Der geplante Umbau umfasst auch neue Ampeln und veränderte Kreuzungen – nun soll der Stadtrat entscheiden.
Rheinuferstraße in Köln450 Meter Radweg auf für 1,6 Millionen Euro

Am Rheinufer in der Kölner Altstadt kommt es an vielen Stellen zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern.
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Die Stadt Köln will, wie berichtet, den Radverkehr am Kölner Rheinufer neu ordnen. Zwischen Schokoladenmuseum und Rheinufertunnel soll eine Autospur einem breiten Radweg weichen. Das 1,6 Millionen Euro teure Vorhaben ist politisch umstritten – obwohl die Verkehrsführung mithilfe eines Provisoriums bereits drei Jahre lang erprobt wurde. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Worum geht es?
Es geht um einen rund 450 Meter langen Abschnitt der Rheinuferstraße. Dort will die Stadt den bestehenden Radweg auf bis zu fünf Meter verbreitern und für beide Fahrtrichtungen freigeben. Dafür soll eine der drei Autospuren in Richtung Zoobrücke wegfallen. Der neu zusammengesetzte Stadtrat soll am 10. Dezember 2026 darüber entscheiden.
Was genau ist geplant?
Die Stadt will die rechte Autospur ab der Holzgasse in einen Zweirichtungsradweg umwandeln. Für Autos bleiben zwei Spuren Richtung Norden. Auch drei Kreuzungsbereiche werden umgebaut: An der Großen Witschgasse sollen Busse an der Ampel Vorrang bekommen. Am Filzengraben wird die Fußgängerquerung übersichtlicher, der freie Rechtsabbieger entfällt. Am Heumarkt will die Stadt die Fläche über dem Rheinuferboulevard neu ordnen und die Bereiche für Fußgänger und Radfahrer klarer voneinander trennen.
Warum will die Stadt den Radweg ausbauen?
Vor allem, um Rad- und Fußverkehr voneinander zu trennen. Wer heute Richtung Süden zum Rheinauhafen fährt, wird über den Rheinboulevard durch die Fußgängerzone geleitet. Dort kommt es nach Angaben der Stadt seit Jahren zu Konflikten. Der Abschnitt ist zugleich Teil des internationalen Rheinradwegs und des Radroutennetzes NRW. Er wird von Touristen und im Kölner Alltagsverkehr genutzt. Die Stadt schätzt die Zahl der Radfahrer inzwischen auf rund 6000 pro Tag. Bei einer Zählung im Jahr 2022 waren es etwa 5000. Eine neue Zählung gibt es nicht.
Warum entsteht der Radweg nicht direkt an der Altstadtpromenade?
Das Radverkehrskonzept Innenstadt sieht dort keinen eigenen Radweg vor. Wegen der vielen Fußgänger, Touristen und Kreuzfahrtteilnehmer müsste eine solche Trasse zu oft überquert werden.
Wie sieht es derzeit vor Ort aus?
Bis zum 6. November 2025 verlief auf der rechten Autospur ein provisorischer Zweirichtungsradweg. Nach einer vertagten Entscheidung im Stadtrat ließ das Mobilitätsdezernat diesen wieder abbauen. Seitdem fließt der Autoverkehr in Richtung Norden wieder über drei jeweils etwa 3,25 Meter breite Spuren. Radfahrer nutzen dort jetzt einen 1,80 bis 2,80 Meter breiten Weg unmittelbar neben der Fahrbahn. Richtung Süden führt die Route wieder am Rheinufer entlang, zwischen den Fußgängern hindurch.

So sah der provisorische Radweg auf der Rheinuferstraße aus, bevor die Stadt ihn vor einem Jahr abbaute.
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Warum hat die Stadt das Provisorium wieder abgebaut?
Die laufenden Kosten waren der Stadt angesichts der angespannten Haushaltslage zu hoch. Es sollen insgesamt Kosten in Höhe von 160.000 Euro entstanden sein.
Führt eine Autospur weniger zu Staus?
Nach Einschätzung der Stadt reichen zwei Spuren Richtung Norden aus. Die Prognose, dass keine zusätzlichen Rückstaus entstehen, habe sich während der Zeit des Provisoriums bestätigt. Auch Roman Suthold, Leiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein, hält die Umwandlung für unproblematisch. Während des Provisoriums habe es seiner Kenntnis nach keine Stauprobleme gegeben.
Was sagen die Verkehrsverbände?
