Interview mit Jeremias„Köln war so lieb zu uns“ – Exklusivkonzert für Fans

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Die Band Jeremias steht vor einer weißen Wand.

„Von Wind und Anonymität“ heißt das neue Album von Jeremias: Oliver Sparkuhle, Jonas Hermann, Jeremias Heimbach und Ben Hoffmann (v.l.).

Die Pop-Band Jeremias will sich sich bei ihren Fans in Köln bedanken und erklärt, warum ihr steiler Weg nach oben Spuren hinterlassen hat.

Nach ihrem Debütalbum feierte Jeremias eine ausverkaufte Tour und millionenfache Streams. Warum das Spuren hinterlassen hat, erklärten Sänger Jeremias Heimbach und Gitarrist Oliver Sparkuhle im Gespräch mit Lia Gasch.

„Vier Jahre ohne Pause, manchmal will ich nach Haus“, heißt es in einem der neuen Songs. Klingt als wäre euer schneller Karrierestart nicht nur euphorisch gewesen.

Heimbach: Es ist alles mit Arbeit verbunden, das kann man definitiv sagen.

Sparkuhle: Man opfert immer etwas. Wenn die Tour startet, sagst du deinen lieben Menschen Tschüss und bist einen Monat raus aus deinem Freundeskreis.

Hat euch das auf dem neuen Album „Von Wind und Anonymität“ besonders beschäftigt?

Heimbach: Wir haben in den letzten Jahren unglaublich viel live gespielt. Das war für uns auch immer der Fokus. Letztes Jahr sind wir an einen Punkt gekommen, wo die Freude ein bisschen verschwunden war. Das ist ein großer Schwerpunkt des Albums geworden. Wir haben die Freude jetzt wieder und an sehr vielen Schrauben gedreht, damit wir das, was wir machen dürfen, wieder mit Leichtigkeit tun.

Was habt ihr genau dafür getan?

Sparkuhle: Wenn man kein Augenmerk darauf hat, haben wir gemerkt, dass man sich ein bisschen voneinander entfernt. Wir machen deshalb Check-In-Runden. Vor oder nach der Show setzen wir uns in einen Kreis und dann geht ein fiktiver Redestein rum (lacht). Dabei können alle ihr Herz ausschütten. Das bringt einen näher zusammen. Mit so einer Energie auf die Bühne zu gehen, ist was ganz anderes als mit einem „Scheiße, nicht schon wieder“.

Auch den Umzug von Frontmann Jeremias nach Berlin thematisiert ihr auf dem Album.

Heimbach: In Hannover konnte ich persönlich nicht mehr entspannt in eine Kneipe gehen. In Berlin ist das Gegenteil der Fall. Das war total erfrischend. Ich bin lieber frei und unsichtbar. Das kann die ersten Monate in Berlin einschüchternd sein, für mich war’s aber eher befreiend.

Mit einem Chor hebt sich „97“ von den anderen Songs ab. Er klingt außerdem liebevoll und nach Zuversicht. Was steckt dahinter?

Heimbach: Bei 97 war der liebe Knabenchor Hannover am Werk. Darin habe ich selbst jahrelang gesungen. Es ist ein Song für Jonas, unseren Schlagzeuger. Den Song gab es ursprünglich mit einem anderen Text und ich war im Studio, um ihn einzusingen. Das war eine Woche vor unserer einwöchigen Reise nach Fuerteventura, wo wir mit einem großen Team alles für die Album-Kampagne machen wollten. Da hat Jonas mir geschrieben, dass er das nicht schaffen wird, weil es ihm einfach nicht gut geht. Daraufhin haben wir die Reise abgesagt und es wurde klar, dass es Jonas wirklich nicht gut ging. Deshalb habe ich diesen Text für ihn geschrieben.

Schreibt hauptsächlich Jeremias eure Texte?

Sparkuhle: Der Prozess ist zwar immer anders, aber es gibt immer einen Text von Jere und dann die Arbeit zu viert an der Musik.

Viele eurer Texte klingen nach ganzen Gedichten. Legt ihr bewusst Wert darauf?

Sparkuhle: Jere sagt immer das, was er gerade zu sagen hat. Er macht das auf so eine schöne Art. Ich habe früher nie deutschsprachige Musik gehört, aber als ich Jere kennengelernt hab, mochte ich sie auf einmal. Wie auch immer er es macht, haben die Texte einfach so einen großen Gehalt.

Eure Songs durftet ihr 2021 sogar schon in der Kölner Philharmonie spielen. Wie war das?

Sparkuhle: Es war eine wunderschöne Erfahrung mit einem Orchester auf der Bühne zu stehen, in dem alle unfassbar kompetent mit ihren Instrumenten sind. Diese Pop-Songs, die wir zu viert in unserem Proberaum geschrieben haben, in einem riesigen Saal, der akustisch richtig reich klingt zu spielen, vergisst man einfach nicht - so klischeehaft es klingt. Es war ein Livestream und wird auf YouTube immer noch oft geschaut. Wir sind da mit kleinen Erwartungen dran und plötzlich war es doch ein riesen Ding für uns und das ist es bis heute.

Ihr seid neben einer normalen Tour auch auf einer intimeren Akustik-Tour mit nur zwei Terminen. Einer davon ist der 29. November in Köln. Wie kam euch diese Idee?

Heimbach: Auf Fuerteventura hatten wir nicht so viele Instrumente und dabei kamen minimalistische Versionen der Songs raus, sehr akustisch und nah. Das wollten wir den Leuten nicht vorenthalten. Es ist schön mit einer Vollproduktion, Trucks und Nightlinern im Palladium zu spielen, aber es auch schön sein kann mit Akustik-Gitarre und Klavier vor 200 Leuten zu spielen.

Und warum neben eurer Heimatstadt nur in Köln?

Sparkuhle: Köln war immer gut zu uns.

Heimbach: Die Show im Palladium war die erste, die ausverkauft war. Wir wollten den Leuten etwas zurückgeben, weil sie so lieb zu uns waren.


Tickets

Das Kölner Konzert im Palladium am 23. September ist bereits ausverkauft. Karten für das Akustik-Konzert von Jeremias am 29. November im Gloria gibt es nur in einem Fan-Paket. Zu dem Ticket gehört deshalb auch eine CD oder eine Vinylplatte. Die Preise bewegen sich zwischen rund 50 und 59 Euro. 

Zur Band

Mit millionenfachen Streams und einer ausverkauften Tour legte Jeremias nach ihrem Debütalbum vor zwei Jahren einen steilen Karrierestart hin. Als Vorgruppe von Rapper Cro wuchs die Bekanntheit der Indie-Pop- Band aus Hannover im letzten Jahr weiter. Mitglieder sind Sänger Jeremias Heimbach, Gitarrist Oliver Sparkuhle, Bassist Ben Hoffmann und Drummer Jonas Hermann.

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