Die Stadt will ihre Bürger vor den Folgen großer Hitze schützen. Eine Koordinationsstelle soll die Maßnahmen vorantreiben.
Klimakrise in KölnMit diesen Mitteln will die Stadt die Rekordhitze mildern

Nur noch Schatten, bitte: Am Wochenende wird es in Köln erneut sehr heiß werden. Die Zahl der Hitzetage nimmt zu.
Copyright: Nabil Hanano
Extreme Hitze von über 40 Grad Celsius. Stadtbäume, die im August ihr verdorrtes Laub verlieren. 2021, in einem weniger heißen Sommer, Überflutungen durch Starkregen und Hagelschauer: Die Auswirkungen der Klimakrise sind auch in Köln unübersehbar. Um diese für die Kölnerinnen und Kölner zumindest abzumildern, hatte der Rat die Verwaltung beauftragt, eine Strategie für eine Klimafolgen-Anpassung zu entwickeln. Wir stellen die seitdem erfolgten Maßnahmen und die Strategie der Fachämter für die kommenden Jahre vor.
Koordinationsstelle
Klimaschutz erfordert ein koordiniertes Vorgehen zahlreicher Ämter. Deshalb beschloss der Rat jetzt die Einrichtung einer Koordinationsstelle „Klimawandel Anpassungsmanagement (KAM)“ und die benötigte Finanzierung von 300.900 Euro jährlich. Bereits in der Umsetzung oder in Planung sind zahlreiche Sofortmaßnahmen; dafür stellte der Rat 288.000 Euro bereit.
Hitzeaktionsplan
Eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen ist die Verstetigung eines „Hitzeaktionsplans für Menschen im Alter“ und die Ausdehnung der Maßnahmen auf weitere vulnerable Personengruppen wie Säuglinge, Kleinkinder oder Menschen mit Vorerkrankungen. So sollen die gesundheitlichen Folgen und die vom Robert-Koch-Institut (RKI) konstatierten 4500 Todesfälle durch Hitze im Jahr 2022 möglichst schnell verringert werden.
Stadtklimasimulationen
Um eine eigene, von Investoreninteressen unabhängige Einschätzung wirksamer stadtklimatischer Maßnahmen zu entwickeln, soll die Verwaltung unter anderem eigene stadtklimatische Simulationen durchführen und ihre Leitplanungen entsprechend gestalten.
Masterplan Stadtgrün
Der Masterplan ist ein Konzept zur Sicherung der grünen Infrastruktur. Bis 2027 werden Maßnahmen zur gerechteren Verteilung des Stadtgrüns und zur konkreten Weiterentwicklung der vorhandenen Grünanlagen in den Veedeln erarbeitet. Dieses Vorgehen wird begleitet durch eine umfangreiche Bürgerbeteiligung, die noch in diesem Jahr in den Bezirken Ehrenfeld und Kalk starten soll.
Koordination baulicher Maßnahmen
Aufbauend auf die Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt iResilience und dem Strategiekonzept „Wasserwirtschaftliche Klimafolgenanpassung“ der Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) wird geprüft, ob öffentliche Plätze und Straßen mit Blick auf Starkregen umgestaltet werden müssen. Lösungen wie etwa die Entsiegelung von Flächen werden mit den betroffenen Kölnerinnen und Kölnern erarbeitet. Frühestens in zwei Jahren soll es ein digitales Stadtplan-Tool geben, in das Anwohnende Ideen für eine klimawandelangepasste Quartiersentwicklung eintragen können.
„Cooling Cologne“
Im Rahmen des Konzepts für Wasser im öffentlichen Raum wurde gemeinsam mit der Rheinenergie bereits im Juli des Vorjahres getestet, wie „Sprühschläuche“ und anderen Systemen in Hitzeperioden die Aufenthaltsqualität in der Stadt verbessern können. Vorbild für diese Methode ist die Stadt Wien.
Wir müssen heute für das Klima planen, mit dem wir später leben werden.
Dach- und Fassadenbegrünung
Hier zählt die Verwaltung einige stadteigene Gebäude auf, die in absehbarer Zeit begrünt werden sollen. Die allermeisten Kölner Dächer sind dagegen noch nicht begrünt, das städtische Programm „‚Grün hoch 3“ nicht ausgeschöpft. „Das kann daran liegen, dass viele Kölnerinnen und Kölner es nicht kennen. Oder daran, dass solche Maßnahmen mit vielen Regularien belegt sind. Bei manchen sollte man überlegen, ob sie in Anbetracht der schnellen Klimaveränderung noch zeitgemäß sind“, sagt Anja Bierwirth, die den Forschungsbereich Stadtwandel in der Abteilung Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie leitet. Unter der Prämisse müsse man auch planen. Denn die Umsetzung von Projekten dauere oft mehr als zehn Jahre. „Wir müssen heute für das Klima planen, mit dem wir später leben werden“, sagt Bierwirth. „Deshalb muss der Platz der Zukunft Schatten bieten. Anders als zum Beispiel der Breslauer Platz. Hier gibt es keine Bäume und ein Regendach aus Glas, das nicht vor Sonne schützt.“
Ab Freitag wieder richtig heiß in Köln. Nach einem extrem trockenen Juni mit gemäßigten Temperaturen unter 30 Grad sind dann Werte zwischen 30 und 36 Grad möglich. Niederschläge soll es keine geben, lediglich kurze Wärmegewitter halten die Meteorologen für möglich.
