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Planer stellen Konzept vorSo soll es im neuen Römisch-Germanischen Museum in Köln aussehen

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Im Obergeschoss des RGM sind auch Reste der römischen Stadtbefestigung zu sehen.

Im Obergeschoss des RGM sind auch Reste der römischen Stadtbefestigung zu sehen.

Die Sanierung des Römisch-Germanischen Museums in Köln zieht sich  in die Länge und könnte am Ende ein Jahrzehnt dauern. Die Pläne für die Neugestaltung wecken nun aber die Vorfreude auf das neue Museum.

Ein einziges Trauerspiel – so stellt sich die geplante Generalinstandsetzung des Römisch-Germanischen Museums (RGM) bislang für viele Kölner dar. Seit Ende 2018 ist der markante Bau am Roncalliplatz bereits geschlossen, die Betriebserlaubnis ist wegen Brandschutzmängeln erloschen, und bisher gibt es nicht mal einen konkreten Termin, wann die Bauarbeiten beginnen sollen. Die geschätzten Baukosten stiegen auf mindestens 91,2 Millionen Euro, und vor 2028 wird es wohl nichts mit der Wiedereröffnung werden.

Behutsame Transformation als Leitgedanke

Doch nun gibt es endlich auch mal gute Nachrichten zum Sanierungsfall RGM. Am Dienstag stellten die Planungsbüros „Allmann Wappner“ und „Jangled Nerves“ im Kulturausschuss das Nutzungskonzept für das sanierte Museumsgebäude vor. Und das weckt große Vorfreude auf das, was Besucherinnen und Besucher dereinst in dem umgestalteten Bau von 1974 erwarten wird: ein neuer, frischer Blick auf das römische Köln, bei dem sowohl die hohe Qualität der archäologischen Fundstücke als auch die Vorzüge des seinerzeit preisgekrönten Gebäudes neu zur Geltung kommen.

Eine Visualisierung des sanierten Römisch-Germanischen Museums am Roncalliplatz.

Eine Visualisierung des sanierten Römisch-Germanischen Museums am Roncalliplatz.

„Behutsame Transformation aus der Gegenwart in die Zukunft“ – unter diesen Leitgedanken haben die Architekten und Designer die Neugestaltung des Museumsgebäudes gestellt. Das ursprüngliche architektonische Konzept soll fortgeführt und optimiert werden. Dazu gehört etwa, dass die im Laufe der Jahrzehnte schmuddelig gewordene offene Passage in der Mitte des Museums mit einer Glasfront geschlossen und zum zentralen Foyer umgestaltet wird. Durch die Öffnung der Erdgeschossfassaden werden die Blickbezüge zum umgebenden Stadtraum mit Dom, Dombauhütte, Museum Ludwig, Roncalliplatz und Kurt-Hackenberg-Platz gestärkt.

Schaufenster zum Poblicius-Grabmal und Dionysos-Mosaik sowie zu einem Schaudepot an der Südwestecke geben von außen gezielte Einblicke in die Stadtgeschichte. Im Erdgeschoss ist weiterhin die zentrale Sonderausstellungsfläche zu finden, davor befindet sich eine Galerie mit Porträtbüsten römischer Kaiser. Kasse und Museumsshop werden an den südlichen Rand verlagert, dort ist auch ein Café geplant.

Das geplante Schaudepot in der Südwestecke des sanierten RGM ermöglicht einen Blick von außen auf eine Fülle von Exponaten..

Das geplante Schaudepot in der Südwestecke des sanierten RGM ermöglicht einen Blick von außen auf eine Fülle von Exponaten.

Im Obergeschoss wird es auf 2600 Quadratmetern Fläche einen   Rundgang durch „das erste Jahrtausend“ geben – mit 17 Ausstellungsbereichen von der Gründung der römischen „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ (CCAA) bis zum frühen Mittelalter. Hier werden auch Themen wie „Körperpflege und Gesundheit“, „Miteinander“ und „Glaube an die Götter“ behandelt. Besucher schreiten durch das originale römische Nordtor und lernen die prächtige Römerstadt kennen, deren Architektur nördlich der Alpen einzigartig war. Sie erleben die weltweit größte Sammlung römischer Glasgefäße und erhalten einen Eindruck von der Kunstfertigkeit römischer Handwerker. Dabei zitiert die architektonische Gestaltung des Obergeschosses den Typus eines römischen Stadthauses aus dem 2. Jahrhundert vor Christus mit einem offenen Innenhof samt umliegendem Säulengang (Peristyl).

Digitale Angebote vertiefen das Wissen über die Exponate

Originale Fundstücke wie Gebäudefragmente oder Reste der Stadtbefestigung werden mit großformatigen Visualisierungen rekonstruierter antiker Gebäude kombiniert, um so „Fenster in das römische Köln“ zu öffnen. Per Smartphone-App wird die Bedeutung der Exponate mit Bezug zu ihrem Fundort und ihrer ursprünglichen Umgebung erzählt. Über die digitalen Angebote lassen sich auch Hintergrundinformationen etwa zu römischen Herstellungsverfahren abrufen.

Im Untergeschoss werden Exponate zur Ur- und Frühgeschichte sowie aus der völkerwanderungszeitlichen Sammlung Diergardt gezeigt. Poblicius-Grabmal und Dionysos-Mosaik sollen durch ein neues Beleuchtungskonzept mit Filterung des Tageslichts besser in Szene gesetzt werden.


Die Geschichte des RGM

1946 ging das Römisch-Germanische Museum aus der Römischen und Germanischen Abteilung des Wallraf-Richartz-Museums und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte im Bayenturm hervor. Seit 1974 hat es seinen Platz am Roncalliplatz, seit 2017 steht das Gebäude von Heinz Röcke und Klaus Renner unter Denkmalschutz. Das Museum zeigt das archäologische Erbe der Stadt von der Urgeschichte bis ins frühe Mittelalter. Es zeigt Funde aus mehr als 100 000 Jahren rheinischer Siedlungsgeschichte.

Nach der Schließung 2018 zog das RGM interimsweise ins Belgische Haus an der Cäcilienstraße in der Nähe des Neumarkts. Zum Gebäude am Roncalliplatz sagte Museumsdirektor Marcus Trier schon 2017: „Das Gebäude pfeift aus dem letzten Loch.“ Berühmt ist das Römisch-Germanische Museum unter anderem für das Dionysos-Mosaik aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. Das Haus präsentiert außerdem die weltweit größte Sammlung römischer Gläser, darunter eine große Zahl römischer Luxusgläser.

20 Millionen Menschen und mehr haben das Römisch-Germanische Museum seit der Eröffnung besucht. (sim)