Bluetooth-Stift und IdeenfängerSo arbeitet eine Kölner Cartoon-Zeichnerin

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Die Kölnerin Ruth Hebler ist zweifach mit dem Deutschem Cartoonpreis ausgezeichnet.

Die Kölnerin Ruth Hebler ist zweifach mit dem Deutschen Cartoonpreis ausgezeichnet.

Die Kölnerin Ruth Hebler zeichnet beruflich Cartoons – das tun nicht viele in Deutschland. Wie sie arbeitet und was sie inspiriert.

An einem halb aufgeräumten, halb chaotischen Tisch sitzt Ruth Hebler in ihrem Arbeitszimmer. Vor ihr liegt ein großes Tablet, in ihrer Hand, die von einem weißen Handschuh umschlungen ist, ihr Bluetooth-Stift. Um sie herum prangen ihre eigenen Zeichnungen und Bilder ihrer Kinder. Über ihr hängt ein Ideenfänger, bestehend aus Klebeband, einem Holzstück und Verpackungsbändern.

„Den haben meine Kinder für mich gebastelt, als sie mich noch cool fanden“, erzählt sie lachend. „Damit die Ideen auf mich herunterprasseln.“ Diese braucht Ruth Hebler für ihre Cartoons.

Ruth Hebler machte ihr Hobby zum Beruf

Sie habe die Kunstform schon immer geliebt, erzählt sie lächelnd, in sich ruhend. In der Schule zeichnete das Eifelmädchen bereits ihre ersten eigenen Cartoons, für die Schülerzeitung. „Die waren ganz schlecht“, blickt die heute 51-Jährige zurück. Dann hat sie lange nichts gemalt, hat in Marburg und Köln studiert, geheiratet, Kinder bekommen, blieb mit ihnen zu Hause. „Ich sage immer, ich habe kein Sabbatjahr, sondern ein Sabberjahr gemacht“, witzelt sie. Während die Kinder Mittagsschlaf gemacht haben, nahm Hebler den Stift wieder in die Hand. Zeichnete wieder. Fing ihr Hobby neu an.

Ruth Hebler bei der Arbeit

Ruth Hebler bei der Arbeit

Einen Cartoon reichte sie bei „Der Freche Mario“ ein, ein Kunstpreis, der sich dafür einsetzt, den Blasphemie-Paragrafen 166 abzuschaffen. Nach diesem ist unter anderem die Beschimpfung von Religionsgesellschaften strafbar. Als Pädagogin arbeitete sie zu dem Zeitpunkt für einen katholischen Arbeitgeber, weshalb sie anonym blieb. „Caritas: Wir machen uns stark für Menschen!*“, steht auf dem Cartoon geschrieben „*ausgenommen sind schwule, lesbische, geschiedene, wieder verheiratete, befristet beschäftigte, anders- oder ungläubige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Gezeichnete Kritik, hinter der sie bis heute steht und mit der sie gewann.

Kölnerin gewann zweimal den Deutschen Cartoonpreis

Danach reichte Hebler immer weiter ihre Cartoons bei Preisen, Zeitschriften und Verlagen ein. „Und dann kamen irgendwann die Anfragen“, erzählt sie, „so ist das zu meinem zweiten Beruf geworden“. Hebler arbeitet weiter als Pädagogin. „Ich konnte zum Glück sukzessive meine Stunden verringern“, erzählt sie. Ganz von ihrer Kunst zu leben, sei ihr zu unvernünftig. Sie ist auf Anträge angewiesen, weiß nie, ob und wie viele ihrer Cartoons pro Anfrage genommen werden. In den meisten Fällen werde sie pro Cartoon bezahlt. Ein festes Einkommen nebenher bietet ihr also Sicherheit, Planungsmöglichkeiten.

Ein Cartoon von Ruth Hebler

Ein Cartoon von Ruth Hebler

Die wenigsten Cartoonistinnen und Cartoonisten würden rein von der Kunst leben, erzählt die Wahlkölnerin. Generell sei die Zahl der Menschen, die meisten männlich, die das Cartoon Zeichnen als ihren Job bezeichnen können, begrenzt. Sie kennen sich untereinander, lernen miteinander, arbeiten teilweise zusammen. Hebler hat sich zwischen ihnen etabliert. Bereits zweimal landete sie auf dem Treppchen des Deutschen Cartoonpreises, zuletzt 2023 mit einem Witz über den Fachkräftemangel.

Ihre Cartoons erscheinen in bundesweiten Zeitschriften, Zeitungen, vielen Cartoonbüchern und Kalendern und sind regelmäßig in Ausstellungen zu sehen. Als Nächstes werden ihre Cartoons in dem internationalen Projekt „Wir haben die Wahl – Draw Attention“ zum Thema Demokratie erscheinen.

Gezeichnete Kritik soll nicht die Falschen treffen

Ihre Zeichnungen sind häufig gesellschaftskritisch, politisch. „Mir ist wichtig, dass nicht die Falschen lachen“, erklärt Hebler, „ich passe auf, dass ich mich nicht über vermeintlich schwächere Leute lustig mache“. Ihre Inspiration nimmt sie überall her. An einem typischen Arbeitstag schaue sie, welche Themen, Aufträge anliegen.

Sie brauche eine gewisse Struktur in ihrer Arbeit, erzählt sie, auch wenn manchmal das Chaos herrsche. Das sei genauso gut und wichtig. „Und dann skizziere ich, gucke aus dem Fenster und recherchiere viel“, berichtet sie. Die 51-Jährige hat mehrere Systeme, die ihr bei der Ideenfindung helfen, dann probiere sie viel rum. „Manche Themen passieren einfach, andere brauchen mehr Arbeit, müssen herausgekitzelt werden“.

Weitere Cartoons von Ruth Hebler sind hier zu finden

Wir sind Köln

In unserer neuen Porträt-Reihe stellen wir Menschen aus Köln vor – hier geborene genauso wie Menschen, die aus anderen Regionen oder Ländern hierhergekommen sind. Denn wir halten es mit dem Stammbaum-Lied der „Bläck Fööss“: Jeder Mensch ist interessant. Jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Und ohne Vielfalt wären wir deutlich ärmer!

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