„Wir liegen gut im Zeitplan“So läuft der Umzug der Stadtbibliothek in Köln

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Hier muss alles stimmen: Nicole James, Sachgebietsleiterin Reise und Recht, beim Vorsortieren der Bücher für den Transport.

Hier muss alles stimmen: Nicole James, Sachgebietsleiterin Reise und Recht, beim Vorsortieren der Bücher für den Transport.

In der Kölner Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof wird eifrig sortiert und gepackt. Bis zum 1. September muss der große Bau geräumt sein.

Die rechteckigen Schächte leuchten, zwei in Signalrot, zwei in sattem Grün. Doch die Wände neben ihnen sind kahl, keine Spur mehr von bunten Buchrücken oder Regalen. Auch wenn die Rückgabe-Terminals im Erdgeschoss der Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof seltsam dienstbereit sind, abgegeben wird hier nichts mehr. Für mindestens vier Jahre.

Halbleere Regale in der Stadtbibliothek

Halbleere Regale in der Stadtbibliothek

„Wir haben Tag sechs des Umzugs“, sagt Gabriele Overbeck, eine der beiden stellvertretenden Bibliotheksleitenden. „Und wir sind gut im Zeitplan.“ Neben ihr stehen auseinandergebaute Sitzelemente, filigrane Buchrondelle, für den Transport mit Kunststoff geschützt, eine Rolle Polsterfolie harrt ihrer Verwendung. Bis zum 1. September sollen alle Medien und Möbel des gut 6500 Quadratmeter großen Publikumsbereichs sowie das Inventar der Büros in ihren Übergangsquartieren sein, damit die Sanierung beginnen kann. Schon umgezogen sind die Medien aus den vier unterirdischen Etagen des Magazins. „Hier standen zehn Kilometer Bücher in den Regalen, die jetzt in unserem Lager an der Aachener Straße sind“, sagt Bettina Scheurer, Mitglied des Umzugsteams der Bibliothek.

Umzug Stadtbibliothek

Die Verantwortlichen freuen sich: „Wir liegen gut im Zeitplan“

Nach der Abschiedswoche gingen am letzten Junisonntag um 18 Uhr die Lichter in der Zentrale aus. „Am Montag um acht stand ein Trupp der Umzugsfirma vor den Glastüren“, so Overbeck. „Zusammen mit unseren rund 40 Fachkräften haben sie auf allen Etagen gearbeitet.“ Weit über 1000 Kisten sind schon gepackt, rund 4000 werden es am Ende sein. Wie viel das ist, macht ein Quader aus rund 100 weißen Pappkartons anschaulich, der im Foyer kantengenau gestapelt ist. Weiter hinten auf der Veranstaltungsfläche stehen 200 blaue Transportwannen, je drei übereinander, ihre Ränder reflektieren das einfallende Tageslicht. Eine Regalreihe Bücher hat in jeder Platz. „Diese Bücher kommen im Interim sofort wieder in die Regale, und so geht das am Schnellsten“, schildert Gabriele Kunze, Leiterin der Neumarkt-Bibliothek.

Tatenlos: die sonst so begehrten Schließfächer der Bibiothek.

Tatenlos: die sonst so begehrten Schließfächer der Bibiothek.

Unterdessen nimmt Mitarbeiterin Milena Singer in der Abteilung „Musik, Medien, Makerspace“ im vierten Stock jede CD in die Hand und sortiert sie akribische nach Anfangsbuchstaben der Interpreten in den Karton. „Nur so finden wir sie schnell, wenn sie bestellt werden“, sagt sie. Denn anders als die Bücher in den Wannen werden die CDs erst in der letzten Phase der Interims-Öffnung wieder vor Ort präsentiert. Bis es soweit ist, können sie online bestellt und abgeholt werden (siehe Infokasten).

In der dritten Etage sind die meisten Regale schon weg; sie sind die Pioniere im Interim. Erst wenn die Regale stehen, können die Bücher kommen. In der jetzt nahezu leeren großen Fläche wirkt die offene Architektur mit den durchgängig bodentiefen Fenstern eindrucksvoll, der Blick fängt sich kurz an den rubinroten Rahmen, dann weitet sich die Perspektive auf Stadt und Sommerhimmel. „In der neuen Gestaltung bleiben die Flächen an den Fenstern frei von Regalen, es wird mehr Sichtachsen quer durch die Kuben der Etagen geben“, schildert Kunze. Schon gänzlich verschwunden ist die Germania Judaica. Von ihr zeugen nur noch ein Knäuel schwarzer Regal-Banderolen und ein verlassener Stapel grauer Transportdecken am Boden. Der wertvolle Bestand ist bereits im Stadtarchiv am Eifelwall angekommen.

In Wartestellung: ein Minidschungel

In Wartestellung: ein Minidschungel

Dass die Arbeiten auf allen Etagen so ruhig verlaufen, als sei die Bibliothek noch in Betrieb, kommt nicht von ungefähr. Wie alles ablaufen soll, hat die gerade verabschiedete Bibliotheksdirektorin Hannelore Vogt zusammen mit ihrem Team und der Gebäudewirtschaft akribisch geplant. Drei Jahre Vorlauf hatte der Umzug, nachdem klar war, dass die zunächst angedachte Sanierung im Bestand nicht machbar war.

Sehr aufwendig ist etwa das Konzept für die elektronische Ausleihlogistik, betont der stellvertretende Bibliotheksleiter und ITler Christian Schmid. Denn auch im Interim wird es eine 24/7-Rückgabe und Terminals zur Ausleihe geben. Im Vorfeld musste exakt benannt werden, an welcher Stelle welche Verbindungen benötigt werden. „Damit die Logistik auf keinen Fall zusammenbricht, wurden unsere Server und die aller elf Stadtteilbibliotheken schon vor einem Jahr ins städtische Rechenzentrum ausgelagert“, schildert Schmid. Zudem musste die Traglast der Böden zur zukünftigen Nutzung passen. Für Bibliotheken sind 500 Kilogramm pro Quadratmeter Pflicht. Bücher sind schwer. Aber die Statik stimmt.

Bereit zum Transport: demontierte Möbel auf der Veranstaltungsfläche.

Bereit zum Transport: demontierte Möbel auf der Veranstaltungsfläche.

Und auch der Anspruch, alle Angebote des alten Standortes im kleineren Interim anzubieten, erforderte detaillierte Vorbereitung. „Wir wollten unbedingt die Veranstaltungsbereiche und viele Lernplätze erhalten, damit die Bibliothek ein Ort bleibt, an dem sich die Menschen treffen und sie sich wohlfühlen“, so das Umzugsteam. Das will „so schnell wie möglich“ wieder für die Kölnerinnen und Kölner da sein. Damit das klappt, haben die bereits im Vorfeld mit angefasst und die Hälfte des Medienbestandes im Zuge des Angebotes all-you-can-read mit nach Hause genommen; mit Rückgabedatum Oktober.

„Viele Nutzer haben sich dabei persönlich bei uns bedankt“, freut sich Overbeck. Andere haben sich an einer Wand verewigt, die als Fotodokument ins Archiv wandert. „Ich habe hier gelernt und Spaß gehabt. Gute Nerven für den Umzug! A bientot“, ist da zu lesen. Oder einfach „Bib macht glücklich!“

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