Der ADAC unterstützt den Radweg grundsätzlich. Eine Fortsetzung durch den Rheinufertunnel hält Suthold wegen der Neigungsverhältnisse derzeit aber nicht ohne Weiteres für möglich. Auch der ADFC befürwortet den Ausbau und fordert langfristig eine Öffnung des Tunnels. Als Alternative stellte er die Vision eines Hochradwegs vor. Eine konkrete Planung der Stadt wurde daraus aber nicht.
Was kostet der Umbau?
Die Verwaltung rechnet mit rund 1,6 Millionen Euro brutto. Für 2026 soll die Politik zunächst 70.000 Euro für die weitere Planung freigeben. Außerdem will die Stadt prüfen, ob das Land NRW das Projekt über die Förderrichtlinie Nahmobilität bezuschusst.
Warum kostet der Umbau so viel Geld?
Die Summe umfasst laut der Stadt mehr als den Radweg. Rund 1,1 Millionen Euro entfallen auf die Straßenbauarbeiten. Hinzu kommen Umbauten an drei Kreuzungsbereichen. Für die neuen Ampeln an der Großen Witschgasse und am Filzengraben veranschlagt die Stadt rund 500.000 Euro. Außerdem wird die Fläche am Heumarkt neu geordnet. Eingerechnet sind Planungskosten und Zuschläge für erschwerte Arbeiten in der Innenstadt, etwa Sperrungen und Nachtarbeit.
Warum hat das Rechnungsprüfungsamt die Kosten kritisiert?
Den Prüfern fehlten wichtige Unterlagen, darunter ein Baugrundgutachten und ein Konzept für die Verkehrsführung bei Hochwasser. Auch die angesetzten Mengen und Zuschläge von bis zu 40,8 Prozent waren für sie nicht nachvollziehbar. Ohne diese Zuschläge lägen die Kosten nach ihrer Berechnung bei etwa 1,4 statt 1,6 Millionen Euro. Das Mobilitätsdezernat räumte daraufhin Fehler ein: Planungskosten seien zwar berücksichtigt, aber falschen Kostengruppen zugeordnet worden. Die Zuschläge verteidigt es dagegen als üblich. Damit würden unter anderem Sperrungen, Nachtarbeit und die erschwerten Arbeiten in der Innenstadt berücksichtigt. Ausschreibungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass solche Aufschläge realistisch seien.
Warum scheiterte die Entscheidung 2025?
Mobilitätsdezernent Ascan Egerer hatte die Vorlage kurz vor der Kommunalwahl eingebracht, ohne den Verkehrsausschuss zu beteiligen. CDU und FDP kritisierten das Verfahren und sahen keine Dringlichkeit. Der Rat vertagte die Entscheidung deshalb in seiner letzten Sitzung vor der Wahl. Dieses Mal wird der Mobilitätsausschuss beteiligt.
Wie sieht die Politik das Vorhaben inzwischen?
Eine Mehrheit zeichnet sich ab. Grüne, Volt und Linke wollen zustimmen, auch SPD und FDP/KSG unterstützen den Radweg grundsätzlich. Die SPD verlangt aber zunächst ein Konzept für die gesamte Nord-Süd-Verbindung am Rhein. Ralph Sterck (FDP/KSG) fürchtet durch haltende KVB-Busse das Entstehen eines neuen Nadelöhrs. Die CDU wendet sich gegen das Vorhaben. „Eine weitere Einschränkung des Autoverkehrs zugunsten eines zusätzlichen Radwegs lehnen wir ab“, sagt Niklas Kienitz. Auch die AfD lehnt die Planung ab. Sie sei zu einseitig auf den Radverkehr ausgerichtet und berücksichtige die Interessen der übrigen Verkehrsteilnehmer nicht ausreichend.
Wann könnte gebaut werden?
Frühestens im dritten Quartal 2027. Ursprünglich wollte die Stadt ein Jahr früher beginnen. Durch die Vertagung verschob sich der gesamte Zeitplan. Für die Bauarbeiten waren zuletzt rund drei Monate vorgesehen.
Wie soll die Route später weiterlaufen
Langfristig will die Stadt den Radverkehr durch den Rheinufertunnel führen und damit auch die Konflikte auf der Altstadtpromenade verringern. Dafür müsste der Tunnel allerdings zuvor umfassend saniert und technisch angepasst werden. Weitere Untersuchungen sind laut der Stadt vor allem am nördlichen Tunnelende nötig. Ein genauer Termin steht nicht fest. Nach derzeitiger Einschätzung der Stadt kann die Sanierung frühestens in der zweiten Hälfte der 2030er Jahre beginnen.
