Rund 10.000 Menschen in Köln sind wohnungslos. Ein Aktionstag soll Betroffenen Sichtbarkeit bieten.
„Es kann jeden treffen“Aktionstag gegen Wohnungslosigkeit am Ebertplatz will Sichtbarkeit schaffen

Jane van Well (li.) vom Sozialdienst Katholischer Männer Köln und Sarah-Fee Jackmuth (r.) vom Träger Auf Achse/KJSH e.V. sind Mitorganisatorinnen des Aktionstags gegen Wohnungslosigkeit.
Copyright: Alexander Schwaiger
Das ‚Rad gegen Wohnungslosigkeit‘ bleibt stehen: „Du warst im Krankenhaus und bist danach wieder auf der Straße. Wo gehst du hin?“ steht in etwa auf dem Feld. „Nirgends. Keine Ahnung, das ist dann schlecht“, sagt ein Mann, der offenbar selbst wohnungslos ist. Auf den anderen Feldern des Kreisels sind weitere Szenarien beschrieben. Klar wird: Hier geht es um Situationen, die für wohnungslose Personen schnell prekär werden können. „Viele Menschen meinen, es müsste eigentlich leicht sein, aus der Wohnungslosigkeit herauszukommen“, sagt Deborah Blum vom Diakonischen Werk Köln und Region. Dabei sei die Realität oft viel komplizierter.
Das Rad ist Teil des Aktionstags gegen Wohnungslosigkeit auf dem Ebertplatz, organisiert von verschiedenen Trägern und Initiativen der Kölner Wohnungslosenhilfe, und soll Menschen ins Gespräch bringen. Vor allem diejenigen, die bisher kaum Berührungspunkte mit Wohnungslosigkeit hatten. Auf dem Platz stehen unterschiedliche Stände mit Informationen zu Hilfsangeboten, etwa zu Wohneinrichtungen oder medizinischer Unterstützung. Außerdem gibt es kostenloses Essen sowie verschiedene Getränke. „Wir wollen betroffenen Menschen natürlich einen Tag gestalten, der ihnen gefällt“, so Blum. Dazu gehören Live-Musik und eine Tischtennisplatte. Vor allem aber soll die Aktion die Situation wohnungsloser Menschen ins Blickfeld rücken: „Das hier ist ein Raum für Austausch und natürlich, um Sichtbarkeit zu schaffen“, sagt Sarah-Fee Jackmuth vom Träger ‚Auf Achse/Kjsh e. V.‘.
Die Aktion findet am bundesweiten Tag der wohnungslosen Menschen unter dem Motto „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot“ statt. Dabei gehe es auch darum, Vorurteile abzubauen: „Ich sage immer, die Menschen sind nicht betroffen, sondern getroffen von Wohnungslosigkeit. Es kann jeden treffen“, so Jackmuth.

Am Aktionstag gegen Wohnungslosigkeit haben sich unterschiedliche Initiativen und Träger der Kölner Wohnungslosenhilfe zusammengeschlossen.
Copyright: Alexander Schwaiger
Rund 10.000 Menschen sind in Köln wohnungslos
In Köln sind rund 10.000 Menschen wohnungslos, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAGW). Akut auf der Straße lebten etwa 400. Damit gehöre Köln zu den Brennpunkten in Nordrhein-Westfalen. „Das größte Problem ist der fehlende Wohnraum“, sagt Jane van Well vom Sozialdienst Katholischer Männer Köln. Viele Menschen seien eigentlich bereit, selbstständig zu leben und zu wohnen, es fehle jedoch an Möglichkeiten, den Weg dorthin zu schaffen. Jackmuth sieht außerdem die Politik in der Verantwortung: „Das sind strukturell bedingte Probleme. Wir brauchen von der Politik eine Haltung, die gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert, nicht spaltet.“
Angebote gebe es zwar einige, die Situation der Menschen sei jedoch sehr vielfältig – und daraus ergäben sich unterschiedliche Bedürfnisse. Etwa für Paare, Frauen oder Personen mit Hund seien Wohnunterkünfte häufig schwierig zu finden, erklärt Jackmuth. Mit Blick auf den kürzlich vorgestellten Haushalt schaut van Well mit Sorge in die Zukunft: „Es darf keine finanziellen Kürzungen geben. Das ist fatal für diese bestehenden Angebote. Es ist so wichtig, dass wir die weiterführen können.“
Dieses Jahr findet der Tag zum ersten Mal auf dem Ebertplatz statt, die vergangenen Jahre auf dem Rudolfplatz. Das Angebot ist dadurch etwas schlanker als sonst, denn der Bühnenwagen passt nicht auf den Platz. Dennoch sagt Jackmuth: „Es ist eigentlich schön hier, wir wurden hier mit offenen Armen empfangen. Und das ist ja auch ein Ort, an dem viele Menschen so schon viel Zeit verbringen.“
