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„Wat e ordinär Frauezemmer“Musical über Trude Herr feiert Premiere im Scala-Theater

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Sechs Mal Trude Herr im Abendkleid

Sechs Mal Trude Herr im Abendkleid: Zum Ausklang der Premiere von „Wat e ordinär Frauezemmer. Leck mich am Aasch“ gab das Scala-Ensemble noch mal alles.

Im kommenden Jahr wäre Trude Herr 100 Jahre alt geworden. Das Scala-Theater widmet ihr als Hommage das Musical „Wat e ordinär Frauezemmer“.

Am Ende des Premierenabends stehen gleich sechs Trude Herrs im grünen Abendkleid auf der Bühne und ernten stürmischen Applaus. Dabei kann es natürlich nur eine Trude Herr geben, aber auf sie muss die Welt seit 35 Jahren verzichten.

15 Theaterstücke hat die 1991 verstorbene Sängerin, Schauspielerin und Komödiantin geschrieben und größtenteils in ihrem „Theater im Vringsveedel“ inszeniert – mit sich in der Hauptrolle, versteht sich. Das Scala-Theater am Hohenzollernring verwebt das Vermächtnis nun zu einer prallen Hommage an die kölsche Ikone mit dem schrillen Organ, hätte Trude Herr doch im kommenden Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Es geht derb und schlüpfrig zu

„Wat e ordinär Frauezemmer. Leck mich am Aasch“ hält, was der Titel verspricht: Es geht derb und gerne schlüpfrig zu, doch die Pointen treffen immer ins Schwarze und das Timing stimmt. Autor, Regisseur und Theaterleiter Ralf Borgartz hat Episoden aus allen 15 Schwänken zusammen mit Trude Herrs großen Gassenhauern und anderen Songs zu einer Art Musical verflochten, das bei den rund 200 Premierenbesuchern hervorragend ankam. „Ich will Trude Herrs Relevanz als Theatermacherin in den Vordergrund stellen“, so Borgartz' Anspruch.

Die Tochter eines Lokomotivführers widmete sich mit Vorliebe Außenseitern, die sie aber nicht vorführte. „Trude hat die Leute von der Straße überspitzt dargestellt“, sagt Hilde Schmitz, Nachlassverwalterin und Vorsitzende des Trude-Herr-Fanclubs: „Es war immer ein bisschen unter der Gürtellinie, aber nie bösartig obszön.“ Leider sei Trude Herr in letzter Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei habe sie das Volkstheater reformiert.

Das sechsköpfige Ensemble füllt 49 Rollen aus

Das sechsköpfige Ensemble aus Oliver Nell, Arne Hoffmann, Tobias Ziebold, Barbara Nöske, Kirstin Hesse und Maxi Dörner leistet fast drei Stunden lang Schwerstarbeit, muss es doch insgesamt 49 Rollen ausfüllen und zwischendurch noch tanzen und singen. In schneller Abfolge erscheinen urkomische Figuren wie die wandernde Schaustellerin Sophie Schmitz, die sich in „Die Millionärin“ als reiche Erbtante ausgibt, um im Haushalt von Jean-Jaques Schmitz den Winter zu überstehen.

Oder Marianne Müller, die es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt und mit ihrem Bruder ihren Tod fingiert, um auf Weltreise gehen zu können. „Diese Rolle habe ich ja geliebt“, kommentiert im neuen Stück Trude Herr ihr eigenes Bühnenleben. Ohne Telefon kam sie dabei selten aus. Und so darf auch in „Wat e ordinär Frauezimmer“ der Fernsprechapparat nicht fehlen.

Bis zum Sommer sind 180 Aufführungen geplant, inklusive Seitenhieben zur aktuellen Politik oder der finanziell aus dem Ruder gelaufenen Opernsanierung. Eine Prise Sentimentalität gehört natürlich auch dazu, wenn es um Trude Herr geht. „Niemals geht man so ganz“, singt das starke Ensemble zum Ausklang. Es war der letzte große Erfolg der Frau, die immer etwas mehr als nur eine Ulknudel war.