Bequeme Lounges, Fläschchenwärmer und fast 700 Arbeitsplätze: die neue gestaltet Zentralbibliothek wird zum Wohlfühlort.
Neues Konzept vorgestelltSo soll die Kölner Zentralbibliothek künftig aussehen

Dachterrasse im vierten Stock der Zentralbibliothek
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Plätze zum Einkuscheln, ein Spielbereich für Familien, ein Parkplatz für Kinderwagen, und bei Bedarf gibt’s hier im ersten Stock auch einen Fläschchenwärmer. Eine Etage tiefer sind Werke der größten deutschen Bibliothek zur jüdischen Kultur über eine breite Treppe ins Untergeschoß direkt zugänglich. Im Kontemplationsbereich, der gesamten zweiten Etage, kann in bequemen Lounges in völliger Ruhe gelesen werden – solange es beliebt. So soll die Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof nach ihrer Sanierung aussehen. Ein Ort, an dem sich Menschen gerne auch lange aufhalten, der allen offensteht, der ihnen Begegnung, Bildung, Kreativität und Austausch ermöglicht. Und der die Nutzenden nichts kostet.

Aat Vos bei seinem Vortrag in der Stadtbibliothek
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Von niederländischem Stararchitekten geplant
Als sogenannter „dritter Ort“ neben der privaten Wohnung und dem Arbeitsplatz wurde die Bibliothek mit dem niederländischen Architekten Aat Vos neu geplant. Die spruchreifen Pläne stellte Vos gemeinsam mit Bibliotheksleiterin Hannelore Vogt jetzt in der Reihe „Neuverortung“ im Forum der Zentralbibliothek vor. Unter den gut 200 Interessierten waren auch zahlreiche Ratsmitglieder und die Dezernenten Stefan Charles (Kultur) und Harald Rau (Soziales).
Rat berät erneut über Sanierung und Standort
Denn nach Bekanntwerden gestiegener Sanierungskosten soll sich der Stadtrat im zweiten Quartal dieses Jahres mit einer Vorlage zum „Vergleich von Kosten, Dauer und weiteren Vor- und Nachteilen der möglichen Alternativen“ beschäftigen. Während es aus der CDU Stimmen für einen Abriss und Neubau an anderer Stelle gibt, um Platz für einen Verwaltungsbau zu schaffen, wollen SPD, FPD und Linke den Bau aus dem Jahre 1979 sanieren und die Bibliothek am Standort erhalten. Auch die Ratspolitiker der Grünen sehen "aus aktueller Sicht keinen Grund am getroffenen Sanierungsbeschluss für die Zentralbibliothek zu rütteln".
Der jetzige Platz sei ideal für eine öffentliche Bibliothek, so Architekt Aat Vos. „Zentral gelegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar, in einem Umfeld, das für die Menschen der Stadt ebenfalls neu gestaltet werden kann.“

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Denn die Umgebung sei immer Teil des Konzepts „Dritter Ort“. Deshalb sind für die dem Haubrich-Hof zugewandten Bibliotheksseiten auch bodentiefe Fenster geplant. Und von der kleinen Dachterrasse blicken die Besucher auf die Baumwipfel des Neumarkts. Dort, im vierten Obergeschoss, hat weiterhin die Musikbibliothek ihren Platz, die zukünftig auch für kleine Konzerte genutzt werden kann. Ein Stockwerk tiefer können im „Makerspace“ neue Technologien wie 3D-Drucker oder kreative Software ausprobiert werden. Gestaltet sind die je nach Nutzung unterteilten Bereiche in warmen Naturtönen. Auch die Beleuchtung geht neue Wege, statt uniformem Deckenlicht wird etwa Schatten als räumliches Gestaltungselement eingesetzt, werden Arbeitsbereiche individuell ausgeleuchtet. Davon wird es mit 658 Plätzen fast dreimal soviele geben wie zuvor. Dazu kommen noch 211 unterschiedlich gestaltete Aufenthaltsplätze.
Dritte Orte schaffen Begegnungen von Menschen, die sich sonst nie getroffen hätten.
„Nach acht Jahren Planungszeit stehen jetzt alle Details fest, von den Türgriffen bis zu der komplexen Elektronik, von der Barrierefreiheit bis zum Farb- und Materialkonzept ist alles auf diesen Bau abgestimmt“, sagt Direktorin Vogt. „Orte wie dieser“ würden in einer sich wandelnden Gesellschaft immer wichtiger, stellte Kulturdezernent Stefan Charles fest. Auch, um der Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. „Dritte Orte schaffen Begegnungen von Menschen, die sich sonst nie getroffen hätten“, so die Erfahrung von Aat Vos, der europaweit öffentliche Einrichtungen gestaltet. Sie trügen zur Chancengleichheit bei, seien sozialer Kitt für eine lebenswerte Stadt. Wie der öffentliche Raum gestaltet seit, habe großen Einfluss auf die Qualität der Erfahrungen, die Menschen machen.
