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Neueröffnung auf dem MauritiussteinwegBuchhandlung „Maurits“ setzt auf Literatur-Klassiker

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Große Literatur ja, Elfenbeinturm nein: Uli Ormanns (l.) und Burkhard Schirdewahn werden sich auch nach den Wünschen der Kunden richten.

Große Literatur ja, Elfenbeinturm nein: Uli Ormanns (l.) und Burkhard Schirdewahn werden sich auch nach den Wünschen der Kunden richten.

Uli Ormanns eröffnet die Buchhandlung „Maurits“ in Köln. Das Konzept umfasst Lesungen, Konzerte und besondere Literaturstücke.

Über dem Eingang des Ladenlokals Mauritiussteinweg 72 steht in leuchtenden, geschwungenen Lettern „Kultur“, das früher einmal vorgesetzte „Wäsche-“ hat jemand weggeschrubbt, es ist gerade noch zu erkennen. Wo vorher feinste Bettwäsche und Heimtextilien verkauft wurden, ist kürzlich eine Buchhandlung eingezogen: „Ob der Schriftzug erhalten bleibt, weiß ich noch nicht, die Buchhandlung soll jedenfalls ,Maurits‘ heißen“, erzählt der neue Inhaber Uli Ormanns.

Unabhängig vom Schriftzug über der Tür wird die Kultur hier weiter ein Zuhause haben, so viel steht fest. Das Schaufenster beherrscht am Eröffnungstag ein großes Ganzkörperporträt von Rainer Maria Rilke, der vor 100 Jahren starb. Im erweiterten Eingangsbereich gewahrt der Besucher Schriften von James Joyce, Marcel Proust, Franz Kafka, und Arno Schmidt. Die Schwergewichte der Literaturgeschichte also, Fehlanzeige hingegen bei Dark Romance, Romantasy, Drachen, den aktuellen Trends also. Hier traut sich offensichtlich jemand zu, den harten Weg zu gehen.

Buchhändler sieht Chancen für kleine Läden

„Ach was“, winkt Uli Ormanns ab, „die kleinen, inhabergeführten Buchläden haben in großen Städten immer eine Chance. In Köln gibt es in jedem Veedel noch einen.“ Nur mittelgroße Läden hätten Probleme, sagt der Buchhändler, der seit über 40 Jahren im Geschäft ist und seit 1998 die Agnes‑Buchhandlung im gleichnamigen Viertel führt. Fünfmal erhielt er bereits den Deutschen Buchhandlungspreis – auch in diesem Jahr.

Kleine Buchläden schließen oft, weil Inhaber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolge finden, sagt Ormanns. So wurde die Ehrenfelder Buchhandlung „Bunt“ nach dem Ausscheiden eines Betreibers an Thalia verkauft. Mitkompagnon Burkhard Schirdewahn arbeitet nun im „Maurits“ mit, das Ormanns als seinen „Alterssitz“ sieht: „Die Agnes-Buchhandlung übernimmt nun eine jüngere Nachfolgerin. Wir haben derzeit neun Mitarbeiter, das ist mir etwas zu groß geworden“, sagt der 56‑Jährige.

Im „Maurits“ soll sich das Konzept nach und nach entwickeln. Lesungen und kleine Konzerte sind geplant, ein Klavier steht bereit. Auch Ausstellungen sind möglich. Für Gäste, die Zeit mitbringen, gibt es ein Schachbrett mit Tisch und Stühlen. Im hinteren Bereich stehen ein Plattenspieler und Vinyl, im ganzen Laden finden sich Bücher und Jazz‑Fotos – vielleicht werden später sogar Platten verkauft.

In den Regalen liegen ausgewählte Kinderbücher, Graphic Novels und aktuelle Titel von Kehlmann, Stanišić oder Haas. „Ein Elfenbeinturm soll das nicht werden, und wir können selbstverständlich alles Gewünschte online für den nächsten Tag bestellen“, sagt Uli Ormanns. „Die Kunden entscheiden, was daraus wird.“ Für Literaturfans gibt es zudem besondere Stücke aus dem Familienarchiv: etwa Erstausgaben von Musils „Mann ohne Eigenschaften“ oder Kafkas „Der Landarzt“, die auf Wunsch eingesehen werden können.


Die Buchhandlung „Maurits“, Mauritiussteinweg 72, ist ab sofort mittwochs bis samstags von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Ab 2027, wenn Uli Ormanns die Agnes-Buchhandlung verkauft hat, kommt noch der Dienstag hinzu.