Kölns zweitgrößte Kirche wird generalsaniert. Architekt Max Ernst erklärt, was in den kommenden drei Jahren auf der Baustelle zu tun ist.
Fassade, Fenster und ElektrikSo läuft die Sanierung der Agneskirche

In wenigen Wochen wird das Gerüst den gesamten Turm der Kirche St. Agnes umfassen.
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Die Sanierung der Kirche St. Agnes, deren Turm in wenigen Wochen komplett eingerüstet sein wird, liegt im Zeit- und Kostenplan. Das sagte Architekt Max Ernst, der zusammen mit seinem Sohn Philipp die Baustelle leitet, am Freitag bei deren Besichtigung. Nach Karneval hatten dort die Arbeiten begonnen, die sich in zwei Abschnitte unterteilen und insgesamt voraussichtlich drei Jahre dauern. Dazu gehört unter anderem, Schäden an Fassade und Turm zu beheben, die Fenster wetterfest zu machen, die Elektrik vollständig zu erneuern und die Heizungsanlage auf Fernwärme umzustellen.
Von der Generalüberholung unberührt sind bisher das Querhaus und der Chor. Eine riesige weiße Staubschutzwand, die sich bis zur Decke hochzieht, macht es möglich, dass dieser Teil des Sakralbaus weiterhin Besuchern und Besucherinnen offensteht und für Gottesdienste genutzt werden kann. Dahinter – im Langhaus, in den Seitenschiffen, der Sakristei und der Empfangshalle – laufen die Arbeiten des ersten Bauabschnitts.
Sämtliche Fenster müssen saniert werden
Die Mitte des Kirchenraums nimmt ein Gehäuse aus Spanholzplatten ein, in dem Ausstattungsstücke wie etwa Bilder und Figuren lagern. Die Pietà war zu groß dafür; sie ist an ihrem angestammten Platz in einer Nische stehen geblieben, allerdings komplett verhüllt worden. Geschützt sind ebenso die Hauptorgel samt Spieltisch und das an der Empore angebrachte Rückpositiv, ein zusätzliches Orgelwerk; beide sind mit Holzplatten eingehaust. An einigen Stellen ist der Bodenbelag geöffnet worden, um neue Kabeltrassen und eine Wasserleitung zu verlegen.
Zur Schonung der Substanz hat man die Wände nur dort aufgebrochen, wo bereits Elektrokabel verliefen. Sämtliche Fenster würden saniert, erklärte Max Ernst. Denn die Windeisen genannten Metallstäbe, die zur Festigung der Glasscheiben bei Winddruck und starkem Regen dienen, hätten sich als zu schwach erwiesen. Die Fenster werden in einer Werkstatt in Paderborn überarbeitet. Dagegen sind die mit Kupfer beschlagenen Eichenholzportale in einen Restaurierungsbetrieb in Regensburg gebracht worden.
Bisheriges Lager soll einem Begegnungsort weichen
Blaue Klebestreifen auf dem Boden markieren die Stellen, wo schräg zur Längsachse des Mittelschiffs zwei Kuben in den Ausmaßen geschaffen werden, die ein in der Nähe aufgestelltes Modell hat, eine mit einem Tuch bespannte Holzkonstruktion. Die beiden Bauten sollen als Lager für Stühle, Tische und Veranstaltungstechnik dienen. Denn der früher als Lagerraum genutzte Turmbereich hinter dem linken Seiteneingang entfällt. Hier entsteht nach den Plänen der Architekten ein Begegnungsraum, zum Gang hin abgegrenzt von zwei hohen Glastüren, die in die hohen Spitzbögen eingesetzt werden.
Auf der anderen Seite, hinter dem Bereich, wo nach Abschluss der Arbeiten wieder die Lichtinstallation „Spero Lucem“ ihren Platz findet, wird eine barrierefreie Toilette gebaut. Nach Ende des ersten Bauabschnitts im kommenden Jahr beginnen die Arbeiten im Querhaus und Chor. Dann findet der Kirchenbetrieb auf der anderen Seite der Staubschutzwand statt. „Uns war es wichtig, dass St. Agnes auch während der Bauzeit ein offener Ort bleibt“, so Citypfarrer Dominik Meiering. Viele Leute empfänden den kleineren Kirchenraum sogar als angenehm, weil die Atmosphäre intimer sei, sagt Birgitt Caspers vom Kirchenvorstand.
Das Erzbistum Köln trägt den Großteil der Sanierungskosten
Auf mehreren Ebenen des Gerüsts, dessen enorme Last über Stahlträger in den Boden geleitet wird, erläuterten die Architekten, was unabhängig von den zwei Bauabschnitten am Turm und an den Fassaden geschieht. Hauptsächlich geht es darum, zu prüfen, wie fest die Vorsatzschalen, also die Außenwandverkleidungen aus Tuff- und Sandstein, sitzen. Die wenigsten müssten ausgetauscht werden, sagte Philipp Ernst. Diejenigen, die sich gelockert haben, würden mit neuen Ankern im Kernmauerwerk befestigt.
Zudem werden mit einem Sandstrahl Ablagerungen, die beispielsweise durch Abgase entstanden sind, abgetragen. Das gilt auch für die steinernen Figuren und das weitere Zierwerk. Damit die Sandkörner und freigesetzten Staubpartikel nicht die Nachbarschaft beeinträchtigen, ist das Gerüst mit einem feinmaschigen Gewebe umspannt.
Den Löwenanteil der Sanierungskosten, die sich auf rund 13 Millionen Euro belaufen, trägt das Erzbistum Köln. Die Gemeinde müsse sich mit 650.000 Euro für Arbeiten im Innenraum beteiligen und sei daher auf Spenden angewiesen, sagt Birgitt Caspers. Das Geld sei zum Beispiel für den Austausch von Leuchten und Lautsprechern nötig, ebenso für die Einrichtung des Gemeinschaftsraums. Die dreischiffige, neugotische Hallenkirche, 80 Meter lang und 40 Meter breit, wurde von 1896 bis 1901 in Ziegelbauweise errichtet.
Mit dem 61 Meter hohen Turm ist St. Agnes nach dem Dom die größte Kirche Kölns. 1980 zerstörte ein Großbrand den Dachstuhl. Danach wurde die verkleidete flache Decke, die für die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg typisch war, durch eine Rekonstruktion des ursprünglichen Gewölbes ersetzt. Damit beauftragt war Karl-Josef Ernst aus Zülpich, dessen Architekturbüro sich auf Kirchenbauten spezialisiert hatte. Nun sind sein Sohn und sein Enkel mit der Sanierung betraut. „Es ist schön, dass unser Büro wieder beteiligt ist“, sagte Max Ernst.