Kölner Pfarrer Mörtter im InterviewWas hinter dem Gottesdienststreik in Köln steckt

Pfarrer Hans Mörtter von der Luthergemeinde.
Copyright: Stefan Rahmann
- Die Gemeinde der Lutherkirche in der Kölner Südstadt tritt ab Sonntag, 15. November in einen Gottesdienststreik.
- Warum, was das bedeutet und ob es im Advent wieder weitergeht, erzählt Pfarrer Hans Mörtter im Gespräch.
Köln – Herr Mörtter, die Gemeinde der Lutherkirche tritt in einen Gottesdienststreik. Warum?
Hans Mörtter: Ich persönlich finde die Entscheidung falsch, derart rigoros in den Lockdown zu gehen. Wir als Kirche sind die Einzigen, die noch mit vielen Menschen – im Rahmen eines Gottesdienstes – feiern können. Bei uns sind das 100 Personen bei entsprechenden Hygienemaßnahmen. Aber wir werden an der Lutherkirche in den solidarischen Streik gehen und uns an die Seite aller Geschädigten, wie Kulturschaffende, Gastronomen und viele andere, stellen.
Bis wann gilt das?
Am 29. November, dem Ersten Advent, starten wir wieder, sehr bewusst noch im Lockdown und mit einer klaren Ansage für die Verbreitung von Furchtlosigkeit. Es wird die Eröffnung eines ganz anderen Advents, der Raum erschließt für unser Menschsein und entgegen Verunsicherung und Angst.
Ist die Lutherkirche bis dahin geschlossen?
Nein. Wir werden sie sonntags von 11 bis 13 Uhr Uhr öffnen. Wer will, kann gerne ein wenig Stille, Gebete oder anderes genießen. Die großen Kerzen werden angezündet sein und, wer will, kann gerne eine kleine Kerze für die Hoffnung entzünden.
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Gibt es trotzdem so etwas wie einen geistlichen Impuls?
Ja, den gibt es und zwar das Wort zum Sonntag. Das ist ein Video-Format, das von vielen Interessierten gesehen wird. Es gibt einen Leitgedanken, und ich improvisiere dann vor laufender Kamera. Das war konzipiert als so etwas wie ein Predigtersatz, als die Kirche wirklich geschlossen war, und es gibt dieses Format seit März ein Mal pro Woche.
Was sagen Sie zu dem Vorwurf, ausgerechnet jetzt, wo Menschen die Impulse aus der Kirche brauchen, ist sie nicht da.
Wir leben ja nicht auf einer Insel der Glückseligen. Wir können nicht so tun, als wäre nichts und uns rausnehmen. Wir müssen da auch mal eindeutig Stellung beziehen und sperrig sein. Jetzt halten wir einfach mal drei Sonntage lang die Klappe. Die Künstlerinnen und Künstler leiden. Aber nicht nur sie. Da ist es meiner Meinung nach unsere Pflicht, uns solidarisch zu zeigen.
Ihre Lutherkirchengemeinde war ja auch nicht wirklich im Lockdown.
Das stimmt. Wir haben die Hofkonzerte, bei denen Künstlerinnen und Künstler auftreten und Geld verdienen konnten. Auch Alleinerziehende haben wir seit März bis heute tatkräftig unter anderem mit Geld unterstützt. Ich finde: Wir haben wirklich Menschen gerettet. Die Kirche der Worte reicht nicht. Wir müssen was tun. So setzen wir Impulse.

