Die städtischen Rheinbrücken müssen saniert werden – oder reicht das sogar nicht? Die Severinsbrücke muss möglicherweise abgebrochen werden.
„Grenzzustand der Tragfähigkeit“Ist die Kölner Severinsbrücke noch zu retten?

Blick auf die Severinsbrücke und den Dom und Rhein im Hintergrund. Foto: Michael Bause
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Ist die denkmalgeschützte Severinsbrücke noch zu retten? Die Stadtverwaltung kann zumindest nicht mehr ausschließen, dass das Bauwerk aus dem Jahr 1959 nicht mehr saniert werden kann und durch einen Neubau ersetzt werden muss.
Das geht aus Unterlagen für den Stadtrat hervor, der in der Sitzung am 10. Dezember rund 3,8 Millionen Euro für Gutachten, Voruntersuchungen und materialtechnische Prüfungen des Bauwerks freigeben muss, um die Instandsetzung des Bauwerks vorzubereiten.
Eins steht jetzt schon fest: Die beiden Rampen-Bauwerke auf der rechten und linken Rheinseite sind nicht mehr zu retten, weil sie den Verkehrsmassen nicht gewachsen sind. „Zwar könnten einzelne gravierende Schwachstellen ertüchtigt werden, eine vollständige Anpassung an heutige Anforderungen ist jedoch weder wirtschaftlich noch technisch darstellbar“, heißt es in der Beschlussvorlage.

Die Strombrücke über dem Rhein (orange) und die beiden Rampen (grün und rot).
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Ob das auch für die Strombrücke, also den Teil über dem Rhein, gilt, werde noch untersucht. Die sogenannte Nachrechnung der einzelnen Tragelemente habe ergeben, dass auch sie rein rechnerisch den „Grenzzustand der Tragfähigkeit“ erreicht haben. Einzelne Bauteile, darunter vor allem die Fahrbahnplatte, weisen „erhöhte Ermüdungsbeanspruchungen“ auf.
Um das genauer zu untersuchen, wurde im April 2026 ein Monitoringsystem in den Hohlkasten der Strombrücke eingebaut. Mithilfe von Sensoren werden Daten erfasst, aus denen Ingenieure ableiten können, wie sich die Verkehrsbelastung auf die Tragkonstruktion auswirkt und ob Ermüdungseffekte auftreten.
Gutachten in den nächsten beiden Jahren
An den Tragseilen wurden bereits mehrfach „Defizite festgestellt, die auf Wassereintritte in Teilen der Konstruktion zurückzuführen sind“.
Wie groß die Schäden sind, die durch diese Undichtigkeiten entstanden sind, könne noch nicht beurteilt werden. Dazu seien weitere Untersuchungen erforderlich. Die erforderlichen Gutachten sollen in den Jahren 2027 und 2028 eingeholt werden.

Die Severinsbrücke von unten.
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Laut Stadt soll die Instandsetzung oder der Ersatzneubau beginnen, wenn die Sanierung der Mülheimer Brücke abgeschlossen ist. Das wird voraussichtlich 2030 der Fall sein. Der Auftrag soll an einen Generalunternehmer vergeben werden.
Verkehrsdezernent Ascan Egerer hatte im April erstmals eine Zahl genannt für das Großbauprojekt Severinsbrücke: Die Grobschätzung geht von 324,5 Millionen Euro aus.
Ähnlichkeit zur Leverkusener Brücke
Vom Grundprinzip ist die Severinsbrücke, Baujahr 1958/59, als Stahl-Schrägseilbrücke mit ihrem A-förmigen Pylon und einem Hohlkasten-Überbau mit der inzwischen abgebrochenen alten Leverkusener Rheinbrücke aus den Baujahren 1961 bis 1965 vergleichbar.
Der einzige Unterschied: Die Leverkusener Brücke wurde von zwei Pylonen getragen. Der Pylon der Severinsbrücke steht asymmetrisch am rechtsrheinischen Ufer. Das Hauptproblem dieser Konstruktionen mit einem Hohlkasten: Sie können nur unter Vollsperrung grundsaniert werden.
Die NRW-Landesregierung hatte Anfang Oktober angekündigt, dass die Severinsbrücke zum Teil mit Geldern aus dem Sondervermögen des Bundes saniert oder erneuert werden kann.
Burmester wollte Abbruch nicht ausschließen
Insgesamt stehen für Rheinbrücken, für die Städte und Gemeinden verantwortlich sind, zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Voraussetzung ist, dass die Arbeiten in den 2030er Jahren abgeschlossen werden. Das ist neben dem Kölner Bauwerk nur noch bei der Theodor-Heuss-Brücke in Düsseldorf und der Brücke der Solidarität in Duisburg der Fall.
Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) wollte schon im April angesichts der hohen Summen und der schwierigen Haushaltslage nicht ausschließen, auch über den Abriss und Neubau von Rheinbrücken nachzudenken. Abgesehen von der Zoobrücke stehen die Bauwerke in städtischem Eigentum unter Denkmalschutz.
Schon bei der Mülheimer Brücke hatten Experten den Denkmalschutz als Kostentreiber gesehen: Die Kosten waren auf rund eine halbe Milliarde Euro explodiert, Ende offen (wir berichteten).
Beispielsweise sagte im Vorjahr Martin Mertens, Professor für Technische Mechanik, Baustatik, Holz- und Brückenbau an der Hochschule Bochum, dass denkmalgeschützte Brücken eine „Katastrophe für Brückenbauer“ seien. „Brücken haben eine Funktion zu erfüllen, es sind Verkehrsbauten und die heißen so, weil da der Verkehr drüberfließen muss.“
Burmester sagte damals: „Das ist immer ein Abwägungsprozess, weil die Brücken das Stadtbild prägen, aber wir müssen uns da alle Wege offenhalten.“ Die Stadt hatte die Sanierung der Mülheimer Brücke verteidigt: Die Gesamtkosten hätten demnach nichts mit dem Denkmalschutz zu tun.
Wiederholen sich die Probleme also bei der Severinsbrücke, wenn sie nicht neu gebaut werden muss? Für den Abbruch der Rampen braucht es zumindest eine Erlaubnis des Denkmalschutzes.