Ausgerechnet Saal 213 im Justizzentrum an der Luxemburger Straße: Nachdem dort die Decke runter kam und erneuert werden musste, regnet es jetzt rein. Erneut ein Beweis dafür, wie marode das Gebäude ist
Marodes Gebäude in KölnJetzt regnet es ins Justizzentrum auch noch rein

Der aufwendig sanierte Saal 213 wurde nun wieder von Regenmassen beschädigt.
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Die „Pleiten, Pech und Pannen“-Serie im Justizzentrum an der Luxemburger Straße reißt nicht ab: Nun ist am Wochenende in das baufällige Hochhaus, in dem Amts- und Landgericht beheimatet sind, Regenwasser eingedrungen und hat in mehreren Sälen zu Wasserschäden geführt. „Es macht echt keinen Spaß mehr“, sagte ein sichtlich frustrierter Justizmitarbeiter und schüttelte den Kopf. Eingedrungen ist das Regenwasser ausgerechnet in Saal 213, der erst im März dieses Jahres nach umfangreichen Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen wieder in Betrieb genommen worden war.
Betonwinkel eingeschlagen
Im Juni 2020 war der Saal von einem rund vier Tonnen schweren Betonwinkel völlig zerstört worden, der bei Demontagearbeiten am 18. Stockwerk des Hochhauses auf das Dach des Saales gestürzt war. Verletzt worden war damals niemand. Der Saal war wegen der Demontagearbeiten nicht genutzt. „Da muss jetzt genau hingeguckt werden“, sagte Nick Westerhelweg, stellvertretender Pressesprecher des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW (BLB), auf Nachfrage der Rundschau. Ein Gutachter sei bereits beauftragt, die Ursache für den Wasserschaden festzustellen. Weitere Angaben, wie es zu dem Regenwassereinbruch gekommen war, konnte Westerhelweg nicht machen. Laut Rundschau-Informationen soll das Regenwasser an einer undichten Stelle am Abflussrohr auf dem Flachdach in den Saal eingedrungen sein. Neben Saal 213 sind noch vier weitere Säle betroffen.
Weitere Säle betroffen
Wie Landgerichtssprecherin Michaela Brunssen auf Nachfrage mitteilte gebe es in den Sälen 117 und 118 in der ersten Etage im Zivilbereich ebenso Wasserschäden, wie in den im Erdgeschoss gelegenen Sälen 5 und 7 im Strafbereich des Gerichts. In Saal 5 lagen am Montagmorgen Teile der Deckenverkleidung aufgeweicht und zerbrochen am Boden. Aus dem Saal roch es feucht und muffig. In Saal 7 gab es großflächige Wasserflecken an der Decke.
Am Vormittag begannen Mitarbeiter eines vom BLB beauftragten Fachunternehmens damit, „die Räume zu trocknen und Schäden zu beseitigen“, wie BLB-Sprecher Westerhelweg weiter sagte. Wie lange die Säle nicht genutzt werden können, blieb zunächst unklar. Für das Landgericht, das ohnehin mit Platzproblemen kämpft, wie erst jüngst Landgerichtspräsident Roland Ketterle beim Jahrespressegespräch erklärt hatte, ist vor allem der Verlust von Saal 7 ein schwerer Schlag. Der Saal ist einer der größten am Landgericht, in dem besonders Verhandlungen mit vielen Prozessteilnehmern sowie großem Publikumsandrang geführt werden. Derzeit wird in dem Saal der sogenannte „Thallium-Fall“ verhandelt. Darin wird ein Mann beschuldigt drei Frauen die früher als Rattengift genutzte Substanz heimlich verabreicht zu haben — zwei von ihnen starben. Der Zuschauerandrang bei dem spektakulären Prozess ist enorm. Doch auch in dieser Verhandlung muss es weitergehen.

