zum Meme-Kreieren nach mittelalterlicher Kunst ein

Lesezeit 3 Minuten
Witzige Text-Bild-Kombinationen, so genannte „Memes“, schufen die Teilnehmer beim „Kunstspäti“ im WRM.

Witzige Text-Bild-Kombinationen, so genannte „Memes“, schufen die Teilnehmer beim „Kunstspäti“ im WRM.

Das DJ-Duo „Swim“, Führungen durch das Museum sowie ein Speeddating sorgten bei der Kunstspäti-Veranstaltung für beste Unterhaltung.

Das Kundengedrängel vor dem Laden eines internationalen Elektronikkonzerns erinnert den 19-jährigen Nick an einen Ausschnitt aus Stefan Lochners berühmtem spätgotischen Altargemälde „Das Weltgericht“. Ein postkartengroßer Ausschnitt als Vorgabe zeigt verstorbene Seelen, die Einlass in den Himmel begehren, Pförtner Petrus wirkt wie ein überforderter Türsteher.

Nick gehört zu den Besuchern der Kunstspäti-Veranstaltung „What do you meme?“ im Wallraf-Richartz-Museum (WRM), die der Einladung gefolgt sind, sich von der mittelalterlichen Sammlung zu eigenen kreativen Memes inspirieren zu lassen. Ein Meme, ausgesprochen „miem“, ist ein digitales Bildformat im Internet, das zusammen mit einem kurzen Text einen witzigen Kommentar zum heutigen Leben ergibt. Die Idee zu dem kreativen Mitmach-Abend kommt von der Gruppe „jungekunstfreunde“ im Förderverein der beiden Museen Wallraf-Richartz und Ludwig.

Das Tuch der Veronika als rabattierter Merchandise-Artikel

Einige Beispiele, wie ein eigenes Meme gelingen könnte, haben die Kunstfreunde vorgegeben: „Ich, wie ich ein halbes Plagiat als Hausarbeit abgebe“ lassen sie Petrus, der eine dicke Bibel-Schwarte hält, bekennen. Ein Taufbecken voller Menschen verschiedener gesellschaftlicher Stände hat an die „Erstifahrt an der Uni“ erinnert. „When they say „dress casual", (wenn es heißt, komm in legerer Kleidung) wird das prunkvolle Ornat eines Bischofs kommentiert.

Das Tuch der Veronika, auf dem Jesus beim Gang zur Kreuzigung einen Schweißabdruck seines Gesichts hinterließ, wird als rabattierter Merchandise-Artikel deklariert. Ein pausbäckiger Engel, der die Hände faltet, reagiert auf die Ankündigung „wenn sie sagen, es gibt Kuchen“. Frech ist der Spruch zum Kniefall eines der Heiligen Drei Könige vor dem neugeborenen Jesuskind: „When you have to pretend the baby is cute“ (Wenn du so tun musst, als wäre das Baby niedlich).

DJ-Duo, Wallraf-Quiz und Meme-Speeddating

Nick hat sich für Konsumkritik gegen „überteuertes Plastik“ entschieden. Deshalb hat er ein Konzern-Logo, den angebissenen Apfel, übers Himmelspötzje gezeichnet, wo in Lochners Original das Kreuz prangt. An der Fotostation war Gelegenheit, die eigene Kreation abzulichten und unter dem Hashtag #Kunstspäti ins Internet zu stellen.

Das DJ-Duo „Swim“ legte den Abend über House auf. Im Viertelstundentakt gingen Führungen durch das Museum, unter anderem zum Medium Tafelbild, den Memes, die schon mittelalterliche Künstler kannten, oder zu Moden in der Zeit vor 600 Jahren. Wer im Wallraf-Quiz das richtige Lösungswort fand, hatte Chancen auf Gewinne. Ein Meme-Speeddating brachte Schöpfer der digitalen Bildwitze in Austausch. Der nächste „Kunstspäti“ findet am Donnerstag, 18. April, 18 Uhr, ebenfalls im Wallraf-Richartz-Museum zum Impressionismus statt.


Wer und warum

Die „jungekunstfreunde“ sind rund 500 junge Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und des Museum Ludwig bis 28 Jahren. Köln verfüge über eine unvergleichliche Kunstlandschaft, in der sie Kunst und Kultur avantgardistisch, zeitbezogen und kritisch zeigen wollen.

Rundschau abonnieren